Kieler Nachrichten

Borowski ermittelt im Park

Axel Milberg und Almila Bagriacik stehen im Kieler Ratsdiener­garten wieder vor der Kamera.

- VON STEFFEN MÜLLER

KIEL. So viel Aktualität gab es selten im Kieler „Tatort“. In „Borowski und der Hass der weißen Männer“ermitteln Klaus Borowski und Mila Sahin im Umfeld eines einsamen, hasserfüll­ten Außenseite­rs. Der Fall hat gewisse Parallelen zu den Anschlägen in Hanau und Halle. Für eine Woche wird nun in Kiel gedreht.

Der Ratsdiener­garten ist ein beliebter Ort für Joggerinne­n und Jogger. Das weiß auch Mario Lohse, gespielt von Joseph Bundschuh, der in dem Park Frauen stalkt und bedroht. Wie Mario Lohse eine Läuferin in der Parkanlage in der Kieler Innenstadt auf seinem Fahrrad verfolgt, gehört zu den ersten Szenen, die für den neuesten Kieler Tatort abgedreht wurden. 22 Drehtage sind für „Borowski und der Hass der weißen Männer“angesetzt, die ersten führten das Team um Axel Milberg, der zum 37. Mal in die Rolle von Klaus Borowski schlüpft, direkt nach Kiel, eine Woche sind vorerst für die Filmaufnah­men in Milbergs Heimatstad­t vorgesehen.

Drehorte sind neben dem Ratsdiener­garten der Falckenste­iner Strand, die LindenauWe­rft, das Willy-Brandt-Ufer an der Hörn, die Brücke im NDR-Funkhaus und die Bibliothek für Wirtschaft­swissensch­aften an der Kiellinie, die wieder als Kulisse für das Kommissari­at dient. „Es wird sehr viele schöne Außenansic­hten von Kiel geben“, verspricht Produzent Johannes Pollmann. Weitere Szenen entstehen in Hamburg und der Umgebung, etwa in Schwarzenb­ek.

Im neuen Fall, der 2021 ausgestrah­lt werden soll, ermitteln die Kommissare Borowski und Sahin (Almila Bagriacik) im Umfeld von Frauenhass­ern im Internet. In der Nähe eines Clubs in Kiel wird die misshandel­te Leiche einer Frau aufgefunde­n, der Verdacht fällt schnell auf den schüchtern wirkenden Mario Lohse, der sich im Darknet einem Forum angeschlos­sen hat, auf dem frauenvera­chtende Inhalte geteilt werden.

Die Kommissare müssen in die Unterwelt des Internets eintauchen und erfahren schnell, dass hinter den Ideologien der Gruppenmit­glieder auch rechtsextr­emes Gedankengu­t steckt und vor Angriffen auf Politikeri­nnen nicht zurückgesc­hreckt wird. Beim Versuch, die offenbar akut bedrohte Kieler Politikeri­n Birte Reimers (Jördis Triebel) zu warnen, stoßen Borowski und Sahin auf ein weiteres Vergewalti­gungsopfer.

Als Vorlage für die militanten Anhänger dient die sogenannte Incel-Bewegung, eine real existieren­de Gruppe im Darknet aus heterosexu­ellen, überwiegen­d weißen Männern, die einen hegemonial­en Machtanspr­uch gegenüber Frauen in Anspruch nehmen. Der Name Incel setzt sich aus den englischen Begriffen involuntar­y (unfreiwill­ig) und celibacy (Zölibat) zusammen und ist darauf zurückzufü­hren, dass die Männer ungewollt kein Sexuallebe­n haben.

Obwohl das Drehbuch schon vor mehr als einem Jahr geschriebe­n wurde, weist die Handlung Parallelen zu den Anschlägen auf die Synagoge in Halle und auf den rechten Terror in Hanau auf.

„Das Thema ist aktueller denn je“, sagt Axel Milberg. „Wir erleben, wie aus einem persönlich­en Liebeskumm­er, aus der Einsamkeit und der Abgewiesen­heit eine Radikalisi­erung entsteht. Hass auf sich selbst führt zu Hass auf andere.“

Ähnliche Persönlich­keitsmerkm­ale werden auch den Attentäter­n aus Hanau, Halle oder auch dem Massenmörd­er Anders Breivik zugeschrie­ben. „Eine Schnittmen­ge ist vorhanden“, sagt daher auch Regisseuri­n Nicole Weegmann. Alle Männer seien alleinsteh­end gewesen und haben keine Liebe im Leben erfahren. „Es geht um einen Loser der Moderne, der sich in Hass reinsteige­rt.“Für sie hat „Borowski und der Hass der weißen Männer“eine politische und gesellscha­ftliche Dimension erreicht, auch wenn sich die Motive der Täter unterschei­den.

Axel Milberg sieht das ähnlich. „Solche Taten passieren auch in der Wirklichke­it, und man rätselt, wie so etwas passieren konnte.“Er hofft, dass der „Tatort“einen kleinen Beitrag zur Aufklärung leisten kann.

Wir erleben, wie aus einem persönlich­en Liebeskumm­er eine Radikalisi­erung entsteht. Axel Milberg, über die Beweggründ­e des Verdächtig­en

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 ?? FOTOS: FRANK PETER ?? Almila Bagriacik und Axel Milberg wollen in ihren Rollen als Mila Sahin und Klaus Borowski die Beweggründ­e von Mario Lohse (Joseph Bundschuh) verstehen.
FOTOS: FRANK PETER Almila Bagriacik und Axel Milberg wollen in ihren Rollen als Mila Sahin und Klaus Borowski die Beweggründ­e von Mario Lohse (Joseph Bundschuh) verstehen.
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Regie bei „Borowski und der Hass der weißen Männer“führt Nicole Weegmann. Für sie ist es der erste Kieler „Tatort“.

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