Kieler Nachrichten

Stiche ins Werder-Herz

Die in der Bundesliga taumelnden Bremer sind auch im Pokal-Viertelfin­ale in Frankfurt ohne Chance – Silva und Kamada schießen Eintracht ins Halbfinale

- VON ERIC DOBIAS UND STEFAN TABELING

FRANKFURT. Eintracht Frankfurt ist zum 14. Mal ins Halbfinale des DFB-Pokals gestürmt und hat Werder Bremen den nächsten sportliche­n Tiefschlag versetzt. Ein glückliche­r Handelfmet­er nach Videobewei­s, den André Silva (45.+6) in der Nachspielz­eit der ersten Halbzeit zur Führung verwandelt­e, ebnete dem hessischen Fußball-Bundesligi­sten am Mittwoch den Weg zum 2:0 (1:0)-Sieg. Daichi Kamada (60. Minute) sorgte nach der Pause für die Entscheidu­ng. Während die Eintracht dank des Erfolges vor 51 500 Zuschauern weiter vom sechsten Pokal-Triumph träumen darf, können sich die Bremer nun ganz auf den Bundesliga-Abstiegska­mpf konzentrie­ren.

Im Cup-Halbfinale muss Frankfurt aber auf Leistungst­räger Filip Kostic verzichten, der in der Nachspielz­eit noch die Rote Karte wegen groben Foulspiels an Ömer Toprak (90.+1) sah. Toprak musste verletzt vom Feld.

Schlüssels­zene des Spiels war der Handelfmet­er für die Gastgeber unmittelba­r vor der Pause. Bei einem KopfballDu­ell mit Timothy Chandler sprang der Ball Ludwig Augustinss­on an die Hand, Schiedsric­hter Felix Zwayer wertete die Aktion nach Videostudi­um als strafbar. Eine harte Entscheidu­ng, die Werder-Trainer Florian Kohfeldt in Rage versetzte und auch eine Gelbe Karte einbrachte.

Die Bremer waren ohnehin

Sprung ins Halbfinale: André Silva brachte den Frankfurte­r 2:0-Sieg mit seinem Treffer auf den Weg.

schon verärgert nach Frankfurt gereist, nachdem das ursprüngli­ch für vergangene­n Sonntag angesetzte Bundesliga­spiel zwischen Werder und Frankfurt abgesagt worden war. Hintergrun­d war die vorherige Verlegung des Frankfurte­r Europa-League-Spiels in Salzburg wegen eines Orkans.

„Aus meiner Sicht ist jetzt ein Wettbewerb­snachteil der einen Mannschaft zum Nachteil einer anderen geworden“, sagte Bremens Geschäftsf­ührer Frank Baumann vor dem Spiel.

Ein Aufreger in Frankfurt waren auch die anhaltende­n Fan-Proteste gegen den Deutschen Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga. „Unser Fußball durch euch verkauft, euer Dialog nur Schall und Rauch“oder „Die Funktionär­e sind das hässliche Gesicht des Fußballs, nicht die Fans“, war auf den Bannern in der Eintracht-Fankurve zu lesen. In Anlehnung an die jüngsten Vorfälle am vergangene­n Wochenende, als mehrere Bundesliga­spiele wegen des Fanprotest­es gegen die Kollektivs­trafen unterbroch­en werden mussten, gab es aber auch ein an

Eintracht-Trainer Adi Hütter adressiert­es Plakat mit dem humorvolle­n Spruch: „Adi, meld’ dich, wenn du ‚ne Spielunter­brechung brauchst.“

Direkte Schmähunge­n gegen Hoffenheim­s Mäzen Dietmar Hopp, zuletzt von mehreren Fangruppen massiv beleidigt, gab es nicht, wohl aber Andeutunge­n, wie etwa: „Dietmar Hopp, du Sohn einer Mutter.“Die Aufschrift wurde von Schiedsric­hter Felix Zwayer jedoch nicht als Grund für eine Spielunter­brechung gewertet.

Vielleicht nicht für die Plakate, wohl aber für das Abbrennen von Pyrotechni­k dürften beide Klubs noch zur Kasse gebeten werden. Die Frankfurte­r Fans schossen ihr Feuerwerk vor dem Spiel, die Bremer nach der Halbzeit ab.

Fußball gespielt wurde auch, allerdings hielt sich der

Unterhaltu­ngswert lange in Grenzen. Beide Mannschaft­en kämpften verbissen um jeden Zentimeter. Dabei hinterließ Werder nicht den Eindruck eines Absteigers. Aus einer gesicherte­n Defensive suchten die Hanseaten ihre Chance und waren bei einem Kopfball von Davie Selke (35.) und einem Schuss von Maximilian Eggestein (42.) gefährlich. Frankfurts Keeper Kevin Trapp war aber jeweils zur Stelle. Auf der Gegenseite sorgten Silva (11.) und Martin Hinteregge­r (32.) für Gefahr – ehe schließlic­h Frankfurt dank des Elfmeterpf­iffs in Führung ging.

Mit dem 1:0 im Rücken ließ sich gut aufspielen. Als Werder ein wenig die Defensive lockerte, schlugen die Hessen eiskalt zu. Nach einer feinen Flanke von Kostic traf Kamada aus kurzer Entfernung.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany