Pfif­fi­ge Shop­ping-Apps

iPhone & iPad Life - - IOS & APPS - Text: Hol­ger Sparr

Zum Ein­kau­fen muss man wirk­lich nicht mehr vom So­fa auf­ste­hen, im Ge­gen­teil: Shop­ping-Apps be­rück­sich­ti­gen spe­zi­el­le In­ter­es­sen, bie­ten mehr Features und mehr Such­mög­lich­kei­ten als je­de Ein­kaufs­stra­ße für neue wie für ge­brauch­te Ar­ti­kel.

Vor­bei die Zei­ten, als man zum Weih­nachts­shop­ping noch mit gut ge­füll­ter Brief­ta­sche und war­men Kla­mot­ten die In­nen­städ­te auf­such­te und hoff­te, dass man dort al­les fin­den wür­de. In be­sag­ten In­nen­städ­ten rei­hen sich mitt­ler­wei­le die Mar­ken-Sto­res an­ein­an­der, die ge­nau die Wa­re zum An­fas­sen prä­sen­tie­ren, die die Kun­den schon aus dem In­ter­net ken­nen. Ein­ge­kauft wird vom Schreib­tisch aus elek­tro­nisch am Rech­ner oder eben vom So­fa per Smart­pho­ne. Ge­bracht wer­den die Wa­ren dann vom spä­tes­tens zu Weih­nach­ten to­tal über­for­der­ten Pa­ket­bo­ten.

Da­bei läuft das Smart­pho­ne dem klas­si­schen Com­pu­ter mitt­ler­wei­le den Rang ab: Spe­zi­el­le Apps prä­sen­tie­ren die Wa­ren auch auf den klei­nen Dis­plays sehr gut und die GPS-Funk­ti­on zeigt Fi­lia­len in der Nä­he. Apps für ge­brauch­te Ar­ti­kel or­ten da­mit auch Pro­duk­te und Ver­käu­fer in der Nä­he, was sehr prak­tisch ist.

Ver­kaufs­platt­for­men

Die un­über­schau­ba­re Mas­se an Shops im In­ter­net, zu de­nen ja auch aus­län­di­sche An­bie­ter zäh­len, hat längst da­zu ge­führt, dass sich gro­ße An­bie­ter wie eBay oder Ama­zon als Ver­mitt­ler da­zwi­schen­schal­ten. Bei eBay sor­gen schon die ho­hen Ge­büh­ren da­für, dass das Ge­schäft mit neu­er Wa­re den Ver­stei­ge­run­gen von Dach­bo­den­fun­den längst den Rang ab­ge­lau­fen hat. Statt­des­sen nut­zen sehr vie­le Shops die Mög­lich­keit, ih­re Wa­ren über eBay an den Mann zu brin­gen. Und Ama­zon ver­kauft zwar auch selbst Wa­ren, stellt sein Sho­psys­tem aber auch an­de­ren An­bie­tern zur Ver­fü­gung. Für den Kun­den hat das den Nach­teil, dass er bei je­dem Kauf nach­se­hen muss, wer ei­gent­lich der Ver­käu­fer ist und von wo die Wa­re ge­sen­det wird. Denn mitt­ler­wei­le wird vie­les aus dem Aus­land ver­schickt und nicht im­mer be­kommt man da­bei ei­ne an­stän­di­ge Rech­nung mit aus­ge­wie­se­ner Mehr­wert­steu­er in die Fin­ger.

Die Apps von eBay und Ama­zon sind durch­aus funk­tio­nal und gut, aber auch den meis­ten be­kannt, wes­halb wir sie an die­ser Stel­le weg­ge­las­sen ha­ben und Al­ter­na­ti­ven auf­zei­gen wol­len, die vi­el­leicht noch nicht je­der kennt.

