Ex­per­te for­dert Ren­ten­re­form

CDU-Po­li­ti­ker Weiß plä­diert für ein Min­dest­ni­veau

Ipf- und Jagst-Zeitung - - ERSTE SEITE -

(sal) - Der Ren­ten­ex­per­te der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, Pe­ter Weiß, hat in der De­bat­te über die Zu­kunft der Ren­te für die Fest­le­gung ei­nes Min­dest­ni­veaus plä­diert. Man müs­se der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on ei­ne An­sa­ge ge­ben, auf was sie sich ver­las­sen kann, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker der „Schwä­bi­schen Zei­tung“.

Weiß schlägt für die Zu­kunft ei­ne drit­tel­pa­ri­tä­ti­sche Ren­ten­fi­nan­zie­rung vor: ein Drit­tel Ar­beit­ge­ber, ein Drit­tel Ar­beit­neh­mer, ein Drit­tel Staat. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus Em­men­din­gen be­kom­me täg­lich den Är­ger je­ner Rent­ner zu spü­ren, die un­er­war­tet auf ih­re Be­triebs­ren­te noch dop­pel­te Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge zah­len müs­sen. „Da ist es ver­dammt schwer, ei­ne ge­rech­te Lö­sung zu fin­den. Ich wer­be da­für, die­se Pro­ble­ma­tik ab­zu­mil­dern, zum Bei­spiel durch ei­ne Re­form der der­zei­ti­gen Frei­gren­ze von 152,75 Eu­ro.“

- Sei­nen En­keln wür­de er ei­ne Ries­ter-Ren­te emp­feh­len, so­bald sie Kin­der ha­ben. Und für die jun­gen Leu­te fin­det er auch die Fest­le­gung ei­nes Min­dest­ni­veaus sinn­voll. Pe­ter Weiß, stu­dier­ter Theo­lo­ge und und CDUAb­ge­ord­ne­ter aus Em­men­din­gen, ist Ren­ten­ex­per­te der Uni­ons­frak­ti­on. Sa­bi­ne Lenn­artz in­ter­view­te ihn.

Die Ries­terRen­te gilt als Flop. Soll es sie wei­ter­hin ge­ben? Wür­den Sie Ih­rem En­kel emp­feh­len zu ries­tern?

So­bald er selbst Kin­der hat Ja. Dann ist die Ries­ter-Ren­te dank des ho­hen Zu­schus­ses das at­trak­tivs­te, was es gibt. Wir wol­len mit der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft ein ein­fa­ches und kla­res Stan­dard­pro­dukt für Ries­ter ent­wi­ckeln. Ich hof­fe, dass dann das Ver­trau­en in die Ries­ter-Ren­te wei­ter steigt. Es ist im­mer gut, be­trieb­li­che und pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge an­zu­spa­ren. Wenn die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge vom Ar­beit­ge­ber mit­fi­nan­ziert wird, ist sie für jun­ge Be­rufs­an­fän­ger das At­trak­tivs­te.

Was die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge an­geht, so sind vie­le Neu­rent­ner ge­schockt, wenn sie auf ih­re Le­bens­ver­si­che­run­gen rund 20 Pro­zent Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge nach­zah­len sol­len. Die SPD kann sich vor­stel­len, das we­nigs­tens zu hal­bie­ren. War­um sperrt sich die Uni­on?

Die SPD hat das selbst 2004 ein­ge­führt. Für die Zu­kunft ist das Pro­blem schon ge­löst. In der An­spar­pha­se der Be­triebs­ren­te spart der Ar­beit­neh­mer die Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein, und die Ar­beit­ge- ber ver­pflich­ten wir, die bei ih­nen ein­ge­spar­ten So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zum größ­ten Teil dem Ar­beit­neh­mer zur Be­triebs­ren­te mit­zu­ge­ben. Erst nach­ge­la­gert wird dann der Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag fäl­lig. Dies ist un­ter dem Strich im­mer ein Plus für den Be­triebs­rent­ner.

Aber was ist mit de­nen, die jetzt ih­re Be­triebs­ren­te be­kom­men?

Da ist es ver­dammt schwer , ei­ne ge­rech­te Lö­sung zu fin­den. Wur­de die­se Be­triebs­ren­te aus so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei­en Bei­trä­gen an­ge­spart oder wur­de schon mal Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag be­zahlt? Aber die Re­ge­lung von 2004 hat da­zu ge­führt, dass trotz der jetzt er­folg­ten Neu­re­ge­lung die Äl­te­ren ih­re En­kel vor Be­triebs­ren­ten war­nen. Das ist ein po­li­ti­sches Pro­blem. Ich wer­be da­für, die­se Pro­ble­ma­tik ab­zu­mil­dern, z.B. durch ei­ne Re­form der der­zei­ti­gen Frei­gren­ze von 152,75 Eu­ro.

Die Ren­ten­kom­mis­si­on nimmt ge­ra­de ih­re Ar­beit auf, bis 2020 soll ein Vor­schlag zur Si­che­rung der künf­ti­gen Ren­ten vor­lie­gen. Gibt es denn noch neue Er­kennt­nis­se?

