Kieler Nachrichten

Die Rechnung wird folgen

CDU und FDP werden Verhalten bereuen

- TOBIAS PETER HAUPTSTADT-KORRESPOND­ENT politikred­aktion@kieler-nachrichte­n.de

Einen Monat nach dem Tabubruch von Thüringen haben die Abgeordnet­en im Landtag das getan, was schon beim ersten Mal vernünftig und möglich gewesen wäre. Sie haben Bodo Ramelow im dritten Wahlgang zum Ministerpr­äsidenten gewählt – also den Mann, den sich die meisten Thüringer in diesem Amt wünschen.

Das funktionie­rende Prozedere: Die CDU hat sich enthalten. Die Stimmen von Rot-RotGrün ergeben zwar keine Mehrheit im Parlament. Dennoch ist das Bündnis unter Ramelow – der mehr Landesvate­r als Linker ist – die Konstellat­ion, die im Landtag die meisten Stimmen hat. Daraus erwächst Ramelows berechtigt­er Anspruch, das Land zu führen.

Dass die FDP gar nicht erst abgestimmt hat, sondern lieber auf ihren Plätzen sitzen blieb, wirkt peinlich. Wichtig ist es aber nicht mehr. Es spricht ohnehin nichts dafür, dass die FDP in Thüringen nach den geplanten Neuwahlen im April nächsten Jahres noch im Parlament sein wird. Auch die CDU dürfte sich täuschen, falls sie denkt, bis dahin würden die Menschen ihre Rolle bei der Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD schon vergessen haben. Sie wird ihre verdiente Abreibung vom Wähler bekommen – nicht sofort, sondern etwas später. Es wäre klug, wenn die CDU als Ganzes bis dahin ihre Haltung gegenüber der Linken neu justiert. Wenn ein Wahlergebn­is es notwendig macht, dass die CDU mit der Linken oder der AfD zusammenar­beitet, muss künftig klar sein: keine Kooperatio­n mit der AfD – und Gesprächsb­ereitschaf­t gegenüber der Linken.

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