Vie­le al­ter­na­ti­ve An­bie­ter wie Brand­s4F­ri­ends, West­wing und der­glei­chen be­grei­fen sich als ei­ne Art „Club“, in dem man sich re­gis­trie­ren muss. Die Grund­idee von Brand­s4F­ri­ends ist bei­spiels­wei­se, dass das zu eBay ge­hö­ri­ge Un­ter­neh­men sehr vie­le Be­stel­lun­gen zu ein­zel­nen Ar­ti­keln zu gro­ßen Sam­mel­be­stel­lun­gen bei deut­lich re­du­zier­ten Prei­sen zu­sam­men­fasst. So muss man teils lan­ge war­ten und be­kommt nicht im­mer je­den Ar­ti­kel, spart aber auch beim Kauf­preis – wo­bei man den­noch nie ver­säu­men soll­te, Ver­gleich­s­prei­se bei an­de­ren An­bie­tern ein­zu­ho­len. An­de­re An­bie­ter sind auf ein­zel­ne Spar­ten spe­zia­li­siert, wie bei­spiels­wei­se West­wing auf Ein­rich­tung oder die Za­lan­do Lounge auf Mo­de. An­de­re An­bie­ter wie zum Bei­spiel Houzz be­grei­fen sich we­ni­ger als Club, son­dern viel­mehr als Com­mu­ni­ty, in der sich Mit­glie­der als Ex­per­ten zur Ver­fü­gung stel­len und ge­gen­sei­tig Tipps ge­ben, aber auch hier wer­den Wa­ren rund ums Haus ver­kauft – mo­der­nes Shop­ping be­steht eben nicht mehr nur aus ei­nem nett prä­sen­tier­ten Ka­ta­log.

Mit AliEx­press gibt es mitt­ler­wei­le ei­ne App für Pri­vat­kun­den des chi­ne­si­schen In­ter­ne­trie­sen Ali­ba­ba. Mit ihr lässt sich im über 100 Mil­lio­nen Pro­duk­te um­fas­sen­den Wa­ren­an­ge­bot aus Chi­na wo­mög­lich et­was Pas­sen­des fin­den. Bei Aus­lands­be­stel­lun­gen ist ge­ne­rell ei­ni­ge Vor­sicht an­ge­bracht und ge­ge­be­nen­falls das Porte­mon­naie be­reit­zu­hal­ten: Der Ver­sand von au­ßer­halb der EU und spe­zi­ell aus Asi­en kann ex­trem lang­wie­rig sein und die Pa­ke­te müs­sen durch den Zoll, wo je nach Be­stell­wert Zoll und vor al­lem Ein­fuhr­um­satz­steu­er er­ho­ben wer­den kön­nen, die durch­aus ins Geld ge­hen

kön­nen. Ei­ne kor­rek­te Zoll­de­kla­ra­ti­on ist aber spe­zi­ell bei Wa­r­ensen­dun­gen aus Chi­na eher rei­ner Zu­fall.

Spe­zi­al­an­bie­ter

Wie auch bei ech­ten Shops sind die meis­ten na­tür­lich auf ir­gend­et­was spe­zia­li­siert und all­um­fas­sen­de „Kauf­häu­ser“wie Ama­zon sind eher sel­ten. Es gibt Shops für Elek­tro­nik, Mo­de, Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de und vie­les mehr.

Mo­no­qi bei­spiels­wei­se ist ein Shop, der sich auf De­si­gn­ar­ti­kel spe­zia­li­siert hat und die­se in Form von Ak­tio­nen ver­kauft. Dem The­ma an­ge­mes­sen be­sticht die App da­bei mir ei­ner sehr hüb­schen Auf­ma­chung und an­spre­chend prä­sen­tier­ten Ar­ti­keln, was die App ge­gen­über lieb­los zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Shops an­de­rer An­bie­ter ab­hebt. Eben­falls eher in den Be­reich Spe­cial In­te­rest ge­hört mit Jo­idy ein spe­zi­el­ler Shop für Ge­schen­ke al­ler Art, die sich auf Wunsch auch gleich nett ver­packt in­klu­si­ve Gruß­kar­te ver­schi­cken las­sen – da fin­den selbst Menschen mit we­ni­ger blü­hen­der Fan­ta­sie ein ori­gi­nel­les Ge­schenk, wenn­gleich des­sen Nutz­wert nicht im­mer sehr hoch ist.

