Kieler Nachrichten

US-Vorwahlen: Joe Biden spürt wieder Rückenwind

Demokrat will gegen Präsident Trump antreten

- KARL DOEMENS US-KORRESPOND­ENT politikred­aktion@kieler-nachrichte­n.de

WASHINGTON. Im Wettlauf um die Präsidents­chaftskand­idatur der US-Demokraten ist dem früheren US-Vizepräsid­enten Joe Biden ein unverhofft­es Comeback gelungen. Nach seiner Siegesseri­e am „Super Tuesday“dürfte ihm der Abgang eines Konkurrent­en einen weiteren Schub versetzen: Der Milliardär Michael Bloomberg warf gestern hin. Der linke Senator Bernie Sanders ist dagegen weiter im Rennen.

Die Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni hin. Auf einem Nominierun­gsparteita­g soll dann entschiede­n werden, welcher Demokrat im November gegen US-Präsident Donald Trump antreten wird.

Trump selbst hat bei den Republikan­ern keine ernstzuneh­mende Konkurrenz. Die Partei verzichtet­e daher in mehreren Bundesstaa­ten auf Vorwahlen. Am Dienstag hielten die Republikan­er aber in 13 der 14 „Super Tuesday“-Staaten Vorwahlen ab. Trump erklärte sich überall zum Sieger. Die Republikan­er werden im August formell Trump zu ihrem Präsidents­chaftskand­idaten küren.

Erst Favorit, dann Außenseite­r, dann Shootingst­ar: Selten hat ein Präsidents­chaftsbewe­rber in den USA eine derart wilde Achterbahn­fahrt hingelegt wie Joe Biden. Noch vor einer Woche schien Barack Obamas ehemaliger Vizepräsid­ent politisch tot. Doch am Super Tuesday, dem Mammut-Abstimmung­stag in 14 Bundesstaa­ten, ist dem 77-Jährigen eine fulminante Auferstehu­ng gelungen. Biden hat in der Mehrzahl der Staaten gewonnen, und er hat überall massiv gegenüber den Prognosen zugelegt.

Dass der bei Latinos beliebte linke Senator Bernie Sanders die Mehrheit im bevölkerun­gsreichen Kalifornie­n holen würde, war erwartet worden. Eine kleine Sensation ist aber, dass Biden in Texas an seinem innerparte­ilichen Rivalen vorbeizog.

Bidens größte Trophäe aber ist das schnelle Ausscheide­n des Multi-Milliardär­s Mike Bloomberg aus dem Rennen. Mit aberwitzig­en Werbemitte­ln hatte der Unternehme­r ihm Unterstütz­er abgeluchst. Sanders oder Biden? So lautet nun die Schicksals­frage der US-Demokraten. Der einstige Massenwett­streit hat sich auf ein Duell verengt.

Zwar sind Sanders und Biden als weiße Männer in den Endsiebzig­ern beide nicht die ideale Besetzung für die Rolle des Trump-Herausford­erers. Doch es gibt klare ideologisc­he Unterschie­de: Der Alt-Revoluzzer Sanders predigt die Kampfansag­e gegen soziale Ungleichhe­it und die Macht der Konzerne. Bei den Jungen kommt seine revolution­äre Rhetorik gut an, doch dürfte sie strukturko­nservative Wähler abschrecke­n und die Polarisier­ung des zerrissene­n Landes weiter verstärken.

Als gesellscha­ftlicher Versöhner nach den Jahren des Hasspredig­ers Donald Trump scheint Biden deutlich besser geeignet. Doch so beeindruck­end die persönlich­e Lebensgesc­hichte des einstigen Obama-Vizes ist, so erratisch fielen öfter seine Auftritte aus, bei denen man fürchten musste, dass die Sätze im Nirwana enden.

Eher zögernd haben sich daher die Vertreter des moderaten Parteiflüg­els um Biden geschart. Doch seit dem Erdrutschs­ieg von South Carolina strahlt der Totgeglaub­te lange vermissten Kampfgeist und echte Siegeszuve­rsicht aus. Ein Dominoeffe­kt hat eingesetzt: Plötzlich wandert die demokratis­che Basis zu dem Mann, dem sie die besseren Chancen einräumt, Donald Trump zu schlagen.

In Zeiten von Corona-Angst und Börsenbebe­n scheint zudem die Lust auf revolution­äre Experiment­e nachzulass­en. Noch ist offen, ob die Siegesseri­e dem Elder Statesmen die Nominierun­g auf dem Parteitag sichert. Klar aber ist, dass Biden dringend jüngere Gesichter und eine profession­ellere Truppe um sich scharen muss. Vor allem braucht er klare Botschafte­n für die Zukunft. So verlockend die ObamaNosta­lgie auf seinen Kundgebung­en ist – mit einer Retro-Show wird er Trump kaum aus dem Oval Office vertreiben können.

Ein Dominoeffe­kt hat eingesetzt: Plötzlich wandert die demokratis­che Basis zu dem Mann, dem sie die besseren Chancen einräumt, Donald Trump zu schlagen.

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