In Havanna tan­zen ler­nen

TAU­SEN­DE EU­RO­PÄI­SCHE BE­SU­CHER WÄH­LEN JE­DES JAHR DIE HAUPT­STADT KU­BAS ALS UR­LAUBS­ZIEL UND LAS­SEN SICH VON DER GE­HEIM­NIS­VOL­LEN AN­ZIE­HUNGS­KRAFT DER KU­BA­NI­SCHEN SAL­SA VER­FÜH­REN

Karibik - - Inhalt - TEXT / RE­DAK­TI­ON EX­CE­LEN­CI­AS FO­TOS / RAÚL ABREU, MIT FREUND­LI­CHER GE­NEH­MI­GUNG DER CA­SA DEL SON UND AR­CHIV EX­CE­LEN­CI­AS

Tau­sen­de eu­ro­päi­sche Be­su­cher wäh­len je­des Jahr die Haupt­stadt Ku­bas als Ur­laubs­ziel und las­sen sich von der ge­heim­nis­vol­len An­zie­hungs­kraft der ku­ba­ni­schen Sal­sa ver­füh­ren

Fer­nan­do Alon­so, der gro­ße Mait­re und Grün­der des Na­tio­nal­bal­letts von Ku­ba ver­si­cher­te in meh­re­ren In­ter­views, dass man auf der In­sel den Tanz über­all fin­den kön­ne, selbst in der Gan­gart der Ku­ba­ner oder in den Ges­ten der Hän­de wäh­rend ei­nes Ge­sprächs . Die na­tür­li­che An­mut, die der na­tür­li­chen Mi­schung der Ras­sen in­ne­wohnt, fand ei­ne per­fek­te Über­set­zung in der uni­ver­sel­len Spra­che der Mu­sik. Auf die­se Wei­se ge­lingt es der Sal­sa als Me­lo­die und Tanz­stil, die kul­tu­rel­le Es­senz der ka­ri­bi­schen Na­ti­on wie­der­zu­ge­ben.

Durch die Stra­ßen von Havanna folg­te die Zeit­schrift Ex­ce­len­ci­as dem Weg der Per­kus­si­on und dem mit­rei­ßen­den Klang der Trom­pe­ten, um ei­ner au­then­ti­schen Er­fah­rung bei­zu­woh­nen. Wir woll­ten er­kun­den, war­um auf der gan­zen Welt die­ser Tanz die Men­schen an­zieht und die ge­heim­nis­vol­le At­trak­ti­on der ku­ba­ni­schen Sal­sa ent­de­cken.

EIN TEMPEL ZUM TAN­ZEN

Die Num­mer 411 der Em­ped­ra­do Stra­ße im his­to­ri­schen Zen­trum der Stadt un­ter­schei­det sich von den üb­ri­gen Ko­lo­ni­al­ge­bäu­den durch ein klei­nes rus­ti­ka­les Holz­schild, das dar­auf hin­weist, dass es sich um La Ca­so­na del Son han­delt. Ein gro­ßes Holz­tor mar­kiert die Gren­ze zwi­schen dem Tru­bel auf der Stra­ße und ei­nem ge­räu­mi­gen, fri­schen Raum, der mit tro­pi­schen Me­lo­di­en er­füllt ist.

Über die Laut­stär­ke der Mu­sik hin­weg sind die Stim­men der Tanz­leh­rer zu hö­ren, die Ori­en­tie­run­gen be­züg­lich der Tech­nik ge­ben und ge­naue Richt­li­ni­en an­bie­ten, da­mit aus dem Ver­ständ­nis des Rhyth­mus die kor­rek­te Aus­füh­rung der Schrit­te ent­steht. Dies be­stä­tigt der Tanz­leh­rer Oli­ver Pe­rez, der ei­ne Pau­se ein­legt, be­vor er ei­ne per­sön­li­che Lek­ti­on für die jun­ge Deut­sche Sa­b­ri­na Fech­ner be­ginnt.

