Die neue Stan­dard­klas­se

iPhone & iPad Life - - TITEL - Text: Mat­thi­as Zeh­den

App­le stellt dem ex­klu­si­ven iPho­ne X zwei nor­ma­le Up­dates des iPho­ne 7 zur Seite. Wir ha­ben das iPho­ne 8 und 8 Plus für Sie im All­tag ge­tes­tet. Die neu­en Stan­dard­mo­del­le müs­sen sich kei­nes­wegs hin­ter dem iPho­ne X ver­ste­cken.

Das iPho­ne 8 bie­tet die ho­he Leis­tung des iPho­ne X zu ei­nem we­sent­lich güns­ti­ge­ren Preis. Das sind schon mal zwei sehr über­zeu­gen­de Ar­gu­men­te. Wer auf das aus­ge­fal­le­ne De­sign und das gro­ße OLED-Dis­play des iPho­ne X ver­zich­ten kann, ist hier ge­nau rich­tig. Form und Grö­ße des Ge­häu­ses stim­men prak­tisch mit den Vor­gän­gern über­ein, wo­durch so­gar die meis­ten Hül­len wei­ter­hin pas­sen. Trotz­dem spielt die Op­tik beim iPho­ne 8 ei­ne gro­ße Rol­le. Es gibt es ei­ne neue Far­be, ein we­ni­ger farb­in­ten­si­ves Ro­sé­gold, und ei­ne wei­te­re deut­li­che Ve­rän­de­rung, die auf den ers­ten Blick ins Au­ge fällt: viel Glas.

Glän­zend ver­packt

Erst­mals seit dem iPho­ne 4 und 4s setzt App­le beim iPho­ne 8 wie­der auf ei­ne glä­ser­ne Rück­sei­te. Da­für kommt laut App­le das sta­bils­te bis­her für ein Smart­pho­ne-Ge­häu­se ver­bau­te Glas zum Ein­satz. Zu­sam­men mit ei­ner auf­wen­di­gen Me­tall­kon­struk­ti­on soll das Bruch­schä­den ver­hin­dern. So ganz wird das na­tür­lich nicht klap­pen, doch in den ers­ten Wo­chen nach Aus­lie­fe­rung des iPho­ne 8 wa­ren im­mer­hin nicht über­all im Web zer­bro­che­nen iPho­nes zu se­hen. Ob das auf Dau­er so bleibt, muss frei­lich die Zu­kunft zei­gen. Die bei­den Glas­flä­chen wer­den von ei­nem Rah­men aus Alu ein­ge­fasst.

Vom äs­the­ti­schen Stand­punkt ist das Glas­ge­häu­se auf je­den Fall ein Ge­winn, zu schön, um es in ei­ner Hül­le zu ver­ste­cken. Es fühlt sich auch sehr gut an. Im Ver­gleich zu den Alu­ge­häu­sen sau­gen sich die Fin­ger an der po­lier­ten Ober­flä­che re­gel­recht fest, so­dass man das iPho­ne 8 sehr si­cher hal­ten kann. In der kal­ten Jah­res­zeit birgt Glas aber auch ein Pro­blem. Durch die deut­li­che hö­he­re Wär­me­ka­pa­zi­tät von Glas ge­gen­über Alu er­wärmt sich das Ge­häu­se sehr viel lang­sa­mer, wenn man im Win­ter von drau­ßen rein­kommt. Als Fol­ge kon­den­siert Luft­feuch­tig­keit leich­ter am Glas und trock­net auch nicht so schnell wie­der ab. Für die­sen Ef­fekt ha­be ich das iPho­ne 4 und 4s ge­hasst, da das be­schla­ge­ne Glas ex­trem rut­schig sein kann. Tat­säch­lich ha­be ich des­halb beim iPho­ne 4 an­ge­fan­gen, Bum­per und Hül­len zu be­nut­zen – nicht aus Angst vor Krat­zern oder Glas­bruch. An Glas als Ge­häu­se­ma­te­ri­al schei­den sich ein­fach die Geis­ter. Auch wenn App­le zu­sam­men mit Her­stel­ler Corning viel Auf­wand be­treibt, um es ex­trem sta­bil zu ma­chen: Glas ist fest, aber sprö­de. Wird die Be­las­tung an ei­ner Stel­le zu groß, gibt es kei­ne Del­le, son­dern das Glas bricht.

Der Glas­rü­cken des iPho­ne 8 sieht toll aus und fühlt sich sehr gut an. Als Ge­häu­se­ma­te­ri­al hat Glas aber zwei­fel­los auch sei­ne Tü­cken.

