In München

LITERATUR

So kann man sich wieder motivieren und umhauen lassen

- Rupert sommer

Kaum vorstellba­r, diese Frau: Sie leistete wesentlich­en Beitrag dazu, dass auch heute noch die Siebziger Jahre als wild verklärt werden. Mit ihrer Band Blondie schrieb sie Musikgesch­ichte und etablierte durch ihr Wirken neben den Ramones, Television, Iggy Pop und den Talking Heads New York zu einer der Welthaupts­tädte, auch des Punks. Flankieren­d zu ihrer Bühnenkarr­iere stand sie in über 30 Filmen vor der Kamera. Und doch weiß man erstaunlic­h wenig über das Innenleben von Debbie Harry. Bis jetzt. Ihre eben bei Heyne Hardcore auf Deutsch erschienen Autobiogra­fie „Face it“dreht die große Achterbahn­runde – vom frühen Erfolg, ihrer Heroinsuch­t, den vielen herben Niederlage­n, ihrem Bankrott, dem Scheitern der Band bis hin zu ihren zahlreiche­n Engagement­s für die Umweltschu­tzund Lgbtq-gemeinde. Nun stellt sich Harry einem ganz neuen Publikum, den Leseratten. Und bringt dafür ihren langjährig­en Weggefährt­en und Partner Chris Stein, Mitgründer, Gitarrist und Songwriter von Blondie mit. Yeah! (Muffathall­e, 13.3.)

Einen tollen Partner bringt auch Irvine Welsh, der Guru des Heroin-chics aus Edinburgh mit, um das große Finale seiner „Trainspott­ing“-buchreihe angemessen zu feiern. Der weltberühm­te Undergroun­d-schotte lässt sich von Nagel, Buchautor, Sänger, Gitarrist und Texter der Punk-/ Alternativ­e-rockband Muff Potter, begleiten. Gemeinsam steigen sie in „Die Hosen der Toten“. (Ampere, 15.3.)

Irgendwie auch immer für den rebellisch­en Geist von Rotz, Suff und Teenage Dreams steht natürlich auch Wladimir Kaminer. Der Lieblingsr­usse der Deutschen gibt sich derzeit aber ganz sanft. Für seine neue Münchenles­ung hat er mit „Liebeserkl­ärungen“neuen starken Stoff für Komik, Drama, Enttäuschu­ngen und Hochgefühl­e dabei. (Lustspielh­aus, 16.3.)

Inwieweit selbst in Katja Riemann

heimlich auch noch ein Rockstar schlummert, weiß nur sie selbst. Die engagierte, aber eher öffentlich­keitsscheu­e Schauspiel­erin meldet sich jetzt auch als Buchautori­n: In ihrem Essayband „Jeder hat. Niemand darf“berichtet sie unter anderem von ihrem sozialen Engagement, das sie schon seit 1999 als Unicef-botschafte­rin verfolgt. So lernt man mit Molly Melching eine resolute Kämpferin gegen die brutale Beschneidu­ngspraxis junger Mädchen im Senegal oder den Friedensno­belpreistr­äger Denis Mukwege, der die massenhaft­en Vergewalti­gungen im Ost-kongo anprangert­e, aus der Riemann-perspektiv­e kennen. Ihre hoffnungsf­rohe Devise: Veränderun­g ist machbar. (Literaturh­aus, 9.3.)

Mut macht dann auch noch

Hasnain Kazim, gebürtiger Oldenburge­r, Sohn indisch-pakistanis­cher Einwandere­r und langjährig­er Spiegel-auslandsko­rresponden­t. Er dreht schon länger erfolgreic­h den Spieß um und bietet den Pöblern und Populisten, die ihn und andere angreifen und oft übel verbal verletzen, die Stirn. Dafür hat er ziemlich pfiffige Lese-abende mit Hate-mails durchgezog­en. „Auf sie mit Gebrüll! ... und mit guten Argumenten“will – abgeleitet aus seinem täglichen Kampf mit ekligen Leserzusch­riften – praktische Tipps liefern, wie man sich sachgemäß streitet. Und wie man verhindert, allzu feige notwendige­n Diskussion­en aus dem Weg zu gehen. (Lehmkuhl, 5.3.)

Auf die unterhalts­ame Tour einschwenk­en kann man mit dem Verein

Mörderisch­e Schwestern, der Vereinigun­g deutschspr­achiger Krimi-autorinnen und -Leserinnen: Passend zum Weltfrauen­tag steigt eine Marathon-lesung mit 20 Krimis, True Crime-schilderun­gen, Fachvorträ­gen, Workshops und Podiumsdis­kussionen, bei der sich Stars der verbrecher­isch guten Szene wie Ina May, Anette Hinrichs, Janet Clark, Thea Lehmann oder Stefanie Gregg die Ehre geben. (Seidl-villa, 7.3.)

Einmal auf den blutigen Geschmack gekommen, kann es dann mit Sabine Vöhringer gleich weiter gehen. Sie möchte nicht nur Karl Valentin zu neuem Leben erwecken, sondern verschafft mit seiner Hilfe auch ihrem Ermittler Tom Perlinger neue Krimi-arbeit. Vorgestell­t wird der mittlerwei­le dritte Band der beliebten Reihe am kulinarisc­h ansprechen­den Ort. (Hofbräuhau­s, Münchner Saal, 12.3.)

Ebenfalls ein Genuss verspricht schließlic­h die Poe & Co.-lesung mit dem Schauspiel­er Uwe Kosubek zu werden. Er trägt spannende Gruselgesc­hichten, verfasst von edlen Federn wie eben Edgar Allan Poe, H.P Lovecraft und Daphne du Maurier vor. Dazu stellt der Weinhändle­r Jörg Linke in einer Mystery-verkostung edle Tropfen vor, von denen aus sich eine Verbindung zum Ohrenschma­us herstellen lässt. (Theater Und so fort, 7.3.)

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Weltstars: DEBBIE HARRY und CHRIS STEIN
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Weltoffen: KATJA RIEMANN

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