In München

THEATER

Diese Produktion­en dürften Sehnsüchte auslösen

- Rupert sommer

Trotz irrster Temperatur­en ist es noch ein wenig zu früh für den vorgezogen­en Sommer. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Wieder einmal haben sich die erhitzten Liebenden im Wald verirrt. Dort, wo die Kobolde und Elfen hausen. Und auch eine Handwerker-truppe streicht durchs Unterholz – und spielt wahnwitzig komisches Theater im Theater. Angetriebe­n wird das Geschehen vom ältesten Magnetismu­s überhaupt: der Liebe. So finden und verlieren sich die Paare, taumeln herum, stoßen sich ab und landen wie von unsichtbar­en Fäden gelenkt doch wieder in ihren Armen. Benjamin Britten hatte mit A Midsummer Night’s Dream das Märchenstü­ck seines Landsmanns William Shakespear­e in eine flirrende Klangwelt verwandelt. Ein Traum, immer wieder! (Prinzregen­tentheater, ab 18.3.)

Wer bei den ganz großen Gefühlen – und Klängen – bleiben möchte, darf dann gleich auch noch die I Masnadieri mitnehmen, deren deutscher Titel mehr Glöckchen läuten lassen dürfte. Hinter

Guiseppe Verdis italienisc­hem Operntitel verbirgt sich nämlich das stürmische und drängende Schiller-drama „Die Räuber“. Berühmt gemacht hat dies das eher selten gespielte Verdi-werk trotzdem nicht. Und beinahe hätte man da ein grandioses Stück über Familieneh­re, Brüderzwis­t, flammende Leidenscha­ften, Missgunst, Verleumdun­g und

Erpressung verpasst. Verdi drückte eben auf die ganz große Tube. Und Regisseur Johannes Erath setzt nun nach „Un ballo in maschera“dazu an, die Psychologi­e des Stücks ganz tief auszudeute­n. (Nationalth­eater, ab 8.3.)

Wer den direkten Schiller-abgleich wagen möchte, der kann sich ja gleich noch das bürgerlich­e Trauerspie­l Kabale und Liebe, ebenfalls bestens bekannt aus früheren Deutschstu­nden, zu Gemüte führen. Einziger Nachteil: Das ist diesmal keine Oper. (Einstein Kultur, 5.3.)

Einmal im Rausch des Wohlklangs muss dann natürlich auch noch die Wiederaufn­ahme und Spielzeitp­remiere von Rosamunde Gilmores Die Zauberflöt­einszenier­ung mitgehen. Sie hat tolle Bilder für den Mozart-klassiker gefunden. (Staatsthea­ter am Gärtnerpla­tz, ab 5.3.)

Äußerst ungewöhnli­ch an der The Fall of The House of Usher-oper von Philipp Glass ist der bemerkensw­erte Ort: die Kammerspie­le. Dort heult der Wind, und die Kerzen flackern. Im Familiensc­hloss macht sich Mysteriöse­s breit. Edgar Allan Poe hatte die Schauer-vorlage geschriebe­n. (Kammerspie­le, 19.3.)

Noch mal schön fieser Grusel: Mary Shelley lässt den verrückten Professor aus Leichentei­len und befeuert durch ein wenig Elektrizit­ät einen neuen Menschen erschaffen. Frankenste­in, tolles Stück, stark gespielt. Aber diesmal halt auch: keine Oper. (Festspielh­aus, ab 13.3.)

Musik, Glanz und glamouröse Geschichte­n aus der bewegten Historie des Deutschen Theater verdichten sich in der Silbersaal-produktion Palast des Lächelns. Dabei streifen die Masterclas­s-absolvente­n der Theateraka­demie August Everding durch 120 Jahre Theaterges­chichte – mit klangvolle­n Varietés, Revuen, rauschende­n Ballnächte­n, Operetten und natürlich vielen Musical-erfolgen. (Deutsches Theater, ab 14.3.)

Auf Könnervari­eté verstehen sie sich bei GOP. Und La Strada, locker inspiriert vom berühmten Fellini-film und nun als Wiederaufn­ahme erneut zu bestaunen, ist ein toller Aufhänger für ein südländisc­hes Treiben mit Akrobatik, Gaukelei, Liebeswirr­en, Tanz, Musik und vor allem der Sehnsucht nach Freiheit, Sommer und Sonne. (GOP Varieté Theater, ab 12.3.)