Le­bens­ech­te Far­ben

Aber wir wol­len nicht zu lan­ge auf dem Glas­rü­cken her­um­rei­ten, schließ­lich gibt es noch viel mehr zu be­rich­ten. Das Dis­play hat die glei­che Grö­ße und Auf­lö­sung wie beim iPho­ne 7, das eben­falls schon den er­wei­ter­ten P3-Far­b­raum un­ter­stütz­te. Trotz­dem ist die Farb­dar­stel­lung noch ein­mal bes­ser. Das liegt dar­an, dass das iPho­ne 8 True To­ne un­ter­stützt. Die­se mit dem iPad Pro 9,7 Zoll ein­ge­führ­te Tech­nik passt die Darstel­lung nicht nur an die Hel­lig­keit, son­dern auch an das Farb­spek­trum des Um­ge­bungs­lichts an. Das Re­sul­tat sind ver­blüf­fend rea­lis­ti­sche Far­ben. Der Pfer­de­fuß da­bei ist der Strom­ver­bauch. So wie die coo­le Night-Shift-Funk­ti­on, die abends

Blau­an­tei­le der Darstel­lung re­du­ziert, wird auch die An­pas­sung durch True To­ne in Echt­zeit vom iPho­ne be­rech­net und wie ein Fil­ter über den Dis­play­in­halt ge­legt. Das kos­tet Strom. Ist der knapp, soll­ten Sie True To­ne in den Ein­stel­lun­gen für „An­zei­ge & Hel­lig­keit“aus­schal­ten. Das geht üb­ri­gens am schnells­ten per 3D Touch im Kon­troll­zen­trum, wenn Sie da­rin auf den Hel­lig­keits­reg­ler drü­cken. Ver­mut­lich wer­den Sie True To­ne al­ler­dings nicht ab­schal­ten, weil Sie sich in kür­zes­ter Zeit an die na­tür­li­che­ren Far­ben ge­wöh­nen und die­se nicht mehr mis­sen wol­len.

Ver­bes­ser­te Ka­me­ra

Ein Top-Ar­gu­ment für das iPho­ne 8 ist die Ka­me­ra. Zwar hat sich auf dem Da­ten­blatt we­der die Zahl der Pi­xel noch die Licht­stär­ke des Ob­jek­tivs ge­än­dert, doch grö­ße­re Pi­xel im Sen­sor sor­gen da­für, dass mehr Licht ein­ge­fan­gen wird. In Ver­bin­dung mit ei­nem in­te­grier­ten Bild­pro­zes­sor steigt die Fo­to­qua­li­tät bei schwa­chen Licht­ver­hält­nis­sen. Sen­sor und nach­ge­schal­te­te Be­ar­bei­tung sind au­ßer­dem schnel­ler ge­wor­den, wo­durch die Ana­ly­se kom­ple­xer Sze-

nen mit vie­len be­weg­ten Ob­jek­ten bes­ser funk­tio­niert und die De­tail­schär­fe ver­bes­sert wird. Wei­te­re Ne­ben­ef­fek­te der schnel­le­ren Ver­ar­bei­tung sind ver­dop­pel­te ma­xi­ma­le Bild­ra­ten bei 4k-Vi­de­os (60fps) und Full-HD-Zeit­lu­pen (240 fps). Au­ßer­dem ver­fügt das iPho­ne 8 über ei­ne bes­se­re Blitz­steue­rung.

Der Plus-Fak­tor

Das iPho­ne 8 Plus zeich­net sich zu­sätz­lich durch den gro­ßen Bild­schirm und die Dop­pel­ka­me­ra aus. Das Dis­play bie­tet nicht nur mehr Platz, was be­son­ders für Fo­tos, Fil­me und Spie­le ein­fach Spaß macht, die Plus-Mo­del­le bie­ten auch ei­ne bes­se­re Un­ter­stüt­zung des Qu­er­for­mats: Mail zeigt ne­ben­ein­an­der Post­fä­cher und Nach­rich­ten, Sa­fa­ri kann Le­se­zei­chen ein­blen­den und ech­te Tabs nut­zen, die Ein­stel­lun­gen wer­den eben­falls über­sicht­li­cher. Selbst der Ho­me-Bild­schirm funk­tio­niert quer (das Dock wan­dert nach rechts), und Ord­ner mit meh­re­ren App-Bild­schir­men wer­den kla­rer an­ge­zeigt.