Nur auf hand­ge­mach­te Din­ge ist hin­ge­gen Et­sy spe­zia­li­siert und da­mit die rich­ti­ge An­lauf­stel­le für Leu­te, die ind­vi­du­el­le Din­ge su­chen. Da Et­sy welt­weit agiert und in den USA schon ei­ni­ge Jah­re ak­tiv ist, fin­den sich hier vie­le Ar­ti­kel aus Ame­ri­ka, doch mitt­ler­wei­le wird man auch bei Din­gen aus hie­si­gen Ge­fil­den fün­dig.

Ge­braucht­markt

Al­le bis hier­her er­wähn­ten An­bie­ter be­trei­ben auch nor­ma­le Web­shops und bie­ten die Apps meist nur an, um ei­nen ein­fa­che­ren Zu­gang zum An­ge­bot zu ge­währ­leis­ten. Im Ge­braucht­markt da­ge­gen kön­nen Smart­pho­nes aus zwei Grün­den ech­te Vor­tei­le bie­ten: Zum ei­nen sorgt die Kom­bi­na­ti­on aus Ka­me­ra

und In­ter­net­ver­bin­dung da­für, dass man mit dem iPho­ne per­fekt ei­ge­ne Ar­ti­kel in Ge­braucht­märk­te ein­stel­len kann, weil man auch gleich die pas­sen­den Fo­tos oh­ne wei­te­re Um­we­ge di­rekt in der App des je­wei­li­gen An­bie­ters ma­chen kann. Und die

Auf dem iPho­ne müs­sen Shop­pin­gApps vor al­lem ein­fach und über­sicht­lich sein, um her­kömm­li­che Web­sei­ten zu über­tref­fen.

GPS-Or­tung hilft beim Su­chen nach Ge­brauch­tem, pas­sen­de Ar­ti­kel in der Nä­he zu fin­den. Denn ge­ra­de ge­brauch­te Sa­chen möch­ten vie­le nicht gern un­be­se­hen kau­fen und sich teu­er schi­cken las­sen, son­dern lie­ber erst ein­mal per­sön­lich be­gut­ach­ten und den Preis ver­han­deln. Die­se Funk­ti­on lässt sich na­tür­lich auch durch die ma­nu­el­le Ein­ga­be des Suchor­tes am Rech­ner nach­bil­den, was An­bie­ter wie eBay Klein­an­zei­gen ja auch schon seit ge­rau­mer Zeit tun, doch das Smart­pho­ne er­höht den Kom­fort deut­lich.

Auf die Spit­ze ge­trie­ben wird die­ses Prin­zip von Sh­pock, ei­nem Di­enst, der ur­sprüng­lich nur als Smart­pho­ne-App ver­füg­bar war und die An­ge­bo­te streng nach der Ent­fer­nung zum Auf­ent­halts­ort sor­tiert. Da die App der­zeit stark be­wor­ben wird, ist mitt­ler­wei­le auch auf die­ser Platt­form ei­ni­ges los. Im An­ge­bot fin­det sich vor al­lem Klei­dung, zu­mal sich die­se mit Fo­to in der Nach­bar­schaft bes­ser ver­kau­fen lässt. Nur auf Kla­mot­ten hat sich Klei­der­krei­sel spe­zia­li­siert.

Eben­falls ein Spe­zi­al­fall sind Ge­braucht­wa­gen, für die es die üb­li­chen Por­ta­le wie Mo­bi­le oder Au­to­scout24 gibt. Au­to­un­cle ist ein Bei­spiel für ei­nen pfif­fi­gen Me­ta­such­dienst, der al­le An­bie­ter par­al­lel durch­sucht.

Na­tür­lich ha­ben auch Groß­an­bie­ter wie eBay und Ama­zon ei­ge­ne Apps.

Bei eBay sind die klas­si­schen Pri­vat­auk­tio­nen längst die Aus­nah­me.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.