Kieler Nachrichten

Mit dem Getränkeka­rton zum Shoppen

Künstlerin Ulrike Baltruscha­t fertigt Taschen aus alten Verpackung­en – und zeigt anderen, wie das geht

- VON KARINA DREYER zur Künstlerin unter Telefon 0176/97606829.

KIEL. Warum soll alles im Müll landen, wenn man daraus noch etwas Schickes und Nützliches machen kann? Ulrike Baltruscha­t hat sich Gedanken über die Hinterlass­enschaften unserer Konsumgese­llschaft gemacht und stellt nun Taschen aus Milch- und Saftpackun­gen her. Das Shoppen mit recyceltem Getränkeka­rton liegt derzeit voll im Trend.

Die Idee ist nicht neu und auch nicht ihre, aber Ulrike Baltruscha­t hat sie zu ihrer Herzensang­elegenheit gemacht. Die 58-jährige Künstlerin im Bereich freie Malerei möchte helfen, Verpackung­smaterial nicht einfach zu entsorgen, sondern es künstleris­ch zu verwerten. „So einfach, wie ich dachte, war das aber leider nicht“, sagt sie. Anfänglich hat sie 15 Stunden pro Tasche gebraucht, heute sind es zehn. Worauf es dabei ankommt, möchte sie nun in Workshops weitergebe­n.

Am Anfang steht die Materialsa­mmlung: Getränkeka­rtons, vor allem bekannt durch die namenspräg­ende Marke Tetra Pak. Doch so viel Milch, Hafermilch und Saft kann man gar nicht trinken, um aus der Verpackung schnell mal Taschen zu fertigen. Und so fragte Ulrike Baltruscha­t, die als Aufsicht im Stadt- und Schifffahr­tsmuseum arbeitet, Familie, Freunde, Nachbarn und in Restaurant­s. „Wenn ich nach Hause komme, steht mittlerwei­le schon einiges vor der Haustür“, sagt sie. Und das ist auch gut so, denn sie braucht pro Tasche ganze 32 Getränkeka­rtons. Vor allem Verpackung­en von der Milch bekommt sie. „Säfte weniger, den trinken heute viele wohl lieber aus der Flasche“, sagt sie.

Graue, rosafarben­e oder hellblaue Verpackung­en von Hafermilch. Milchtüten mit

32

gebrauchte Getränkeka­rtons benötigt Ulrike Baltruscha­t, um eine Tasche herzustell­en.

Bärchen oder Safttüten mit Beeren. „Nicht jedes Tetra Pak ist aufgrund seiner Stärke geeignet oder lässt sich gut verarbeite­n“, sagt sie. Manche Verpackung­en seien zwar schön, aber so gefaltet, dass man sie für die Herstellun­g von Taschen nicht nutzen könne. Denn das Material wird auseinande­rgefaltet und in exakt gleiche Streifen geschnitte­n. „Ich habe mittlerwei­le eine Schneidema­schine, dann sind die Abstände genau“, sagt sie. Dann wird geflochten, mit Klammern fixiert und in die endgültige Form gebracht. Zum Schluss werden noch Gurtbänder angebracht, damit man die Tasche auch tragen oder um die Schulter hängen kann.

Die Taschen kosten bei Ulrike Baltruscha­t zwischen 20 und 27 Euro, es gibt sie in drei verschiede­nen Größen. „Meine Enkelkinde­r lieben sie und bewahren alles Mögliche darin auf.“Sie eignen sich zum Einkaufen, Aufbewahre­n von Pfandflasc­hen, Obst, Geschenken und vielem mehr.

Tetra Pak ist der Name einer Schweizer Firma für Verpackung­ssysteme, die Anfang der 1950er-Jahre in Schweden gegründet wurde. Der Schwede Ruben Rausing brachte den ersten Tetra-Pak-Getränkeka­rton in Form einer Pyramide, eines sogenannte­n Tetraeders, auf den Markt. Er entwickelt­e eine Maschine, die das Kartonmate­rial direkt von einer großen Rolle bezieht und die Verpackung während der Abfüllung zum Karton formt, befüllt, versiegelt und abtrennt. Die Vorteile der Verpackung überzeugte­n schnell. Neu war auch die Beschichtu­ng des Kartons mit Polyethyle­n und Aluminiumf­olie.

Tetra Pak gilt als ökologisch verträglic­h, der Getränkeka­rton besteht bis zu 75 Prozent aus dem nachwachse­nden Rohstoff Holz und kann recycelt werden. Oder künstleris­ch in eine Tasche verwandelt werden.

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FOTOS: KARINA DREYER Bunte Vielfalt: Je nach Getränk und Aufdruck auf den Kartons variieren die Taschen, die Ulrike Baltruscha­t herstellt.
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Vor allem Milchverpa­ckungen bekommt die Kieler Künstlerin von Bekannten. „Säfte weniger, den trinken heute viele wohl lieber aus der Flasche“, sagt sie.

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