Nicht nur Pan Tau kommt aus Tsche­chi­en

So muss prak­ti­sche Mit­mensch­lich­keit ein­fach aus­se­hen: Die­se Le­se-Er­leb­nis­se wir­ken le­bens­ver­än­dernd

In München - - INHALT -

Wer die Chan­ce er­hält, mit Eric Wre­de schon zu Leb­zei­ten in Kon­takt zu ge­ra­ten, soll­te sie sich nicht leicht­fer­tig ver­strei­chen las­sen. Der gu­te Mann mit der klas­si­schen Me­lo­ne ist Deutsch­lands sym­pa­thischs­ter Be­stat­ter – nach­dem er es in der ten­den­zi­ell eher von Un­sym­pa­then be­völ­ker­ten Mu­sik­in­dus­trie nicht mehr aus­ge­hal­ten und ra­di­kal um­ge­schult hat­te. Mitt­ler­wei­le führt Wre­de ein Be­stat­tungs­in­sti­tut, das sich um all das küm­mert, was ei­gent­lich selbst­ver­ständ­lich sein soll­te und doch im tris­ten Bü­ro­kra­ten­all­tag des Ver­schar­rens und Kre­mie­rens oft doch nicht ist. Trau­er hat bei ihm Raum – und tat­säch­lich Kul­tur. Und ein wit­zi­ger Kopf ist er auch, wie al­le wis­sen, die sein wirk­lich ori­gi­nel­les Sach­buch „The End – Das Buch vom Tod“auf die Best­sel­ler­lis­ten be­för­dert ha­ben. Nun ist der Fach­mann für die letz­ten Din­ge Star­gast der um­trie­bi­gen Heyne-Hard­core-Night, bei der star­ke Au­to­ren je­weils durch Tex­te von min­des­tens ge­nau­so auf­re­gen­den Kol­le­gen trüf­feln. Mu­sik da­zu kommt da­bei von der Münch­ner Band Ka­tie Smo­kers Wed­ding Par­ty – und zwar sol­che zwi­schen Post-Punk und Lo­fi-Pop. (Un­ter Deck, 10.4.)

Ein Meis­ter der ge­pfleg­ten, in­tel­lek­tu­ell hoch­wer­ti­gen La­ko­nie ist auch Fer­di­nand von Schi­rach, dem man ger­ne in die grau­en Wel­ten des Ge­richt­s­all­tags folgt. Von spek­ta­ku­lä­ren Ver­bre­chens­fäl­len und von zwie­lich­ti­gen Straf­ver­tei­di­gern kann er groß­ar­tig er­zäh­len. Von sich selbst sagt er lie­ber so gut wie nichts. Dass än­dert sich nun mit sei­nem neu­en Er­zähl­band „Kaf­fee und Zi­ga­ret­ten“, in de­nen oft Sto­ries ent­hal­ten sind, die von Schi­rach selbst als la­tent au­to­bio­gra­fisch be­zeich­net wer­den. Aber was weiß man schon mit Si­cher­heit? Ge­nau dar­um geht es auch im zur Le­sung bei­ge­füg­ten Vor­trag zum The­ma Auf­klä­rung, in der der Au­tor dar­über klagt, dass man tat­säch­lich so oft nicht wis­sen kann, „was rich­tig und was falsch ist“. Aber rhe­to­risch scharf ge­schlif­fen dar­über re­den kann man zum Glück eben doch. (Kam­mer­spie­le, 10.4.)

Scharf und pi­kant dürf­te es auch auf dem li­te­ra­risch-ku­li­na­ri­schen Abend mit dem Best­sel­ler-Au­tor Da­ni­el Speck („Bel­la Ger­ma­nia“) zu­ge­hen. Er liest näm­lich aus sei­nem neu­en Ro­man „Pic­co­la Si­ci­lia“, das auf das gleich­na­mi­ge Ein­wan­de­rer­vier­tel im Tu­nis der Vier­zi­ger Jah­re ver­weist. Wie­der ein­mal geht es um ei­ne ver­wi­ckel­te Fa­mi­li­en­ge­schich­te mit dunk­len Ge­heim­nis­sen. Er­zählt wird un­ter an­de­rem von ei­nem lan­ge als ver­schol­len ge­glaub­ten Deut­schen, der auf Si­zi­li­en mög­li­cher­wei­se ein zwei­tes Ge­heim­le­ben be­gon­nen hat­te. Clou des Abends: Zur Le­sung gibt’s tu­ne­si­sche Koch­krea­tio­nen und tu­ne­si­sche Mu­sik. (Hu­gen­du­bel St­a­chus, 6.4.)

Ei­ne schon an­ge­schräg­te wil­de Fa­mi­li­en­ge­schich­te ent­rollt uns auch der tsche­chi­sche Li­te­ra­tur­star Já­chym To­pol in sei­nem neu­en Ro­man „Ein emp­find­sa­mer Mensch“, der nach ei­ner fast zehn­jäh­ri­gen Schreib­pau­se nun end­lich her­aus­kam. Dar­in ist von ei­ner tsche­chi­schen Künst­ler­fa­mi­lie die Re­de, die bei ei­nem Sha­ke­speare-Fes­ti­val auf der In­sel auf­tritt und dann von wut­schnau­ben­den Br­ex­it-An­hän­gern rü­de aus dem Land ge­jagt wird. Im Cam­ping­wa­gen reist die Fa­mi­ly qu­er durch den wil­den Os­ten ins rus­sischu­krai­ni­sche Kri­sen­ge­biet, wo sie – na­tür­lich – Gé­r­ard De­par­dieu heim­lich sei­nen Lu­xus­schlit­ten klaut. Da­mit geht’s dann zu­rück in die Hei­mat. Eh klar. Gro­ßer Zir­kus! (Li­te­ra­tur­haus, 10.4.)

Apro­pos Ga­ga-Br­ex­it: Mit sei­nen ei­ge­nen Lands­leu­ten geht der bri­ti­sche His­to­ri­ker Ian Kers­haw hart ins Ge­richt. Er hat mit „Ach­ter­bahn“nun nach „Höl­len­sturz“den zwei­ten Teil sei­ner eu­ro­päi­schen Ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts vor­ge­legt. Und sei­ne Hel­den

Ge­pflegt mit Me­lo­ne: ERIC WRE­DE

Ge­pflegt ver­wu­schelt: JÁ­CHYM TO­POL

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