Die Dop­pel­ka­me­ra bie­tet wie schon im iPho­ne 7 Plus ein zu­sätz­li­ches „Te­le“mit dop­pel­ter Brenn­wei­te und un­ter­stützt den Por­trät­mo­dus. Im iPho­ne 8 Plus kommt nun das neue Por­trät­licht hin­zu, das ver­schie­de­ne Be­leuch­tungs­ef­fek­te für Por­träts si­mu­liert, die Sie auch nach­träg­lich an­pas­sen oder wie­der ent­fer­nen kön­nen. Die Be­die­nung der Por­trät­funk­tio­nen ist ganz ein­fach und lädt zum Ex­pe­ri­men­tie­ren ein (Seite 32). Da App­le Ent­wick­lern den Zu­griff auf die ent­spre­chen­den Funk­tio­nen er­laubt, wer­den wir si­cher noch vie­le coo­le Apps se­hen, die er­staun­li­che Din­ge bei Auf­nah­me und Nach­be­ar­bei­tung von Fo­tos des iPho­ne 8 Plus er­mög­li­chen.

Der Nach­teil des iPho­ne 8 Plus liegt buch­stäb­lich auf der Hand. Es ist so groß, dass Sie es wohl in den meis­ten Si­tua­tio­nen mit zwei Hän­den be­die­nen wer­den. Da­zu trägt auch das Ge­wicht sei­nen Teil bei. Das iPho­ne 8 ist oh­ne­hin schon ge­ring­fü­gig schwe­rer als sein Vor­gän­ger, und beim Plus kom­men dann noch ein­mal 54 Gramm hin­zu. 202 Gramm für ein iPho­ne 8 Plus klingt erst ein­mal nicht nach viel, es über­schrei­tet aber ei­ne – zu­ge­ge­ben sehr sub­jek­ti­ve – Schwel­le, wo­durch es im All­tag als schwer auf­fällt.

Fa­zit

Das Bes­se­re ist des gu­ten Feind. iPho­ne 8 und 8 Plus sind der Vor­gän­ger­ge­ne­ra­ti­on in fast al­len De­tails über­le­gen und al­les an­de­re als ein Lü­cken­fül­ler im Schat­ten des iPho­ne X. Auf der an­de­ren Seite hat aber auch das iPho­ne 7 schon ein so ho­hes Ni­veau er­reicht hat, dass man kaum et­was ver­misst. Selbst A11-Pro­zes­sor, True-To­ne-Dis­play und das ver­bes­ser­te Ka­me­ra­sys­tem recht­fer­ti­gen nur im Aus­nah­me­fall den Um­stieg von ei­nem 7er. Be­reits zum 6s gibt es aber ei­nen deut­li­chen Ab­stand, der mit äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on schnell wei­ter zu­nimmt.

Der Auf­preis für das iPho­ne 8 Plus be­trägt nur et­was über 100 Eu­ro. Da­mit ist Letz­te­res ei­ne güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zum iPho­ne X. Es ist zwar nicht so cool, bringt aber be­reits ein ähn­lich gro­ßes Dis­play, die Dop­pel­ka­me­ra und An­pas­sun­gen in iOS mit.

Mit dem 5,5 Zoll gro­ßen Dis­play und der Dop­pel­ka­me­ra bie­tet sich das iPho­ne 8 Plus als güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zum iPho­ne X an.

App­le setzt für das draht­lo­se La­den auf den Qi-Stan­dard. Ei­ne gu­te Ent­schei­dung, denn Qi ist be­reits eta­bliert und weit ver­brei­tet. So bie­ten sich iPho­ne-8-Nut­zern schon heu­te fle­xi­ble La­de­mög­lich­kei­ten.

Die spie­geln­de Rück­sei­te aus Glas ist ei­ne ge­lun­ge­ne Mi­schung aus High-Tech und Ele­ganz. Das iPho­ne 8 Plus ist gut an der dop­pel­ten Ka­me­ra zu er­ken­nen.

Der Ho­me-Bild­schirm des iPho­ne 8 Plus im Qu­er­for­mat: Das Dock ist an der rech­ten Seite im­mer griff­be­reit.

Auch Mail pro­fi­tiert quer vom iPho­ne 8 Plus: links die Post­fach­lis­te und rechts die aus­ge­wähl­te Nach­richt.

Sa­fa­ri kann auf dem iPho­ne 8 Plus links Ver­lauf oder Le­se­zei­chen ein­blen­den und bie­tet so­gar ech­te Tabs.

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