Das Gu­ten­berg: Fuß­ball-Spi­rit im Vier­tel

Die Kn­ei­pe punk­tet mit selbst­ge­mach­ten Bur­gern, Fuß­ball­über­tra­gun­gen und ei­ner gro­ßen Bier-Aus­wahl

Kieler Nachrichten - - KIEL - VON LAU­RA TREFFENFEL­D

KIEL. Als Mal­te Schmer­der sich das Kon­zept für sein Gu­ten­berg über­leg­te, hat­te er ei­gent­lich an ei­ne et­was wil­de­re und stu­den­ti­sche­re Kn­ei­pe ge­dacht: „Wir ha­ben heu­te, zehn Jah­re nach der Er­öff­nung, ei­ne sehr ge­misch­te Kund­schaft. Ich wür­de uns nicht als klas­si­sche Stu­den­tenknei­pe, son­dern als Stadt­teil­knei­pe be­zeich­nen, in der sich al­le Leu­te wohl­füh­len.“Von der Erst­se­mes­ter-Be­grü­ßungs­fei­er bis zum Orts­ver­eins­tref­fen oder dem Se­nio­renPär­chen, das für ein Stück Sau­er­fleisch kommt, al­le fin­den in Schmer­ders La­den ei­nen Platz.

„Wir ha­ben im obe­ren Stock­werk noch zwei Räu­me, in de­nen auch grö­ße­re Grup­pen un­ter­kom­men und am Bea­mer zum Bei­spiel ei­ne Prä­sen­ta­ti­on hal­ten kön­nen“, sagt der Chef. Vor al­lem, wenn die Cham­pi­ons Le­ague oder die Bun­des­li­ga über­tra­gen wird, füllt sich die Bar in der Gu­ten­berg­stra­ße 66. „Wir ha­ben drei Lein­wän­de und zwei Fern­se­her – bei uns kann man ei­gent­lich von je­dem Platz aus die Spie­le gut se­hen.“Zum Fuß­ball ist der Chef erst so rich­tig durch sei­ne Kn­ei­pe ge­kom­men. „Ich war frü­her gar nicht der größ­te Fuß­ball-Fan, aber als ich merk­te, dass sich TVÜber­tra­gun­gen loh­nen, ha­be ich das bei uns auch um­ge­setzt und dann viel da­zu­ge­lernt“. Ei­ne Dort­mun­de­rin, die bei

Schmer­der ei­ne Zeit lang ge­kell­nert hat, gab ihm in Sa­chen Fuß­ball dann ein we­nig Nach­hil­fe.

„Der Sport passt hier auch ein­fach rein. Die Kn­ei­pe hieß frü­her Storch­nest, exis­tier­te seit An­fang des 20. Jahr­hun­derts und war die Grün­dungs­knei­pe von Hol­stein Kiel.“Da­her kä­me auch der Spitz­na­me Stör­che. Drau­ßen über dem Ein­gang zeugt ein Stor­chen­nest-Em­blem noch von dem ge­schichts­träch­ti­gen Lo­kal. „Als der Film Hol­stein-Herz sei­ne Vor­pre­mie­re hat­te, ha­ben 80 ge­la­de­ne Hol­steinGäs­te bei uns ih­re Af­ter­show-Par­ty mit Mi­ni-Burger-Bü­fett ge­fei­ert. Und Wolf­gang Schwen­ke, Ge­schäfts­füh­rer bei Hol­stein Kiel, hat uns ein Tri­kot mit­ge­bracht.“Das T-Shirt hängt nun hin­ter Glas ne­ben dem Tre­sen.

„Wir ha­ben hier 2009 fast al­les ent­kernt und grund­er­neu­ert. Aber mir war es wich­tig, dass sich die Op­tik und die An­ord­nung der Ein­rich­tung nicht zu sehr vom Storch­nest da­vor un­ter­schei­det“, sagt Schmer­der. Bei den Mö­beln hat er auf meh­re­re klei­ne Ti­sche ge­setzt, die aber un­be­dingt mit ei­ner Echt­holz­plat­te aus­ge­stat­tet wer­den muss­ten. „Ich woll­te, dass die Ti­sche über die Jah­re hin­weg mit je­der Del­le und je­der Ker­be an Cha­rak­ter ge­win­nen.“

Zwölf Zapf­häh­ne ver­sor­gen die Gäs­te mit un­ter­schied­li­chen Bie­ren. „Sechs Bie­re wech­seln wir im­mer wie­der mal aus“, sagt Schmer­der. So kön­ne man recht häu­fig ei­ne neue Sor­te pro­bie­ren. „Bei den Craft­bie­ren geht es um die Fla­sche, nicht um den Kas­ten. Aber wir woll­ten auch ein paar Bie­re an­bie­ten, die man als Pit­cher weg­trin­ken kann.“Das haus­ei­ge­ne „Gu­ten­berg-Bier“sei so eins: ein süf­fi­ges und eher mil­des La­ger.

Ge­nau das ha­ben auch An­na und Martin be­stellt – und da­zu je ei­nen der selbst­ge­mach­ten Burger mit Pom­mes. Die bei­den sind das ers­te Mal im Gu­ten­berg und am En­de ih­res Abends rund­um zu­frie­den.

Oli­ver am Tisch ne­ben­an kommt öf­ter zu Be­such, vor al­lem zum Fuß­ball­gu­cken. „Ich woh­ne um die Ecke und fin­de hier ei­gent­lich im­mer ei­nen Platz.“Sein Va­ter Horst ist die­ses Mal mit da­bei und kann auch nicht kla­gen. „Das ist schon gut, dass man hier so vie­le ver­schie­de­ne Bie­re pro­bie­ren kann.“

Für die Zu­kunft über­legt der Gu­ten­berg-Chef, sei­ne Spei­se­kar­te ein we­nig zu über­ho­len. „Ich ha­be drei festan­ge­stell­te Kö­che, die ei­nen tol­len Job ma­chen. Und an un­se­ren Bur­gern wür­de ich auch erst ein­mal nichts än­dern, aber bei ei­ni­gen Sa­chen über­le­ge ich schon, mal was Neu­es aus­zu­pro­bie­ren.“

FO­TOS: THO­MAS EISENKRÄTZ­ER

Gu­ten­berg-Chef Martin Schmer­der (43) be­zeich­net sei­nen La­den als Stadt­teil­knei­pe, in der sich al­le wohl­füh­len kön­nen.

Män­ner­abend mit Oli­ver (links) und Horst – da ge­hö­ren Fuß­ball und ein Ge­tränk da­zu.

Ins­ge­samt zwölf un­ter­schied­li­che Bie­re kön­nen im Gu­ten­berg frisch ge­zapft wer­den.

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