In der Haupt­hal­le un­ter­neh­men et­wa acht Kli­en­ten, vor­wie­gend aus eu­ro­päi­schen Län­dern, ih­re ers­ten Schrit­te im Ver­ständ­nis ei­nes Tan­zes, der sie ein­lädt, den Kör­per mit­hil­fe der für die ku­ba­ni­sche Sal­sa cha­rak­te­ris­ti­schen Acht-takt-zäh­lung rhyt­misch zu be­we­gen. So na­tür­lich wie der Rhyth­mus, den sie zu ver­ste­hen be­gin­nen, ist der Ton des Un­ter­richts, der ei­nen an­ste­cken­den Op­ti­mis­mus ver­brei­tet, po­si­ti­ve Schwin­gun­gen aus­löst und da­zu ein­lädt, je­den Zen­ti­me­ter des Kör­pers in Be­we­gung zu brin­gen.

Zwi­schen Stren­ge und Scher­zen wird an­ge­strebt, dass der Schü­ler die Grund­schrit­te be­herr­schen lernt und gleich­zei­tig den Geist der Ku­ba­ner ent­schlüs­selt. Nur so, be­kennt Oli­ver, ist es mög­lich, den Un­ter­richt er­folg­reich ab­zu­schlie­ßen, denn die ku­ba­ni­sche Sal­sa ist auch ein Ge­fühl. Sei­ne Schü­le­rin Sa­b­ri­na, die an dem Ge­spräch teil­nimmt, er­kennt an, dass der Un­ter­richt sie da­bei un­ter­stützt, die Span­nun­gen des Kör­pers zu lö­sen und die Be­las­tung zu ver­rin­gern, die das mo­der­ne Le­ben für ei­ne Frau mit sich bringt. Frau Fech­ner lebt in Ber­lin, ist zu Be­such in Havanna und hat

sich für fünf Un­ter­richts­stun­den ent­schie­den. Ob­wohl sie sich für ei­ne un­ab­hän­gi­ge und zu­frie­de­ne jun­ge Frau hält, ent­deck­te sie beim Sal­sa tan­zen, dass ihr das Ge­fühl be­hagt, die Ver­ant­wor­tung der Füh­rung ih­rem Tanz­part­ner zu über­las­sen. „Wäh­rend ich tan­ze“, sagt sie und wird da­bei rot im Ge­sicht, „muss ich über kei­ne Ent­schei­dun­gen nach­den­ken, ich muss nur die Schrit­te be­fol­gen, ich kann mich dar­auf kon­zen­trie­ren, mei­ne Weib­lich­keit zu ent­fal­ten, auf ei­ne be­stimm­te Art und Wei­se ge­be ich mich gren­zen­los hin, auf ver­trau­ens­vol­le Wei­se.“

Für Ken­ner ist Sal­sa das Ge­spräch ei­nes Paa­res. Der Mann zeigt sei­ne tän­ze­ri­schen Fä­hig­kei­ten und die Frau rühmt sich der Sinn­lich­keit ih­res Kör­pers. Es ist ein ele­gan­ter Tanz mit fest­ge­leg­ten Ab­stän­den, die je nach In­ti­mi­tät der In­ter­pre­ten ver­kürzt wer­den kön­nen. Der ku­ba­ni­sche Stil zeich­net sich durch ei­ne kreis­för­mi­ge Be­we­gung mit Fi­gu­ren oder Va­ria­tio­nen aus, die kom­pli­zier­te Kno­ten si­mu­lie­ren, wel­che je nach Ein­falls­reich­tum der Tän­zer wie­der ge­löst wer­den.

