Mo­tiv für töd­li­che Mes­ser­ste­che­rei „schlum­mert im Ver­bor­ge­nen“

46-Jäh­ri­ger muss sich vor dem Land­ge­richt we­gen Mor­des ver­ant­wor­ten

Ipf- und Jagst-Zeitung - - ELLWANGEN - Von Jo­sef Schnei­der

- We­gen Mor­des muss sich ein 46-jäh­ri­ger Ar­bei­ter aus Hei­den­heim seit Mon­tag vor der Schwur­ge­richts­kam­mer am Land­ge­richt Ell­wan­gen ver­ant­wor­ten. Der An­ge­klag­te soll am 19. Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res kurz nach 21 Uhr sei­nen 53 Jah­re al­ten Nach­barn mit 15 Mes­ser­sti­chen heim­tü­ckisch und aus nied­ri­gen Be­weg­grün­den ge­tö­tet ha­ben.

Die Tat er­eig­ne­te sich auf ei­nem Fir­men­park­platz in der Hel­len­stein­stra­ße in St­ein­heim am Al­buch bei Hei­den­heim. Dort pass­te der 46-Jäh­ri­ge sein Op­fer ab, als es aus der Spät­schicht kam und nach Hau­se fah­ren woll­te. Tat­werk­zeug war ein Kü­chen­mes­ser. Das Op­fer war noch am Tat­ort an Stich­ver­let­zun­gen im Hals-, Schul­ter-, Brust-, Bauch- und Rü­cken­be­reich ge­stor­ben.

Der An­ge­klag­te flüch­te­te nach der Tat und fuhr mit sei­nem Au­to ge­gen 23.35 Uhr auf der B19 bei Un­ter­ko­chen stark al­ko­ho­li­siert in ei­ne Bau­stel­len­ab­schran­kung. In Zu­sam­men­hang mit die­sem Un­fall, bei dem das blut­ver­schmier­te Tat­mes­ser und zwei wei­te­re Mes­ser im Fahr­zeug ge­fun­den wur­den, wur­de er fest­ge­nom­men. Zur Tat­zeit hat­te er ei­ne Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on von min­des­tens 1,63 Pro­mil­le. Seit dem 20. Sep­tem­ber be­fin­det er sich in Un­ter­su­chungs­haft. Zur Haupt­ver­hand­lung wur­de der 46-Jäh­ri­ge aus der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Schwä­bisch Hall in Hand- und Fuß­fes­seln vor­ge­führt.

Über ei­ne Dol­met­sche­rin für Rus­sisch ließ sich der An­ge­klag­te zu den Tat­vor­wür­fen ein. Zu­vor hat­te er sich ge­gen­über ei­nem psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen ge­äu­ßert und die Mes­ser­sti­che zu­ge­ge­ben. Er be­haup­te­te, sein Op­fer ha­be ihn ge­gen­über Drit­ten als „Wich­ser“, „schwul“und „Ar­sch­loch“be­zeich­net. Des­halb ha­be er den Nach­barn un­ter vier Au­gen zur Re­de stel­len wol­len. Ei­ne an­geb­li­che Frem­den­feind­lich­keit des Op­fers brach­te er eben­falls ins Spiel. Es sei ei­ne sehr an­ge­spann­te Si­tua­ti­on ge­we­sen. Das un­ver­hei­ra­te­te Op­fer wohn­te mit sei­nem Va­ter in ei­nem Haus di­rekt ne­ben der Fa­mi­lie des An­ge­klag­ten.

Die Ein­las­sung des An­ge­klag­ten und das ge­schil­der­te Tat­mo­tiv wa­ren für den Vor­sit­zen­den der Schwur­ge­richts­kam­mer, Rich­ter Ger­hard Ilg, nicht über­zeu­gend. „Ir­gend­et­was schlum­mert noch im Ver­bor­ge­nen“, sag­te er mit Blick auf das Mo­tiv. Die Kam­mer wer­de sich be­mü­hen, die Hin­ter­grün­de zu er­fas­sen.

Zeu­gen konn­ten nichts über Strei­tig­kei­ten zwi­schen den bei­den Nach­barn be­rich­ten. Zwei Ar­beits­kol­le­gen schil­der­ten das Op­fer als ei­nen pflicht­be­wuss­ten, zu­ver­läs­si­gen, zu­rück­hal­ten­den und eher ver­schlos­se­nen Men­schen. Ag­gres­siv oder nach­tra­gend sei der Kol­le­ge auf gar kei­nen Fall ge­we­sen. „Er war ein sehr gu­ter, ru­hi­ger, sehr hilfs­be­rei­ter und sehr vor­sich­ti­ger Mensch“, fass­te es ein 62-jäh­ri­ger Dre­her zu­sam­men. Frem­den­feind­lich­keit ha­be er bei ihm nicht be­merkt. Auch die ehe­ma­li­ge Freun­din des Op­fers wuss­te nichts von Frem­den­feind­lich­keit. Und die Nach­bar­schaft sei nie ein The­ma ge­we­sen. Auch die Ver­neh­mung der Schwes­ter des Op­fers, die un­ter Trä­nen aus­sag­te, brach­te kein Licht ins Dun­kel.

Die Haupt­ver­hand­lung wird am heu­ti­gen Diens­tag fort­ge­setzt. Ein Ur­teil ist am Mitt­woch zu er­war­ten.

FO­TO: DPA

Ein 46-Jäh­ri­ger muss sich vor dem Land­ge­richt we­gen Mor­des ver­ant­wor­ten.

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