Die Angst der Schul-För­der­ver­ei­ne

Grund­schul­kin­der wer­den bis­lang pri­vat ganz­tags be­treut – Rechts­an­spruch droht Or­ga­ni­sa­to­ren zu über­for­dern

Kieler Nachrichten - - SCHLESWIG-HOLSTEIN - VON HEI­KE STÜBEN

RENDSBURG. 2025 sol­len El­tern ei­nen Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung von Grund­schul­kin­dern er­hal­ten. „Aber die­se Be­treu­ung wird bis­her in Schles­wig-Hol­stein auf die pri­va­ten För­der­ver­ei­ne ab­ge­wälzt, und die sind eh­ren­amt­lich ge­führt“, sagt Sa­b­ri­na Kru­s­pe, Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­bands der Ki­ta- und Schul­för­der­ver­ei­ne, der sich ges­tern in Rendsburg ge­grün­det hat. Sie und ih­re Mit­strei­ter fürch­ten, dass die Ver­ei­ne über­for­dert wer­den, und for­dern Hil­fe vom Land.

Vie­le der 797 Schu­len und 1785 Ki­tas im Land ha­ben För­der­ver­ei­ne – meist sind es El­tern, die die­se ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ei­ne grün­den und am Le­ben er­hal­ten. Zu­nächst ging es da­bei um die per­so­nel­le und vor al­lem fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung von Ver­an­stal­tun­gen. Da wird zum Bei­spiel der Ad­vents­ba­sar or­ga­ni­siert und mit dem ein­ge­nom­me­nen Geld ein Klet­ter­ge­rüst oder neu­es Mu­sik­in­stru­ment an­ge­schafft. Doch an im­mer mehr Grund­schu­len über­nah­men die­se För­der­ver­ei­ne auch die Ver­ant­wor­tung für die Ver­pfle­gung und Be­treu­ung von Kin­dern, die sonst nach dem Un­ter­richt auf sich ge­stellt wä­ren. El­tern sind al­so eh­ren­amt­lich Trä­ger der Be­treu­ten Grund­schu­le – und das wirft vie­le Pro­ble­me auf.

Denn es wird für die­se Ver­ei­ne im­mer schwie­ri­ger, Mit­strei­ter un­ter den El­tern und ge­nug Per­so­nal für ei­ne qua­li­fi­zier­te Be­treu­ung zu fin­den, be­rich­tet

An­ni­ka Hen­ke, selbst zwei­fa­che Mut­ter und Vor­sit­zen­de des Schul­för­der­ver­eins der Muh­li­us­schu­le in Kiel. „Häu­fig schei­tert es an der Zeit, weil bei­de El­tern­tei­le Voll­zeit ar­bei­ten. Oft schre­cken aber auch der Auf­wand, sich fach­lich ein­zu­ar­bei­ten, und die Ver­ant­wor­tung ab, die man trägt.“

Plötz­lich wird der Vor­stand zu ei­nem Ar­beit­ge­ber

Schließ­lich wird der Vor­stand plötz­lich zum Ar­beit­ge­ber, muss für die Nach­mit­tags­be­treu­ung der Kin­der Per­so­nal fin­den und ein­stel­len, muss für Buch­füh­rung und Steu­er­er­klä­rung sor­gen und bei all dem stets das Re­gel­werk für ge­mein­nüt­zi­ge Ver­ei­ne be­ach­ten. „Denn der Vor­stand haf­tet per­sön­lich. Wird dem Ver­ein et­wa auf­grund von irr­tüm­li­chen Ver­stö­ßen die Ge­mein­nüt­zig­keit ent­zo­gen, kann das er­heb­li­che Fol­gen für uns ha­ben“, sagt An­ni­ka Hen­ke. Schon al­lein des­halb hat sie den Lan­des­ver­band mit­in­iti­iert.

Der Lan­des­ver­band soll das not­wen­di­ge Wis­sen ver­mit­teln und bün­deln, auch kon­kre­te Hil­fe et­wa bei der Ak­qui­se von Gel­dern, bei Steu­er­er­klä­run­gen und Ar­beits­ver­trä­gen or­ga­ni­sie­ren. „Er soll ei­ne Kon­stan­te sein, denn ein Pro­blem der Schul­för­der­ver­ei­ne ist es ja auch, dass die Vor­stän­de der För­der­ver­ei­ne re­gel­mä­ßig wech­seln – spä­tes­tens, wenn das jüngs­te Kind auf die wei­ter­füh­ren­de Schu­le wech­selt. Und der neue Vor­stand muss sich dann wie­der neu ein­fuch­sen.“

Vor al­lem aber soll der Lan­des­ver­band In­ter­es­sen­ver­tre­tung und Sprach­rohr für die För­der­ver­ei­ne sein. Das sei um­so wich­ti­ger, wenn der Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung kommt. „Wir müs­sen da­von aus­ge­hen, dass sich un­se­re Pro­ble­me da­durch noch ver­schär­fen“, sagt die Kie­le­rin. Denn an vie­len Or­ten gibt es schon jetzt War­te­lis­ten für die Be­treu­te Grund­schu­le. Die­se Kin­der müs­sen dann al­le auf­ge­nom­men wer­den. „An un­se­rer Schu­le ge­hen 67 Kin­der in die Be­treu­ung. Bei ei­nem Rechts­an­spruch müss­ten wir Be­treu­ungs­ka­pa­zi­tä­ten für min­des­tens 84 Kin­der bie­ten“sagt die Mut­ter aus Kiel.

Da­für müs­se es nicht nur Räu­me, son­dern auch Per­so­nal ge­ben. „Schon jetzt ist es oft schwie­rig, Per­so­nal wie Er­zie­her für die Be­treu­ung zu fin­den, weil För­der­ver­ei­ne nicht so viel be­zah­len kön­nen wie Ki­tas“, sagt Sa­b­ri­na Kru­s­pe, Vor­sit­zen­de des neu­en Lan­des­ver­ban­des. Die Mut­ter aus Rendsburg hofft, dass die För­der­ver­ei­ne durch den neu­en Ver­band ge­gen­über der Po­li­tik ver­eint und stär­ker als bis­her ih­re For­de­run­gen ver­tre­ten kön­nen. „Erst­mal muss das Land ei­ne Be­stands­auf­nah­me ma­chen: Wie vie­le För­der­ver­ei­ne or­ga­ni­sie­ren heu­te Ver­pfle­gung und Be­treu­ung? Wie vie­le Kin­der sind in der Be­treu­ung, wie vie­le auf War­te­lis­ten? Und dann müs­sen wir über­le­gen: Wie lässt sich der neue Rechts­an­spruch 2025 über­haupt im Land er­fül­len?“

Wir müs­sen über­le­gen: Wie lässt sich der neue An­spruch 2025 ver­wirk­li­chen? Sa­b­ri­na Kru­s­pe,

Vor­sit­zen­de des neu­en Lan­des­ver­bands der Ki­taund Schul­för­der­ver­ei­ne

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