Kieler Nachrichten

Mehr als 100 Haltestell­en in Kiel flimmern jetzt digital

Informatio­nen fließen in Echtzeit: Stadt hat 30 elektronis­che Anzeigetaf­eln nachgerüst­et – Stadt freut sich über doppelte Förderung

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ELMSCHENHA­GEN. „Das haben wir bisher schmerzlic­h vermisst.“Gesa Langfeldt, SPDRatsfra­u für Elmschenha­gen, freut sich darüber, dass nun auch die Bushaltest­ellen am Andreas-Hofer-Platz die Kundschaft der Kieler Verkehrsge­sellschaft (KVG) mit digitalen Anzeigetaf­eln auf dem Stand der Dinge halten. Und nicht nur dort: Zusätzlich zu den schon vorhandene­n 74 elektronis­chen Anzeigetaf­eln hat der für die Haltestell­en zuständige städtische Eigenbetri­eb Beteiligun­gen jetzt weitere 30 installier­en lassen.

Das System hat zwei große Vorteile: Wer sich an eine Haltestell­e begibt, sieht sofort, wann die nächsten Busse welches Ziel ansteuern. Und die Abfahrtzei­ten werden zudem in Echtzeit vermittelt. Alle 20 Sekunden, so erläutert KVGGeschäf­tsführer Andreas Schulz, senden die Fahrzeuge Funksignal­e ans Rechnerges­tützte Betriebsle­itsystem in der Zentrale, sodass die Infos einen Wimpernsch­lag später auch an den Haltestell­en ankommen.

Gerade bei „verkehrlic­hen Komplikati­onen“, so formuliert es Oberbürger­meister Ulf Kämpfer (SPD), könne dieses System richtig hilfreich sein. Angesichts der im April beginnende­n Umbauarbei­ten auf dem Theodor-Heuss-Ring sind nach Einschätzu­ng des Rathaus-Chefs weitreiche­nde Auswirkung­en auf den gesamten Stadtverke­hr zu erwarten und damit auch auf den öffentlich­en Nahverkehr. Obwohl sogar noch so ausgeklüge­lte Elektronik staubeding­te Verspätung­en kaum vermeiden kann, gehört es aus Kämpfers Sicht doch zum guten Service, die Fahrgäste wenigstens wissen zu lassen, woran sie sind.

Die ersten digitalen Anzeigen wurden in Kiel schon vor acht Jahren hauptsächl­ich an zentralen Haltestell­en installier­t. Dass es seither nicht gerade im Eiltempo voranging, liegt auch an den erklecklic­hen Kosten, die dieser Service verursacht. Allein die in den vergangene­n Wochen in Betrieb genommenen 30 Tafeln haben 678 000 Euro gekostet, betont Sabine Schirdewah­n, die Chefin des Eigenbetri­ebs Beteiligun­gen. Erschwingl­ich für die Stadt wurde es allerdings dank doppelter Förderung aus den Programmen „Saubere Luft“und „Digitalisi­erung kommunaler Verkehrssy­steme“. 339 000 Euro gab es an Landesmitt­eln vom Verbund Nah.SH sowie 271 000 Euro vom Bund. Damit blieben laut Kämpfer nur noch etwa zehn Prozent der Investitio­n an der Stadt hängen.

Bei etwa 700 Haltestell­en in Kiel gibt es indes trotz der jetzigen Nachrüstun­g noch Luft nach oben. Damit das Verhältnis von Aufwand und Nutzen einigermaß­en stimmt, soll der im Fachdeutsc­h Dynamische Fahr-gastinfo (DFI) genannte Service jedoch ohnehin nicht flächendec­kend eingeführt werden. Zumal über Apps wie Nah.SH oder Deutsche Bahn auch relativ bequem per Smartphone Echtzeit-Informatio­nen zu den Bussen abgerufen werden können, wie KVGChef Schulz betont. Fest ins Visier will die Stadt laut Kämpfer dagegen das Ziel nehmen, alles rund ums Kaufen, Bezahlen und Kontrollie­ren von Tickets auf die digitale Schiene zu bringen.

 ?? FOTO: MARTIN GEIST ?? Sabine Schirdewah­n vom Eigenbetri­eb Beteiligun­gen, Andreas Schulz (KVG) und OB Ulf Kämpfer (v.li.) enthüllten am AndreasHof­er-Platz symbolisch eine von 30 neuen digitalisi­erten Haltestell­en.
FOTO: MARTIN GEIST Sabine Schirdewah­n vom Eigenbetri­eb Beteiligun­gen, Andreas Schulz (KVG) und OB Ulf Kämpfer (v.li.) enthüllten am AndreasHof­er-Platz symbolisch eine von 30 neuen digitalisi­erten Haltestell­en.

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