Was darf ein Kreis­prä­si­dent auf Face­book?

Ste­fan Leyk teilt ei­ne rei­ße­ri­sche Ge­schich­te ei­nes Bou­le­vard­blatts zum The­ma Flücht­lin­ge – SPD ruft zur Mä­ßi­gung auf

Kieler Nachrichten - - KIELER UMLAND - VON HANS-JÜR­GEN SCHEKAHN

PLÖN. Ei­ne Ver­öf­fent­li­chung im pri­va­ten Face­book-Ac­count des Kreis­prä­si­den­ten Ste­fan Leyk (CDU) sorgt für Dis­kus­sio­nen in der Kreis­po­li­tik. „Vi­rus, Ter­ror: War­um der neue Asyl-Sturm so ge­fähr­lich ist“ist der Text der ös­ter­rei­chi­schen Zei­tungs­web­site oe24 über­schrie­ben.

Das Por­tal gibt als Qu­el­le an­onym ei­nen deut­schen Nach­rich­ten­dienst­ex­per­ten an. Der warnt in dras­ti­schen Wor­ten vor Ter­ror und Co­ro­na­Ge­fahr durch die an der grie­chi­schen Gren­ze fest­sit­zen­den Flücht­lin­ge. Er spricht von ei­ner „ex­trem stei­gen­den In­fek­ti­ons­ge­fahr“und ei­ner „Be­dro­hung durch neu­en is­la­mis­ti­schen Ter­ror“. Da­zu ge­stellt ist ei­ne Fo­to­mon­ta­ge, die Ge­walt und ver­ängs­tig­te Men­schen zeigt.

Ste­fan Leyk er­gänz­te den von ihm ge­teil­ten Text: „Die EU-Gren­zen, not­falls auch die deut­schen, müs­sen dicht ge­macht wer­den. 2015 darf sich nicht wie­der­ho­len.“

Dass ein Kreis­prä­si­dent ei­nen sol­chen Bei­trag, auch wenn es sein pri­va­ter Auf­tritt ist, mit ei­ner Ver­öf­fent­li­chung för­dert, stieß bei SPD und Grü­nen auf Ab­leh­nung. Die SPDK­reis­tags­frak­ti­on und der Kreis­vor­stand dis­tan­zier­ten sich von Ste­fan Leyk. „Das ist Po­pu­lis­mus und schürt Angst und Vor­ur­tei­le“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Per­sön­li­che Aus­sa­gen sei­en das ei­ne. Als Kreis­prä­si­dent spre­che er aber für al­le Frak­tio­nen im

Kreis­tag. Ge­fragt sei­en po­li­ti­sche Zu­rück­hal­tung und Mä­ßi­gung.

Leyk wehrt sich ge­gen die Kri­tik: „Freie Mei­nungs­äu­ße­run­gen sind durch das Grund­ge­setz ge­schützt und gel­ten auch für Ste­fan Leyk und sei­nen pri­va­ten Face­book-Ac­count.“Als Kommentar auf sei­ner Face­book-Sei­te ist zu le­sen: „Mein Amt ver­pflich­tet mich, auch un­an­ge­neh­me Din­ge und Pro­ble­me an­zu­spre­chen. Das ist kei­ne Pa­nik­ma­che.“Er se­he sich in gu­ter Ge­sell­schaft mit der ak­tu­el­len EU-Po­li­tik. An an­de­rer Stel­le wen­det er sich ge­gen ei­ne Auf­nah­me von Flücht­lin­gen: „Hu­ma­ni­tät heißt nicht, dass je­der kom­men kann und Grenz­ver­let­zun­gen be­ge­hen darf.“

An­de­re Kreis­tags­mit­glie­der misch­ten sich in die Dis­kus­si­on im In­ter­net ein. Den­nis Mihlan von den Grü­nen schrieb da­zu: „Ich fin­de es er­staun­lich, was auf Dei­ner Sei­te so für Theo­ri­en her­um­geis­tern und dass Tei­le da­von schein­bar auch in Dei­nem Kopf, ob nun als KP oder Pri­vat­mensch, fest ver­an­kert sind.“Das ha­be nicht mit Mei­nungs­frei­heit zu tun, son­dern sei Het­ze.

Auch aus den Rei­hen der CDU kommt Kri­tik. Der Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­te Björn Rü­ter: „Herr Leyk soll­te sich mal Ge­dan­ken ma­chen, ob er in sei­ner Funk­ti­on so et­was pos­ten soll­te.“Un­ter­stüt­zung für sei­nen Post er­hält Leyk vom UWG-Ab­ge­ord­ne­ten Rü­di­ger Esch­mann.

Leyk und die Spit­zen der SPD ha­ben nun ein Ge­spräch ver­ein­bart, um über die Ver­öf­fent­li­chung und die Amts­füh­rung als Kreis­prä­si­dent zu spre­chen.

Der Ar­ti­kel steht nicht al­lein. Leyk pos­tet seit 2015 im­mer wie­der Tex­te, die sich kri­tisch mit den The­men Flücht­lin­ge und Is­lam aus­ein­an­der­set­zen.

FOTO: WILHELMY

Kreis­prä­si­dent Leyk: „Mei­nungs­frei­heit auf mei­nem pri­va­ten Ac­count“.

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