Haft­stra­fe im Bop­fin­ger Brand­stif­tungs­pro­zess

Ur­teil er­geht am sechs­ten Pro­zess­tag – Zeu­gen wa­ren mehr­fach nicht vor Ge­richt er­schie­nen

Ipf- und Jagst-Zeitung - - BOPFINGEN, KAPFENBURG & HÄRTSFELD - Von Do­ro­thea Hal­big

BOP­FIN­GEN - Der 37-jäh­ri­ge An­ge­klag­te im Bop­fin­ger Brand­stif­tungs­pro­zess ist am Mon­tag vom Ell­wan­ger Amts­ge­richt zu ei­ner Haft­stra­fe von zwei Jah­ren und neun Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den. Der Pro­zess hat sich in die Län­ge ge­zo­gen, weil wich­ti­ge Zeu­gen im­mer wie­der nicht vor Ge­richt er­schie­nen sind.

Dem An­ge­klag­ten wur­de vor­ge­wor­fen, sich nach der Tren­nung von sei­ner Ex-Freun­din Zu­tritt zu ih­rer Woh­nung ver­schafft, Ge­gen­stän­de ent­wen­det und zwei Mo­tor­rol­ler ih­res Va­ters an­ge­zün­det zu ha­ben. Zu Be­ginn des nun­mehr sechs­ten Pro­zess­tags wur­de fest­ge­stellt, dass der Bru­der des An­ge­klag­ten vor Ort sei. Die­ser kön­ne be­zeu­gen, ob der Ent­las­tungs­zeu­ge, der be­haup­tet hat­te, den An­ge­klag­ten in der Tat­nacht ge­se­hen zu ha­ben, über den Tat­zeit­raum über­haupt in Bop­fin­gen war. Nach­dem er sich beim Ver­hand­lungs­ter­min am 23. Ja­nu­ar aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den ent­schul­di­gen ließ, mach­te der Zeu­ge dies­mal von sei­nem Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht Ge­brauch. So­mit konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den, ob sich der Ent­las­tungs­zeu­ge zur Tat­zeit in Bop­fin­gen be­fand oder nicht.

Da­nach wur­de ein Schrift­stück ein­ge­reicht, das an­onym in der Kanz­lei der Ver­tei­di­gung ein­ge­gan­gen war. Die Per­son er­klär­te in die­sem Schrei­ben, dass sie un­er­kannt blei­ben wol­le, aus Angst, zwi­schen die Fron­ten zu ge­ra­ten und ver­letzt zu wer­den. Der In­halt des Briefs be­zog sich auf die Fa­mi­lie der Ge­schä­dig­ten, der Ex-Freun­din des An­ge­klag­ten. Ih­re Fa­mi­lie soll dem­nach ein fal­sches Spiel spie­len und den An­ge­klag­ten vor­sätz­lich in die Bre­douil­le rei­ten wol­len.

Staats­an­walt­schaft for­dert Ver­ur­tei­lung

Die Sit­zungs­ver­tre­tung der Staats­an­walt­schaft er­in­ner­te im Plä­doy­er dar­an, dass der An­ge­klag­te von ei­ner Zeu­gin da­bei be­ob­ach­tet wor­den sei , wie er Ge­gen­stän­de aus der Woh­nung der Ge­schä­dig­ten in sei­ne Woh­nung, die sich ein Stock­werk hö­her be­fand, ge­bracht ha­ben soll. Die Zeu­gin ha­be kein Falsch­be­las­tungs­mo­tiv. Au­ßer­dem sei­en bei den Er­mitt­lun­gen Spu­ren von ei­nem Brand­be­schleu­ni­ger, ver­mut­lich Au­to­kraft­stoff, ge­fun­den wor­den. Zeu­gen sol­len ge­se­hen ha­ben, wie der An­ge­klag­te sich frü­her am Abend dort auf­ge­hal­ten hat­te. Zu­sätz­lich ha­be die Schwes­ter des An­ge­klag­ten ei­ne Fal­sch­aus­sa­ge über den Auf­ent­halts­ort des An­ge­klag­ten zur Tat­zeit ge­macht. Aus die­sen Grün­den und we­gen mehr­fa­cher Vor­stra­fen for­der­te die Sit­zungs­ver­tre­tung der Staats­an­walt­schaft, den An­ge­klag­ten schul­dig zu spre­chen.

Die Ver­tei­di­ge­rin des An­ge­klag­ten, Jo­han­na Kurz, stell­te die Glaub­wür­dig­keit der Zeu­gen in­fra­ge. Sie be­ton­te, dass die Er­mitt­lun­gen auch nicht kom­plett aus­ge­schlos­sen hät­ten, dass es sich bei dem Brand um ei­ne Selbst­ent­zün­dung ei­nes ka­put­ten Mo­tor­rol­lers ge­han­delt ha­ben könn­te. Da es kei­ne glaub­haf­te Be­le­gung der Tat ge­be, for­der­te sie „Im Zwei­fel für den An­ge­klag­ten“.

Nach der Be­ra­tung des Rich­ters Nor­bert Stre­cker mit den Schöf­fen wur­de das Ur­teil ge­spro­chen. Zwei Jah­re und neun Mo­na­te soll der An­ge­klag­te, der zwei of­fe­ne Be­wäh­rungs­stra­fen ver­büßt, in Haft ge­hen. Es sei­en kei­ne be­rech­tig­ten Zwei­fel ge­fun­den wor­den, dass der An­ge­klag­te die Tat be­gan­gen ha­be, so die Be­grün­dung des Ge­richts. Die hy­po­the­ti­schen Aus­sa­gen der Ver­tei­di­gung reich­ten nicht aus, ihn un­ter den Zwei­fels­satz zu stel­len. Die Tat pas­se zu dem mehr­fach we­gen Kör­per­ver­let­zung, Dieb­stahl und Brand­stif­tung ver­ur­teil­ten An­ge­klag­ten. „Schlim­mer kann’s nicht mehr kom­men“, sag­te Rich­ter Stre­cker. Er wies dar­auf hin, dass der Zeu­ge vor Ge­richt kein Ver­hal­ten ge­zeigt hät­te, das sich mil­dernd auf den Ur­teils­spruch hät­te aus­wir­ken kön­nen.

Zu­letzt wur­de der An­ge­klag­te auf die Mög­lich­kei­ten der Re­vi­si­on und der Be­ru­fung hin­ge­wie­sen, die er sei­ner Re­ak­ti­on zu­fol­ge mög­li­cher­wei­se auch wahr­neh­men wird.

FO­TO: DPA

Ein 37-Jäh­ri­ger wur­de vor dem Ell­wan­ger Amts­ge­richt we­gen Brand­stif­tung ver­ur­teilt.

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