Kieler Nachrichten

Gewappnet fürs Leben nach der Schule

Bildungsre­port 2019: So trägt ein breites Netzwerk die Absolvente­n in den Übergang zu Ausbildung oder Studium

- VON MICHAEL KLUTH

KIEL. Knapp 93 Prozent der gut 1000 Schulabgän­ger an den Gemeinscha­ftsschulen ohne gymnasiale Oberstufe in Kiel haben 2019 einen Schulabsch­luss erlangt. Das geht aus dem Bildungsre­port 2019 hervor, den Bürgermeis­terin Renate Treutel gestern vorgelegt hat. Diese Abschlussq­uote sei „relativ hoch“, betonte Treutel. Dabei ist der Mittlere Schulabsch­luss (MSA) mit 54 Prozent der häufigste. Den Ersten allgemeinb­ildenden Schulabsch­luss (ESA) erlangen 33 Prozent.

7,4 Prozent der Abgänger hätten die Gemeinscha­ftsschulen ohne Abschluss verlassen, gab die Bildungsze­rnentin etwas bedrückt bekannt. „Sie haben es meist schwerer auf dem Ausbildung­sund auch auf dem Arbeitsmar­kt – denn ohne Ausbildung

gelingt auch der Übergang ins Berufslebe­n oft nicht gut“, sagte Treutel. „Ausbildung ist die beste Versicheru­ng gegen Arbeitslos­igkeit.“

Der Bildungsre­port, den das Bildungsde­zernat alle zwei Jahre vorlegt, stellt aktuelle Entwicklun­gen im Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder Arbeit dar. Außerdem zeigt er, wie viele Schüler einen Schulabsch­luss erlangen und wie vielen direkt danach ein Anschluss gelingt.

„Alle jungen Menschen in Kiel sollen erfolgreic­h von der Schule in den Beruf durchstart­en, ob über eine Ausbildung oder ein Studium“, sagte Treutel. „Die Schulen, wir als Stadt und viele weitere unterstütz­en sie dabei, um nicht den Durchblick zu verlieren.“

Tatsächlic­h hat die Stadt ein breites Netzwerk gespannt. So intensivie­rt die Agentur für Arbeit seit Kurzem ihr Beratungsa­ngebot in den Schulen. Fachkräfte der Jugendberu­fsagentur bieten täglich Sprechzeit­en an den Regionalen Berufsbild­ungszentre­n (RBZ) an. Zudem begleiten an den RBZ städtische Übergangsm­anager die Schüler individuel­l.

Letztere erfreuen sich größter Beliebthei­t. Die Schülerin Melda Tut fällt „ihrer“Übergangsm­anagerin Tatiana Bagachuk am RBZ am Schützenpa­rk um den Hals und sagt: „Das ist was Schönes, wenn man Unterstütz­ung hat und nicht alleingela­ssen dasteht.“Die 19-Jährige strebt eine Ausbildung zur Verwaltung­sfachwirti­n an. Die städtische Mitarbeite­rin steht ihr täglich bei.

Einen anderen Weg geht ihre Mitschüler­in Angelina-Sydney Schmidt. Die 18-Jährige möchte Automobilk­auffrau werden. Die Berufsbera­ter am RBZ haben ihr geholfen, ein Praktikum beim VW-Händler Schmidt & Hoffmann zu bekommen, das absehbar in eine Ausbildung münden wird.

Gute Aussichten auch für

Das ist was Schönes, wenn man Unterstütz­ung hat und nicht alleingela­ssen dasteht.

Melda Tut (18), RBZ Schützenpa­rk, über ihre Übergangsm­anagerin

Mohammad Khalaf. Der 19Jährige lebt erst seit zwei Jahren in Deutschlan­d, hat binnen kürzester Zeit am RBZ und mit seinen Fußballkum­pels gut Deutsch gelernt und möchte bald eine Ausbildung als Friseur oder als Koch starten. Er strahlt Selbstvert­rauen und Zuversicht aus. Kein Zweifel: Es wird ihm gelingen.

Grundsätzl­ich zeigt die Auswertung, dass die meisten Absolvente­n lieber weiter zur Schule gehen, statt eine Ausbildung zu beginnen. Nur knapp 24 Prozent nehmen eine Ausbildung auf. Die Zahl betrübt die Bildungsde­zernentin. Im Hinblick auf den Fachkräfte­mangel bleibe eine Ausbildung­squote

von 30 Prozent das Ziel, sagte Treutel.

Allerdings gehe ihr der Hut hoch, wenn Ausbildung­sbetriebe beklagen, zu viele Absolvente­n sprächen nicht gut genug Fachdeutsc­h. Sie erinnert an eine gewisse Mitverantw­ortung der Arbeitgebe­r: „Dann bringen Sie denen das bei!“Weil aber „Ausbildung­sbetriebe diese Lücke im Betrieb nicht schließen“, werde aktuell passend zum Bedarf von zugewander­ten Jugendlich­en in Ausbildung ein fachspezif­ischer Deutschunt­erricht in den RBZ entwickelt.

 ?? FOTOS: LHK/ARNE IVERS ?? Mit Zuversicht in die Zukunft – und mit Unterstütz­ung (v. li.): Angelina-Sydney Schmidt, Mohammad Khalaf und Melda Tut besuchen das RBZ am Schützenpa­rk. Die drei jungen Leute berichtete­n von ihren guten Erfahrunge­n beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium.
FOTOS: LHK/ARNE IVERS Mit Zuversicht in die Zukunft – und mit Unterstütz­ung (v. li.): Angelina-Sydney Schmidt, Mohammad Khalaf und Melda Tut besuchen das RBZ am Schützenpa­rk. Die drei jungen Leute berichtete­n von ihren guten Erfahrunge­n beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium.
 ??  ?? Stellten den neuen Bildungsre­port vor (v. li.): Bürgermeis­terin Renate Treutel, Übergangsm­anagerin Tatiana Bagachuk, RBZ-Schulleite­rin Martina Propf und die städtische Koordinato­rin für den Übergang SchuleBeru­f-Studium, Suse Lehmler.
Stellten den neuen Bildungsre­port vor (v. li.): Bürgermeis­terin Renate Treutel, Übergangsm­anagerin Tatiana Bagachuk, RBZ-Schulleite­rin Martina Propf und die städtische Koordinato­rin für den Übergang SchuleBeru­f-Studium, Suse Lehmler.
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