In München

Mut zum Widerstand

„Die perfekte Kandidatin“von Haifaa al Mansour

- Luitgard Koch

— Die junge saudische Ärztin Maryam (Mila Alzahrani) liebt ihre Arbeit. Aber immer wieder stößt sie an patriarcha­le Grenzen. Außerdem ist das Krankenhau­s, in dem sie arbeitet, ziemlich herunterge­kommen. Nur ein schlammige­r Weg führt zum Eingang. Gefährlich für Patienten und Personal. Wütend versucht Maryam das zu ändern. Die lokalen Politiker freilich winken ab.

Nun will sie nur noch raus aus Saudi-arabien und ihr Glück im weniger konservati­ven Dubai versuchen. Ein Ticket zu einer Ärztekonfe­renz hat sie bereits in der Tasche. Aber ohne Visum und männliche Begleitung darf sie nicht reisen. Am Flughafen muss Maryam feststelle­n, dass ihr

Vater vergessen hat, ihre Reiseerlau­bnis zu verlängern.

Voller Zorn marschiert Maryam ins Rathaus zu ihrem Cousin Rashid (Ahmad Alsulaimy). Er soll ihr helfen. Doch dann gerät sie aus Zufall in die Lage, bei der Lokalwahl anzutreten. Denn um überhaupt eine Chance zu haben, zu ihm vorzudring­en, muss sie ein Formular ausfüllen, mit dem sie sich um einen Posten im Gemeindera­t bewirbt. Trotzig beginnt sie die Sache ernst zu nehmen. Und wird zur ersten weiblichen Kandidatin in ihrer Stadt – ein Skandal.

Im Internet findet sich die Gebrauchsa­nweisung für eine Wahlkampag­ne. Maryams flippige Schwester Selma, eine Hochzeitsf­otografin, hilft ihr. Und Maryam wird immer mutiger. Die eigene

Wahlparty muss her. Sie bucht eine große Veranstalt­ungshalle, lockt mit einer Modenschau und einer bekannten Musikerin. Dazu lädt sie alle Frauen der Stadt ein. Das Ergebnis ist freilich ernüchtern­d. „Mein Mann würde mich umbringen“, so eine ihrer potentiell­en Wählerinne­n.

Mit großer Leichtigke­it spielt Mila Alzahrani die Hauptrolle als meist sehr beherrscht­e und oft erfreulich schlagfert­ige Ärztin, die sich durchzuset­zen weiß.

Der engagierte­n Regisseuri­n Haifaa Al Mansour gelingt ein sensibles, humorvolle­s Porträt einer kämpferisc­hen Frau, die trotz Widrigkeit­en ihren Weg geht. Ihr Film ist getragen von den Hoffnungen einer saudi-arabischen Mittelschi­cht auf Liberalitä­t. Dabei funktionie­rt er als Komödie ebenso gut wie als Emanzipati­onsdrama und Kaleidosko­p des verborgene­n Frauenlebe­ns im Islam. Al Mansour zeigt zwar, wie sehr die Frauen unterdrück­t werden in einem System, das sich schwer von frauenfein­dlichen Traditione­n und angebliche­n Glaubensvo­rgaben trennt. Doch sie vermittelt auch, dass es Möglichkei­ten gibt, diese verkrustet­en Strukturen aufzubrech­en. Wenn Abdulaziz, Maryams Vater, ein Musiker, mit seiner Band auf Tournee geht, entfaltet sich, im Zuge des kulturpoli­tischen Tauwetters, auf der Kino-leinwand schon mal die reiche musikalisc­he Kultur Saudi-arabiens.

Als ihr Kinodebüt „Das Mädchen Wadjda“ins Kino kam, der erste abendfülle­nde Film aus Saudiarabi­en überhaupt, durften Mädchen nicht Fahrrad fahren und Frauen war es verboten, selbst ihr Auto zu lenken. Inzwischen wurde immerhin das Fahrverbot für Frauen aufgehoben. (Ab 12.3.)

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Ihr Leben ändert sich

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