Wir ha­ben ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung, die Ren­ten stei­gen und das Ren­ten­ni­veau geht nach oben. Die Fest­le­gung im Ko­ali­ti­ons­ver­trag, das Ren­ten­ni­veau bei 48 Pro­zent zu hal­ten und die Bei­trä­ge nicht über 20 Pro­zent stei­gen zu las­sen, ist in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein­halt­bar, in der nächs­ten bis 2025 vor­aus­sicht­lich auch. Dann wird man aber wohl ei­nen zu­sätz­li­chen Steu­er­zu­schuss für die Ren­te be­nö­ti­gen. Die Ren­ten­kom­mis­si­on soll ei­nen Vor­schlag ent­wi­ckeln, wie die Jah­re nach 2030 aus­se­hen sol­len.

Hal­ten Sie ei­ne Hal­t­el­i­nie für das Ren­ten­ni­veau für nö­tig?

Die Fest­le­gung ei­nes Min­dest­ni­veaus ist sinn­voll, weil man ja der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on ei­ne An­sa­ge ge­ben muss, auf was sie sich ver­las­sen kann.

Hö­he­re Bei­trä­ge, län­ge­re Ar­beits­zeit oder we­ni­ger Ren­te sind die be­kann­ten Stell­schrau­ben. Ein Vor­schlag von Wirt­schafts­ex­per­ten ist, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter ge­ne­rell an die Le­bens­er­war­tung zu kop­peln. Was hal­ten Sie da­von?

Die­ser Vor­schlag kommt jetzt noch zu früh. Wir ha­ben erst ein­mal bis 2029 die schritt­wei­se Ein­füh­rung der Ren­te ab 67, da­nach muss man wei­ter­schau­en. Ich fin­de, ent­schei­den soll das die Ge­ne­ra­ti­on, die dann be­trof­fen ist.

Wen fra­gen Sie denn da? Die Jun­ge Uni­on, die Wirt­schafts­ju­nio­ren oder wen?

Das wä­re mein Vor­schlag, wir müs­sen die Jun­gen ein­be­zie­hen. Man muss auch vor dem Hin­ter­grund neue­rer Schät­zun­gen der Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung dis­ku­tie­ren. Die Ren­ten­kom­mis­si­on wird Zah­len, Da­ten und Fak­ten auf den Tisch le­gen.

Ist es vor dem Hin­ter­grund der Ent­wick­lung der Ren­ten­kas­sen rich­tig, die Müt­ter­ren­te aus der Ren­ten­kas­se zu fi­nan­zie­ren, statt aus Steu­er­mit­teln?

Wir müs­sen für die Fra­ge der Steu­er­fi­nan­zie­rung ei­nen zu­kunfts­wei­sen­den Vor­schlag er­ar­bei­ten. Der­zeit kom­men 94 Mil­li­ar­den Eu­ro aus Steu­er­mit­teln in die Ren­te, aus 11 ver­schie­de­nen Ein­zel­ti­teln. Ich könn­te mir vor­stel­len, dass man dies Sam­mel­su­ri­um auf­löst und für die Zu­kunft sagt: Die Ren­te wird drit­tel­pa­ri­tä­tisch fi­nan­ziert. Ein Drit­tel Ar­beit­ge­ber, ein Drit­tel Ar­beit­neh­mer, ein Drit­tel Staat. Das Ein­kom­men aus ab­hän­gi­ger Be­schäf­ti­gung ist die Haupt­ein­kom­mens­quel­le der Deut­schen, aber die an­de­ren Ein­kunfts­ar­ten neh­men an Be­deu­tung zu. Die wä­ren dann auch be­tei­ligt.

Auf die Drit­tel­pa­ri­tät könn­ten Sie sich mit der SPD doch schnell ei­ni­gen, oder?

Nein, die SPD will ja ei­nen De­mo­gra­phie­zu­schuss, al­so Haus­halts­ti­tel Nr. 12. Das wird dann noch schwie­ri­ger.

Sie wol­len die Selbst­stän­di­gen in die Ren­te ein­be­zie­hen. War­um?

Die al­te Vor­stel­lung, dass Selb­stän­di­ge gut ver­die­nen und aus­rei­chend fürs Al­ter vor­sor­gen, trifft nur noch teil­wei­se zu. Wir ha­ben heu­te im­mer mehr Leu­te in der Grund­si­che­rung, die nie in die Ren­te ein­be­zahlt ha­ben. Des­halb wol­len wir ei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht für al­le Selbst­stän­di­gen ein­füh­ren. Selbst­stän­di­ge, die nicht in die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung wol­len, müs­sen ei­ne Al­ters­vor­sor­ge tref­fen, die min­des­tens da­für sorgt, dass sie ein Ein­kom­men in Hö­he der Grund­si­che­rung er­rei­chen. Das muss so aus­ge­stal­tet wer­den, dass auf die be­son­de­re Si­tua­ti­on von Selbst­stän­di­gen, zum Bei­spiel Exis­tenz­grün­dern, Rück­sicht ge­nom­men wird.

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Für Pe­ter Weiß ist die Ries­ter-Ren­te „das At­trak­tivs­te, was es gibt“.

FO­TO: C. THO­MA

Pe­ter Weiß ist auch Vor­sit­zen­der der Christ­lich De­mo­kra­ti­schen Ar­beit­neh­mer­schaft in Süd­ba­den.

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