„Toll, dass Sie das hier ma­chen“

Se­nio­ren en­ga­gie­ren sich für das Volks­be­geh­ren Was­ser – und tref­fen auf ganz un­ter­schied­li­che Re­ak­tio­nen

Kieler Nachrichten - - KIEL - VON HEI­KE STÜBEN

BRUNSWIK. An­de­re sit­zen an die­sem Herbst­tag ge­müt­lich und warm im Ca­fé am Drei­ecks­platz. Antje Kiel­mann, Re­na­te Lüb­ke und Uwe Stahl – al­le im Ren­ten­al­ter – blei­ben lie­ber drau­ßen. Sie sam­meln Un­ter­schrif­ten für das Volks­be­geh­ren zum Schutz des Was­sers. Eh­ren­amt­lich und aus Über­zeu­gung. Die Re­ak­tio­nen der Pas­san­ten? Sehr un­ter­schied­lich.

Antje Kiel­mann, pen­sio­nier­te Leh­re­rin, ist viel­fach en­ga­giert – vor al­lem im Schul­be­reich. „Vor ei­ni­gen Jah­ren bin ich auch Attac bei­ge­tre­ten, weil ich et­was ge­gen Fracking tun woll­te. Schon da­mals ha­be ich Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt. Und das ma­che ich jetzt wie­der, weil mir der Er­halt un­se­rer Le­bens­grund­la­ge Was­ser am Her­zen liegt“, sagt die Pen­sio­nä­rin. Doch mit ei­ni­gen Re­ak­tio­nen ha­be sie nicht ge­rech­net.

Was sie er­schüt­te­re, sei die Unin­for­miert­heit vie­ler Bür­ger. „Ich dach­te, dass das Volks­be­geh­ren be­kannt ist. Das The­ma be­trifft uns al­le, und die­ses de­mo­kra­ti­sche In­stru­ment wird nur sel­ten in Schles­wig-Hol­stein prak­ti­ziert. Was jetzt statt­fin­det, ist al­so et­was Be­son­de­res, das soll­te je­der wis­sen.“Tat­säch­lich ist der letz­te Ver­such ei­nes Volks­be­geh­rens auf Lan­des­ebe­ne – zur Er­hal­tung der Re­al­schu­le – zehn Jah­re her. Der schei­ter­te, weil nicht ge­nü­gend Un­ter­schrif­ten zu­sam­men­ka­men. Das darf beim The­ma Was­ser nicht pas­sie­ren, fin­det Antje Kiel­mann. Doch 80 000 gül­ti­ge Un­ter­schrif­ten in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res zu sam­meln, er­for­dert ei­nen Ma­ra­thon an En­ga­ge­ment und viel Auf­klä­rung über die Zie­le des Volks­be­geh­rens.

„Es geht um die Un­sin­nig­keit, in ei­nem Land mit Wind­ener­gie-Über­schuss in Zei­ten der Kli­ma­kri­se über­haupt noch fos­si­les Öl und Gas zu för­dern, da­bei mit un­sau­be­ren Me­tho­den wie Fracking den Bo­den zu be­las­ten und das Grund- und Trink­was­ser zu ge­fähr­den“, sagt Re­na­te Lüb­ke (68). Das Volks­be­geh­ren will ge­setz­lich re­geln las­sen, dass Be­hör­den künf­tig die Bür­ger über sol­che För­der- und ins­be­son­de­re Fracking­plä­ne in­for­mie­ren kön­nen, auch über Ge­fah­ren­stof­fe, die Berg­bau­kon­zer­ne la­gern oder för­dern. Bis­her wer­den sol­che In­for­ma­tio­nen häu­fig als Ge­schäfts­ge­heim­nis­se nicht öf­fent­lich. „Das darf nicht sein. Auch Ret­tungs­diens­te, Kran­ken­häu­ser und Feu­er­weh­ren müs­sen die­se Ri­si­ken von An­fang an ken­nen. Und bei Schä­den muss die Haf­tung der Berg­bau­un­ter­neh­men ein­deu­tig sein und al­le Schä­den um­fas­sen“, fin­det Uwe Stahl.

Der 67-Jäh­ri­ge hat die Er­fah­rung ge­macht, dass vie­le Pas­san­ten nach ei­nem Ge­spräch das Volks­be­geh­ren un­ter­stüt­zen. Und wenn je­mand dar­auf hin­weist, dass die Lan­des­re­gie­rung

Ge­set­zes­än­de­run­gen doch zu­ge­sagt hat, ant­wor­tet er rou­ti­niert: „Zu­ge­sagt ist nicht um­ge­setzt. Vor al­lem aber wer­den da­bei nicht al­le Än­de­run­gen um­ge­setzt, die wir für not­wen­dig hal­ten.“Doch manch­mal kom­me sie gar nicht so weit, er­zählt Antje Kiel­mann. „Ei­ni­ge weh­ren mich so­fort ab. Sie den­ken wohl, ich möch­te ih­nen ir­gend­et­was ver­kau­fen.“Am meis­ten hat die Kie­le­rin je­doch die Re­ak­ti­on aus ei­ner Kaf­fee-Run­de ir­ri­tiert. „Ei­ne der Da­men sag­te gleich, sie un­ter­schrei­be nicht. Das sei so in ih­rer Par­tei, der CDU, ab­ge­spro­chen.“Dar­auf­hin hät­ten die an­de­ren am Tisch auch nicht un­ter­schrie­ben. Doch es kom­men auch im­mer wie­der Pas­san­ten vor­bei, die die Rent­ner lo­ben: „Toll, dass Sie das hier ma­chen. Dann muss ich nicht ex­tra ins Rat­haus und dort un­ter­schrei­ben.“

Ich samm­le Un­ter­schrif­ten, weil mir der Er­halt der Le­bens­grund­la­ge Was­ser am Her­zen liegt. Antje Kiel­mann, Pen­sio­nä­rin, die das Volks­be­geh­ren un­ter­stützt

FO­TOS: FRANK PE­TER

Sind an den Pla­ka­ten zu er­ken­nen (v.li.) : Re­na­te Lüb­ke, Uwe Stahl und Antje Kiel­mann en­ga­gie­ren sich für das Volks­be­geh­ren zum Schutz des Was­sers.

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