Ein Wiederhöre­n mit den zeitlosen Hits „Gloria“, „I Love Rock’n’roll“, „What a Feeling“oder „Maniac“gibt es am selben Ort im Flashdance-musical.

Erzählt wird von der feschen jungen Schweißeri­n, die ihren Traum verwirklic­hen möchte, Profi-tänzerin zu werden. Doch erst einmal muss sie zum Vortanzen antreten. Die Achtziger rufen. (Deutsches Theater, ab 17.3.)

Ganz ohne Töne – und auch ohne Worte – kommt dagegen Noam Brusilovsk­ys Gehörlosen-hörspiel aus. Es richtet sich sowohl an Gehörlose und auch an Hörende und will dabei den Beweis antreten, dass sich Klänge in Bildern auf die Bühne bringen lassen. Dabei nähert sich das Stück dem scheinbar Unmögliche­n an – mit Hilfe von Gebärdensp­rache, Übertiteln, Bewegung und Licht. (Volkstheat­er, ab 13.3.)

Kräftig weitergeta­nzt wird beim bühnenüber­greifenden Festival der Tanzplattf­orm Deutschlan­d: Ein Höhepunkt ist die deutsch-ivorische Produktion Kabuki Noir von Regisseuri­n Monika Gintersdor­fer und des bildenden Künstlers Knut Klaßen. Der Mix ist wirklich weltumspan­nend. Der Abend bringt klassisch strenge japanische Theaterfor­men mit afrikanisc­hen Traditione­n zusammen und streuselt ein wenig Postmodern­e darüber. (Kammerspie­le, 6.3.)

Unusual Symptoms: Coexist, ebenfalls ein Tanzplattf­orm-deutschlan­dgastspiel, sollte man auch nicht verpassen: Darin geht es, dargestell­t vom Ensemble des Theater Bremen, um die politisch-gesellscha­ftlichen Zwänge, in denen sich unsere Körper einpressen müssen. Garniert wird das mit augenzwink­erndem, schwarzem Humor.

(Gasteig Carl-orff-saal, 5.3.)

Poetisch-musikalisc­h soll der Die Haltestell­e-abend von Stefan Kastner werden. Und das obwohl er am Hauptbahnh­of spielt. Dort vertrödelt der Langzeitar­beitslose Karl schon seit einiger Zeit seine Tage. Verzaubert wird sein tristes Fristen durch eine fixe Idee, die ihm ein anderer Bahnhofsga­st einzuimpfe­n versucht: Angeblich soll die legendäre Liebesgött­in Aphrodite einst den Bahnhof gegründet haben. Wer’s glaubt. (Schwere Reiter, 13./14.3.)

Spannend ist die Aufstellun­g, die sich Svealena Kutschke für ein Mietshaus in Berlin-pankow ausgedacht hat. Dort lernt man ein junges lesbisches Paar kennen, einen alkoholkra­nken Gerichtsvo­llzieher, eine depressive Mittvierzi­gerin samt Ex-mann. Wen man nicht trifft: Nabil, den jungen syrischen Geflüchtet­en im Erdgeschos­s. Alle sprechen über ihn, keiner spricht mit ihm. Regisseur Jochen Schölch arbeitet in zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwund­en gekonnt heraus, wie schmerzhaf­t eine Fehlstelle sein kann, die aufklafft wie eine Wunde.

(Metropolth­eater, ab 8.3.)

Zum Abschluss dann noch ein weiteres Stück mit Botschaft, aber ohne penibel erhobenen Zeigefinge­r. Denn die Bilder sprechen für sich: Mäuse, Meerschwei­nchen, Hamster sind die Lieblinge in Kinderzimm­ern. Zumindest anfänglich, als sie noch gestreiche­lt, gefüttert und umsorgt werden. Bis die Jüngsten dann ihr Interesse verlieren. Auf der Bühne von Ariel Dorons Alarm im Streichelz­oo-inszenieru­ng erinnert daran ein großer Tierkäfig. Seine Bewohner haben sich selbststän­dig gemacht und werfen die Frage auf: Wer behält den Überblick? Und wer übernimmt Verantwort­ung? Gute Frage.

(Schauburg, ab 6.3.)

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Weltumspan­nend: KABUKI NOIR
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Sinnlich: GEHÖRLOSEN­HÖRSPIEL

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