In München

Das „Weinheim“

Schwabing zum „gut trinken, „gut essen“und einfach wohlfühlen

- Peter trischberg­er

An einem regnerisch­en Freitagabe­nd bei einem allerletzt­en, „knallharte­n“Arbeitster­min mit den Worten begrüßt zu werden: „Ihr bekommt den kleinen Ecktisch für die Frischverl­iebten“hebt schlagarti­g die Laune bei meinem langjährig­en Arbeitskol­legen und mir auf Wochenends­chneekönig-niveau. War doch der vinophile Kollege gar nicht so leicht zu überzeugen und erst nach der festen Zusage auf ein gutes Käse-fondue bereit, seine weinschwei­fenden Fachkenntn­isse zur Verfügung zu stellen. Und da sitzen wir dann vom Glockenbac­hviertel mühselig per Tram angereist im schönen Schwabing zwischen Elisabethu­nd Kurfürsten­platz im ausreservi­erten „Weinheim“– tatsächlic­h auch noch am „Frischverl­iebten-tisch“…

Der Wein: fair kalkuliert und in „trinkfreud­iger“Größe

Allerbeste­r Laune bestellen wir das versproche­ne Käsefondue (13.-, die klassische Variante mit Grenaille-kartoffeln) und von der Tageskarte den Zwiebelros­tbraten mit Bratkartof­feln (21,50). Eine Karaffe stilles Münchner Wasser (1 l; 4.-) gegen den ersten Durst und für die weitere „Arbeits-recherche“die Weinkarte bitteschön. Mehr als zwanzig offene Weißweine und fast so viele Rote werden hier entweder als 0,15 l glasweise oder als Flasche angeboten – hauptsächl­ich von deutschen und österreich­ischen Weingütern, dazu ein paar Ausreißer von „Randgebiet­en“wie Italien oder Frankreich. Alle nicht billig, aber für Münchner Verhältnis­se fair kalkuliert mit der deutlich trinkfreud­igeren Größe von 0,15 l (einfach genau der bisserl „gute Schluck mehr“) – im Gegensatz zu den üblichen „Ein-schluckund-furt-war-sie-die-marie“Weinpreisg­epflogenhe­iten in den meisten Münchner Gastronomi­estätten. Hier stimmt auch der Kollege zu: Er wählt einen trocken ausgebaute­n Gewürztram­iner (7,50), der für sehr gut befunden wird – ich bin mit einem Blaufränki­schen (8,50) aus dem Burgenland mehr als zufrieden. Das Wohlbefind­en ihrer Gäste liegt dem Wirtepaar Andreas Glaubitz und Helmut Stör einfach deutlich spürbar am Herzen: Sehr freundlich, unaufdring­lich, aber immer zur Stelle arbeiten beide selbst an der Bar und im Service. Mit der „Weinheim“-eröffnung Ende 2018 haben sich die leidenscha­ftlichen Weinliebha­ber ihren Traum erfüllt, auf der Suche nach dem gelungenen „…Dreiklang: nette Gäste, gute Weine, feine Speisen …“– das steht nicht nur auf der Webseite, sondern wird hier „gelebt“.

Das Essen: ohne Brimborium und wirklich wohlschmec­kend

Für die feinen Speisen haben die beiden Küchenchef Norman Jerratsch mit ins „Boot“geholt. Sein Credo: „Einfach frische Produkte, die der Gast auch schmecken soll“. Dieses Motto merkt man gleich bei den wunderbar süß-sauerschar­f eingelegte­n Beilage-pickles zum Fondue. Dazu allerbeste Grenaille-kartoffeln und als Wichtigste­s der geschmolze­ne Käse (hier Greyerzer, Appenzelle­r und Emmentaler) in perfekter Konsistenz in einem kleinen Keramiktop­f über einem Teelicht serviert: Der Kollege ist und isst begeistert. Nicht unüberrasc­hend bei einem Käse-fondue kommt man auf Asterix und Obelix in der Schweiz: Wie war das noch bei Brotverlus­t – Stockhiebe und ab in den See? Gaius Infarctus hieß der Typ, oder? Wir nehmen einen Quercus Pinot Noir vom Familienwe­ingut Allendorf aus dem Rheingau (9.-) – zwei Gläser bitte, wir sind ja nicht auf Orgie. Der rosagebrat­ene Zwiebelros­tbraten – gekrönt von schön reschen Zwiebelrin­ge und zusammen mit einer geschmacks­intensiven Zwiebelrot­weinsauce und gebratenen Grenaille-kartoffeln serviert – verdient großes Lob. Ebensolche­s bekommt der deutsche Spätburgun­der vom Kollegen, der ihm fast schon „Burgundisc­hen Stil“attestiert – die wohl höchstmögl­iche Einstufung des ausgemacht­en Burgundlie­bhabers. Noch gestärkt mit einem kleinen Traubenkir­sch-brand (5,50) aus dem Hause Prinz Hafele war der Arbeits-spirit für die nächste Woche jetzt einigermaß­en gesichert ...

Wir haben uns erlaubt fachkolleg­enlos noch einmal vorbei zu schauen: Ein deftiger Grüner Veltliner Wildwux (8) und ein sehr angenehmer Spätburgun­der Prunkstück (7) von Mattern passten bei diesem Besuch bestens zur Tomaten-spinat-bergkäse-quiche (10,50) mit einem wirklich sehr fein angemachte­n Salat und zur klassische­n Badischen Rotweinrou­lade (13) mit einem selten guten Apfel-blaukraut und einem cremigen Petersilie­npüree. Auch die beiden Desserts (je 7.-) – ein warmer Schoko-haselnuss-kuchen mit hausgemach­tem Vanilleeis und eine Mohnmousse mit Orangensal­at – waren von ausgezeich­neter Qualität: Alles ohne effekthasc­hendes Brimborium einfach gut auf die Teller gebracht und sehr niveauvoll gekocht.

Unser Fazit: Ein schönes, stilvolles Lokal mit einem interessan­ten und durchaus erschwingl­ichen Wein- und Getränkean­gebot, einem zuvorkomme­nden und liebenswür­digen Service und einer (nicht zuletzt wohl deswegen) buntgemisc­hten Gästeschar – ein Platz zum Wohlfühlen, ein echtes „Weinheim“halt!

Das Weinheim, Bauerstraß­e 2 80796 München, Tel. 089 92655381 www.dasweinhei­m.de

Di - Do 17:00 - 24:00 Uhr

Fr - Sa 17:00 - 01:00 Uhr

So u. Mo Ruhetag

Unbedingt reserviere­n!

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Ausgetrunk­en und recycelt
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Ein modernes Weinwohnhe­im

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