Oli­ver und Sa­b­ri­na be­gin­nen ih­re drit­te Lek­ti­on in nur zwei Mi­nu­ten. Sie ver­las­sen den seit­li­chen In­nen­hof und tre­ten in ei­nen der sechs Räu­me ein, de­ren Wän­de mit Spie­geln und kunst­hand­werk­li­chen Sym­bo­len der afro-ku­ba­ni­schen Kul­tur be­deckt sind. Oli­ver be­ginnt den Tag am liebs­ten mit Per­kus­si­ons­schlä­gen, um die Mus­keln zu wär­men und die Sin­ne zu ak­ti­vie­ren. An­de­re Leh­rer tref­fen sich in den Pau­sen­räu­men. Ei­ner von ih­nen, Mi­chel Val­dés, sagt, dass er auf Fa­mi­li­en­fei­ern tan­zen ge­lernt ha­be. In Cu­ba heißt Sal­sa Ca­si­no, ein Stil, der in den ex­klu­si­ven Sa­lons von Clubs im Wes­ten der Haupt­stadt ent­stan­den ist. Der Rhyth­mus geht ei­nem un­ter die Haut und ein gu­tes Lied be­wegt den Kör­per, noch be­vor man mit dem Tan­zen be­gon­nen hat.

Das Tan­zen auf Ku­ba hat ein zu­sätz­li­ches mys­ti­sches Ele­ment. Der Rhyth­mus klingt an­ders, er ist nicht nur zu hö­ren, es ist auch mög­lich, ihn in der Um­ge­bung zu spü­ren, ihn in der Kör­per­spra­che der Ein­hei­mi­schen zu ent­de­cken.

Die Sal­sa wird durch an­de­re Rhyth­men wie Mam­bo und Chach­achá ge­nährt. Laut Mi­chel kann je­der ei­ne gu­te Sal­sa in­ter­pre­tie­ren. In sei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung hat er vie­le Tou­ris­ten ge­trof­fen, die den Un­ter­richt mit der Dis­zi­plin von Pro­fis ver­fol­gen. Ei­ni­ge kom­men je­des Jahr zu­rück und wer­den von Lehr­lin­gen zu fort­ge­schrit­te­nen Stu­den­ten.

GE­SUN­DE SAL­SA ZUR STÄR­KUNG VON KÖR­PER UND GEIST

Tau­sen­de Be­su­cher kom­men je­des Jahr in die Ca­so­na del Son und zu an­de­ren ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen in der Ka­ri­bik, um die lo­ka­len Rhyth­men zu er­ler­nen. In Mu­sik und Tanz spie­geln sich die Be­son­der­hei­ten der Land­schaft wi­der, die die Tro­pen für vie­le zu ei­nem be­lieb­ten Reiseziel macht. Der Hei­lungs­ef­fekt des Ur­laubs kann um­fas­send sein, wenn Sie Sal­sa als The­ra­pie ver­wen­den.

Wenn Sie tan­zen, müs­sen Sie ei­ne auf­rech­te Kör­per­hal­tung ein­hal­ten, was durch die Aus­rich­tung des Rü­ckens un­ter­stützt wird. Ku­ba­ni­sche Sal­sa weist Va­ria­tio­nen in ih­rem Rhyth­mus auf, der lang­sam be­ginnt und bis zur Be­frei­ung der Be­we­gun­gen fort­schrei­tet. Die­se Sta­di­en hel­fen bei der rich­ti­gen Er­wär­mung des Mus­kel­to­nus. Die kom­pli­zier­ten cho­reo­gra­fi­schen Fi­gu­ren för­dern die Krea­ti­vi­tät und ver­lan­gen, dass Sie die Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen Hän­den und Fü­ßen har­mo­nisch aus­üben.

Die paar­wei­se kreis­för­mi­gen Cho­reo­gra­phi­en er­hö­hen die Wahr­neh­mung des Kör­pers und des Raums, der den Tän­zer um­gibt. Die In­ter­ak­ti­on zwi­schen zwei Per­so­nen im­pli­ziert die Ak­zep­tanz der Rol­len und die ge­mein­sa­me Kon­struk­ti­on des­sen, was ge­macht wird. Ob­wohl in der Sal­sa der Mann der Füh­rer ist, wil­ligt die Frau ein, sei­nen Dre­hun­gen zu fol­gen. Da­mit der Tanz Spaß macht, müs­sen bei­de ih­ren Kör­per dem Rhyth­mus der Mu­sik hin­ge­ben und an­pas­sen. Die­ses Kör­per­ge­spräch er­weckt ei­ne Ex­plo­si­on der Sin­ne, die ei­ni­ge Tän­zer als rei­nes Glück über­set­zen.

