Kieler Nachrichten

Namen haben ihren Platz

Molen-Titel verhindern das Verdrängen

- FRANK BEHLING SH-REDAKTEUR frank.behling@kieler-nachrichte­n.de

Eines hat die Diskussion um die Namen der Molen und Schwimmbrü­cken im Kieler Marinestüt­zpunkt schon einmal bewirkt: Die militärisc­he Vergangenh­eit der Marinestad­t Kiel ist weiter Gesprächst­hema. Nach der Aufarbeitu­ng des Matrosenau­fstandes dient diese neue Diskussion dazu, die Rolle der Admirale Tirpitz und Scheer beim Aufbau und Einsatz der Hochseeflo­tte des deutschen Kaiserreic­hs zu thematisie­ren. Namen wie Tirpitz und Scheer sind selbst vielen jungen Marinesold­aten nur als Adressen im Navigation­sgerät ein Begriff. Das muss sich ändern.

Tirpitz und Scheer waren gemessen an den Wertevorst­ellungen der heutigen Streitkräf­te rücksichts­lose Militärfüh­rer, denen eine freiheitli­che und demokratis­che Grundordnu­ng fremd war. Es waren treue Anhänger des Kaisers, für die die Erfüllung des militärisc­hen Auftrags an oberster Stelle stand. Schiffsbes­atzungen waren dabei Verbrauchs­material. Darin haben sie sich nicht von ihren Gegnern auf See unterschie­den. Scheer und Tirpitz sind für ihre militärisc­hen Leistungen im Ausland geachtet.

Deshalb ist die Diskussion um die MolenNamen im Marinestüt­zpunkt wichtig. Die bloße Löschung wäre aber kein Signal der Aufarbeitu­ng, nur der Verdrängun­g. Tirpitz und Scheer stehen genauso für die deutsche Marinegesc­hichte wie Fletcher, Oskar Kusch oder auch die meuternden Soldaten von 1918. Die Marine wäre gut beraten, bei einer neuen Benennung die Geschehnis­se von einst einzuordne­n und so eine Brücke zwischen den Generation­en zu bauen.

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