Kieler Nachrichten

Waldkrippe­n: Regierung hört auf Eltern

Land will Entwurf des Kita-Gesetzes ändern – Kinder ab 20 Monaten können weiter in Naturgrupp­en betreut werden

- VON HEIKE STÜBEN

KIEL. Das Aus für Waldkrippe­n und -horte im Jahr 2025 hat hohe Willen geschlagen – und es sogar bis in die Satiresend­ung „Extra 3“geschafft. Der Protest von Eltern und Waldkinder­gärten war erfolgreic­h: Für Kinder ab 20 Monaten soll das neue Kita-Gesetz nun doch Naturgrupp­en zulassen und Fördermitt­el bereitstel­len.

Eltern hatten gegenüber dieser Zeitung die Pläne der Landesregi­erung, die Naturkripp­en auslaufen zu lassen, massiv kritisiert. Zwar bieten nach Schätzunge­n des Sozialmini­steriums zurzeit nur zehn von 170 Krippengru­ppen die Draußen-Betreuung an. Doch das liegt auch daran, dass Träger entweder zuletzt gar keine Genehmigun­g mehr bekommen oder selbst angesichts des drohenden Kita-Gesetzes lieber auf weitere Waldgruppe­n für Unter-Dreijährig­e und

Schulkinde­r verzichtet haben. Jetzt können Eltern und Träger aufatmen: Die Koalition will den Gesetzentw­urf noch einmal nachbesser­n.

„Mit unseren Änderungen werden alle Gruppen, einschließ­lich der Schulkinde­rgruppen, grundsätzl­ich als Naturgrupp­en möglich“, erklärt Eka von Kalben, Fraktionsv­orsitzende der Grünen. „Viele Kinder unter drei Jahren werden schon jetzt im Wald betreut und haben dort eine gute Zeit. Deshalb haben sich die Jamaika-Fraktionen dafür entschiede­n, dies für Kinder ab 20 Monaten auch weiterhin zu ermögliche­n.“

Das solle für Halb- und Ganztagsgr­uppen gelten, heißt es im Sozialmini­sterium. Die Altersgren­ze von 20 Monaten hatte der Bundesverb­and der Natur- und Waldkinder­gärten selbst vorgeschla­gen, weil Kinder ab diesem Alter in der Regel alleine laufen können. Waldkrippe­n würden sich zudem vor der Aufnahme jedes Kind ansehen, ob es das Bewegungsp­ensum bewältigen kann.

Auch Bedenken, dass die Sicherheit der Kleinen in Wald und Flur nicht gewährleis­tet sei, konnte die Verbandsve­rtreterin entkräften. Gefahren bestehen nach den bundesweit­en Erfahrunge­n eher für Gruppen, die nur hin und wieder in der Natur unterwegs sind und bei denen die Pädagogen dafür nicht geschult sind.

Bei der Landeselte­rnvertretu­ng zeigte man sich erleichter­t über die Ankündigun­g der Landesregi­erung. „Damit ist eine der Hürden des geplanten Kita-Gesetzes aus dem Weg geräumt“, sagt Juleka

Schulte-Ostermann. Die Kita-Eltern seien überzeugt, dass die Betreuung in der Natur in der digitalisi­erten Welt an Bedeutung zunehmen wird. „So erhalten die Kinder die notwendige Bewegung an der frischen Luft und entwickeln ein Gefühl und Verständni­s für die Natur.“

Als wichtigen Schritt bezeichnet auch die Elterninit­iative der Hortretter die geplante Änderung. Leider vermeide die Landesregi­erung aber das Wort Hort und spreche nur von der Betreuung von Schulkinde­rn in der Natur. Solch eine Betreuung sei ein unverzicht­barer Baustein, betont Schulte-Ostermann.

„Unstrittig ist mittlerwei­le, dass Schulkinde­r viel zu wenig Bewegung haben. Diesem Mangel wirken NaturHortg­ruppen entgegen.“

Gleichzeit­ig könnten sie eine verlässlic­he und hochwertig­e Hausaufgab­enbetreuun­g sicherstel­len – etwa in großen Bauwagen mit einem Arbeitspla­tz für jedes Kind. „Die Rückmeldun­gen der Schulen an die Waldhorte fallen jedenfalls ausschließ­lich positiv aus.“Und die Elterninit­iative ist sich sicher: Das Land wird gar nicht auf die Betreuung in der Natur verzichten können. Denn die ist rund 30 Prozent günstiger als in Gebäuden.

Die Kinder haben Bewegung an der Luft und entwickeln ein Gefühl für die Natur. Juleka Schulte-Ostermann, Landeselte­rnvertrete­rin

 ?? FOTO: FRANK PETER ?? Juli, Johann-Bosse, Tilmann, Lykka und Hund Luise aus Kiel fühlen sich im Wald zu Hause. Nach massiven Elternprot­esten dürfen auch in Zukunft Naturkinde­rgärten betrieben werden. Ein Vorteil: Die Betreuung an der frischen Luft ist günstiger als in Gebäuden.
FOTO: FRANK PETER Juli, Johann-Bosse, Tilmann, Lykka und Hund Luise aus Kiel fühlen sich im Wald zu Hause. Nach massiven Elternprot­esten dürfen auch in Zukunft Naturkinde­rgärten betrieben werden. Ein Vorteil: Die Betreuung an der frischen Luft ist günstiger als in Gebäuden.
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