Ei­ne Mil­li­on Eu­ro Die Samm­lung Erb er­bringt viel mehr Geld als er­war­tet

Ipf- und Jagst-Zeitung - - ERSTE SEITE - Aufs Ge­ra­te­wohl aufs Gera­de­wohl schwar­zes Brett Schwar­zes Brett, schwar­zes Gold Schwar­zes Gold, Schwar­zen Meer Schwar­zen Frei­tag – hoch ge­ehrt hoch­ge­ehrt, hoch­ge­lehrt Lamm­nü­schen an Fif­fer­ling­s­au­ce

Vor vier Wo­chen ging es hier um den Un­ter­schied zwi­schen (rich­tig) und (falsch). Das rief ei­nen Le­ser auf den Plan: „Hö­ren Sie doch end­lich auf mit Ih­rem Recht­schreib­fim­mel! Das in­ter­es­siert nie­man­den mehr.“Sprach’s und häng­te wie­der auf. „War­um es nicht egal ist, wie wir schrei­ben“heißt ein ver­dienst­vol­les Bänd­chen aus dem Du­den Ver­lag (64 Sei­ten, 8 Eu­ro), das ge­nau für das Ge­gen­teil steht. Grund­la­ge ist der Mit­schnitt ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on in der Ber­li­ner Du­den­re­dak­ti­on, zu der die Re­dak­ti­ons­lei­te­rin Kath­rin Kun­kel-Razum den Schau­spie­ler Burg­hart Klauß­ner, die Leh­re­rin und Schul­ent­wick­le­rin Ul­ri­ke Holz­warth­so­wie den Jena­er Sprach­wis­sen­schaft­ler Pe­ter Gall­mann ein­ge­la­den hat­te. Ein Streit­ge­spräch im wah­ren Wort­sinn war bei die­ser Zu­sam­men­set­zung nicht zu er­war­ten – ein jun­ger Sim­ser, der Or­tho­gra­fie für ein fos­si­les Re­likt hält, fehl­te lei­der. Aber bei der Lek­tü­re des Re­sü­mees fal­len doch ei­ni­ge Grün­de an, war­um es in der Tat auch heu­te nicht egal ist, mit wel­cher Qua­li­tät wir Tex­te zu Pa­pier brin­gen. Dass die Recht­schreib­schwä­che zu­nimmt, ist ein Fakt. Aber woran liegt das? In der Schu­le hat Recht­schrei­bung nicht mehr den Stel­len­wert von frü­her, was aber nicht un­be­dingt an ei­nem be­wuss­ten Hin­t­an­stel­len liegt, son­dern an der wach­sen­den Kom­ple­xi­tät des ge­sam­ten Lehr­stoffs. Da­zu kommt der Ein­fluss durch die Mi­gra­ti­on, durch die schnel­len IT-Me­di­en, durch die Sog­wir­kung des Eng­li­schen. Und ei­ni­ges spricht auch für ei­nen ge­ziel­ten Re­gel­bruch, den Ju­gend­li­che als ei­ne Form des Wi­der­stands ze­le­brie­ren. Auf der an­de­ren Sei­te ver­gibt sich ei­ne Ge­sell­schaft enorm viel, wenn sie die kor­rek­te Form des Schrei­bens ver­nach­läs­sigt. Weil Recht­schrei­bung zur Zi­vi­li­sa­ti­on ge­hört, zum struk­tu­rier­ten Den­ken, zum Re­spekt ge­gen­über der Mut­ter­spra­che, weil sie zur Chan­cen­gleich­heit bei­trägt, weil sie et­wa bei Be­wer­bun­gen über Le­bens­we­ge ent­schei­det – kurz: weil man In­halt im­mer erns­ter nimmt, wenn die Form stimmt. All dies wird in der Bro­schü­re the­ma­ti­siert. Ei­nen Web­feh­ler hat sie al­ler­dings: Zwei der Dis­ku­tan­ten sind Mit­glie­der des 2004 ins Le­ben ge­ru­fe­nen Deut­schen Recht­schrei­brats. Und so ver­wun­dert es nicht, dass an ei­ner Stel­le die bei der Re­form ein­ge­führ­te Va­ri­an­ten­schrei­bung als sinn­vol­les Kon­zept schön­ge­re­det wird. Dass man al­so schrei­ben kann oder

oder beim

oder beim aber nur die ei­ne Form gilt. Ein­ge­weih­te wis­sen, war­um das so kam: Zur Zwei­drit­tel­mehr­heit ver­pflich­tet, muss­te sich die in­ter­na­tio­na­le Ex­per­ten­run­de bei Un­ei­nig­keit not­ge­drun­gen im­mer für Va­ri­an­ten ent­schei­den. Al­so ei­ne Ver­le­gen­heits­lö­sung – und mit schlim­men Fol­gen. Wenn mir die Neu­re­ge­lung die Mög­lich­keit lässt, zu schrei­ben oder war­um soll ich mich dann bei an ei­ne ein­zi­ge vor­ge­schrie­be­ne Form hal­ten? So fragt sich der sprach­wis­sen­schaft­lich un­be­darf­te Schrei­ber – und schlu­dert fort­an mun­ter vor sich hin. Dass ei­ne sol­che At­ti­tü­de höchst an­ste­ckend ist, ver­steht sich. Aber un­term Strich geht das Bänd­chen in Ord­nung. An ei­ner Stel­le merkt Kun­kel-Razum an, man wun­de­re sich manch­mal über die Feh­ler auf den Spei­se­kar­ten von nicht ge­ra­de bil­li­gen Re­stau­rants. Und da den­ke man dann: Ob die wohl ge­nau­so ko­chen, wie sie schrei­ben? Da ist was dran.

al­les schon ge­habt. Wenn Sie An­re­gun­gen zu Sprachthe­men ha­ben, schrei­ben Sie! Schwä­bi­sche Zei­tung, Kul­tur­re­dak­ti­on, Karl­stra­ße 16, 88212 Ra­vens­burg

r.wald­vo­gel@schwa­ebi­sche.de

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