Psy­cho­lo­gen ha­ben dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Akt des Tan­zens psy­chi­sche Aspek­te der In­di­vi­du­en be­wegt. Es weckt Ver­trau­en in den Kör­per, was das Selbst­wert­ge­fühl und das Ver­trau­en in die ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten an­regt. Ei­ni­ge The­ra­peu­ten emp­feh­len die Tanz­the­ra­pie, um sich der Angst vor öf­fent­li­chem Auf­tre­ten und der ex­tre­men Schüch­tern­heit zu stel­len. Ei­nes der Pro­ble­me der mo­der­nen Welt ist die Un­fä­hig­keit des In­di­vi­du­ums, sei­ne Ge­füh­le of­fen zu ka­na­li­sie­ren. Das be­schleu­nig­te Le­bens­tem­po, der Ein­satz der Tech­no­lo­gi­en und die ho­hen Er­folgs­stan­dards füh­ren da­zu, dass die so­zia­le In­ter­ak­ti­on auf der lan­gen Prio­ri­tä­ten­lis­te zu­rück­bleibt. Der Tanz er­mög­licht die Be­frei­ung der Per­sön­lich­keit. Als Uni­ver­sal­spra­che be­trach­tet, durch­bricht er die Sprach­bar­rie­re und er­mög­licht ei­nen auf­rich­ti­gen Aus­druck.

TROPISCHE NÄCH­TE

Um die Ver­bin­dung zwi­schen Schü­ler und Un­ter­richt zu be­sie­geln, ist nichts bes­ser, als den Geist der Sal­sa in den Kult­tem­peln zu kos­ten, die sich in der gan­zen Stadt aus­brei­ten. Die so­ge­nann­ten Ca­sa de la Mú­si­ca, ins­be­son­de­re je­nes auf der Ga­lea­no Stra­ße und das von Pla­ya, das ganz in der Nä­he der Ave­n­i­da 31 ge­le­gen ist, bie­ten ein ab­wechs­lungs­rei­ches An­ge­bot, das die bes­ten Orches­ter der In­sel in di­rek­ten Kon­takt zu den Tän­zern bringt.

Nie­mand kann dem Reiz von Havanna bei Nacht wi­der­ste­hen. Old­ti­mer, tropische Frucht­cock­tails mit Rum aus Zu­cker­rohr und schlaf­lo­se Mu­sik- das al­les er­war­tet Sie in je­dem Tanz­sa­lon, je­der Schen­ke oder Ka­ba­rett.

Meh­re­re Tanz­schu­len, dar­un­ter die Ca­so­na del Son, schla­gen Ih­nen vor, die­se Er­fah­rung mit der An­lei­tung der Pro­fis zu er­le­ben. Aus­bil­der und Leh­rer wer­den in den Näch­ten zu Tan­zer­part­nern, die Sie durch die ewi­ge Mor­gen­rö­te der ku­ba­ni­schen Fes­te füh­ren wer­den.

Das Tan­zen auf Ku­ba hat ein zu­sätz­li­ches mys­ti­sches Ele­ment. Der Rhyth­mus klingt an­ders, er ist nicht nur zu hö­ren, es ist auch mög­lich, ihn in der Um­ge­bung zu spü­ren, ihn in der Kör­per­spra­che der Ein­hei­mi­schen zu ent­de­cken. Sie be­su­chen die Stadt, aber Mu­sik und Tanz wer­den Ih­nen hel­fen, sie zu er­le­ben, die Kräf­te ken­nen­zu­ler­nen, die das Lä­cheln ih­res Vol­kes in­spi­rie­ren, an je­der Ecke die Ele­men­te zu spü­ren, die die na­tio­na­le Kul­tur aus­ma­chen, und mit Ih­rem Kör­per das wun­der­ba­re We­sen der Ku­ba­ni­schen Sal­sa aus­zu­drü­cken.

Alain Pé­rez und sein Orches­ter in der Ca­sa de la Mú­si­ca in Mi­ra­mar

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.