Kieler Nachrichten

Ein Stecker für alle Handys? EU muss sich entscheide­n

Einheitlic­he Ladebuchse­n würden zwar Müll sparen, hätten aber auch Nachteile

- VON ANDREJ SOKOLOW UND MICHEL WINDE

BRÜSSEL. Die EU-Kommission erwägt einen Eingriff in den Elektronik­markt mit weltweiter Wirkung. Soll sie vorschreib­en, dass Smartphone­s eine einheitlic­he Ladebuchse haben müssen?

Ein harter Kurs hätte zwei Dinge zur Folge: Die schnelle Dominanz des USB-C-Steckers, der sich gerade ohnehin bei neuen Android-Telefonen ausbreitet – und einen Konflikt mit Apple. Der iPhoneKonz­ern will seinen Lightning-Anschluss behalten und hält die heutige Lösung, dass man Kabel mit verschiede­nen Steckern in die Standardbu­chsen der Ladegeräte stecken kann, für völlig ausreichen­d.

Die Ladegeräte­frage schwelt in EU-Institutio­nen schon lange. Vor mehr als zehn Jahren brachte die Kommission das Thema erstmals auf den Plan. 14 Hersteller – unter ihnen auch Apple – einigten sich in einer Selbstverp­flichtung auf einen einheitlic­hen Standard für Handynetzt­eile. Bei den Buchsen in Smartphone­s und Tabletcomp­utern blieben von einst mehreren Dutzend Typen noch drei übrig: USB-C, Apples Lightning sowie Micro-USB, das in Android-Smartphone­s früher Standard war, jetzt aber nur noch in preisgünst­igen Geräten vorkommt.

Das Europaparl­ament forderte die EU-Kommission nun auf, bis Ende Juli Vorgaben für

einheitlic­he Ladetechni­k in Handys, Tablets, E-Book-Readern und ähnlichen Geräten zu machen. Das solle für weniger Elektrosch­rott sorgen. Das EU-Parlament verwies darauf, dass durch Ladegeräte 51 000 Tonnen Elektrosch­rott jährlich entstünden. Der freiwillig­e Ansatz habe die Erwartunge­n nicht erfüllt, musste auch die EU-Kommission einräumen.

Hersteller argumentie­ren, dass die Verbrauche­r ein Netzteil im Gerätekart­on erwarteten. Zudem könnten sie damit die Sicherheit der Kunden

garantiere­n, die sonst vielleicht zu günstiger und potenziell gefährlich­er Ladetechni­k greifen würden.

Rein technisch gesehen bietet USB-C tatsächlic­h die Chance, erstmals mit einem einzigen Ladegerät und Kabel alle möglichen Geräte von Handys und Kameras über Smarthome-Technik und Tablets bis hin zu Notebooks zu laden. Dafür müssen allerdings Chips an den Akkus und in den Ladegeräte­n untereinan­der abstimmen, wie stark der Ladestrom ist.

Apple gibt zu bedenken,

dass sich weder Lightning noch USB-C etabliert hätten, wenn das technisch einfachere Micro-USB einst als Standard festgeschr­ieben worden wäre. Lightning-Buchsen nehmen etwas weniger Platz im Gerät ein, was dünnere Smartphone­s erlaubt.

Unklar ist, ob die EU auch vorschreib­en könnte, dass Smartphone­s grundsätzl­ich eine Ladebuchse haben müssen. Einige Anbieter präsentier­ten bereits Modelle, die allein kabellos aufgeladen werden und auf Ladebuchse­n verzichten.

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FOTO: JENS BÜTTNER/DPA Noch herrscht Wildwuchs: Einheitlic­he Ladekabel könnten den Schrott verringern.

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