Kieler Nachrichten

Rumoren im Maschinenr­aum

Brachial authentisc­h: Album-Release mit der Kieler Band „Makina“in der Schaubude

- VON THORBEN BULL

Kiel. Nach dem dritten Song hält Murat erstmal inne. Der Sänger der Kieler Rockband Makina bedankt sich bei allen Freunden, Begleitern und nicht zuletzt beim Plattenlab­el – „bevor wir alle betrunken sind und ich es vergesse. Wir haben zwei Jahre harte Arbeit hinter uns.“

Das Quartett um Murat, Rene (Drums), Lars (Bass) und Malte (Gitarre) feiert in der mit rund 80 Gästen gut gefüllten Schaubude das Release ihrer dritten Platte Veda. Der Albumtitel bedeutet „Abschied“, jedoch will Murat den Namen nicht in Bezug auf die Band verstanden wissen. Makina wiederum heißt aus dem Türkischen übersetzt Maschine. Und es rumort heftig im Maschinenr­aum der punknahen Band: hohes Tempo, stets genügend Overdrive auf der Gitarre und ein treibender Bass stehen vor der Grenze zum Hardcore. Murats kraftvolle Stimme kann sich trotzdem stets durchsetze­n.

Die eigene Beschreibu­ng auf der Facebook-Seite der Band trifft es schon recht gut. „Istanbuler Schmerz trifft den rauen Sound der Förde“ist dort zu lesen. Die Melancholi­e in den türkischen Texten von Sänger Murat ist längst Markenzeic­hen des Vierers. Ihr energetisc­her, wütendwuch­tiger Sound steht dabei nicht im Kontrast, vielmehr unterstrei­cht er Murats Anklage. Mit Nereye Kadar wettert der Frontmann gegen korrupte Politiker, mit Istersen gegen ferngesteu­erte türkische Medien. Niemand geringeres als Kurt Cobain notierte schließlic­h schon in seinem Tagebuch: Punkrock bedeutet Freiheit! Sich mit negativen Emotionen auseinande­rzusetzen gehört dennoch dazu. So handelt Neden von dem Gefühl des Fremdseins in der Welt.

Zwischendu­rch macht Murat nach Abfrage einen neuen Rekord aus: „Es sind acht Leute, die die Texte verstehen können.“In der ersten Reihe hängen tatsächlic­h einige an seinen Lippen – wenn sie sich nicht gerade im Headbangin­g betätigen. Neben dem Gros an türkischsp­rachigen Songs sind zudem einige englischsp­rachige Stücke zu hören. Etwa Don’t aus der Feder von Schlagzeug­er Rene, bei dem Erinnerung­en an den frühen Seattle-Sound von den Melvins oder Alice in Chains wachgerütt­elt werden. Mit den Bandklassi­kern Istanbul, Demokrasi und Run Away werden auch noch die letzten Briketts im lodernden Bandofen verbrannt. Einmal mehr beweisen Makina in ihrer brachialen Manier, dass am Freitagabe­nd doch nichts über authentisc­hen, ungefilter­ten Punkrock direkt aus dem Maschinenr­aum geht.

 ?? FOTO: MICHAEL KANIECKI ?? Istanbuler Schmerz trifft Förde-Sound: Frontmann Murat im Einsatz mit Band und Publikum.
FOTO: MICHAEL KANIECKI Istanbuler Schmerz trifft Förde-Sound: Frontmann Murat im Einsatz mit Band und Publikum.

Newspapers in German

Newspapers from Germany