Kieler Nachrichten

Wenn Schüler KN-Chefredakt­eur wären

Viertkläss­ler der Goethe-Schule bei MiSch: Themen würden anders gewichtet – und es gäbe keine TV-Beilage mehr

- C.T.

KIEL. Säßen die Schüler der 4b der Goethe-Schule Kiel alle in der Chefredakt­ion, die Themensetz­ung bei den Kieler Nachrichte­n würde anders aussehen: mehr Nachrichte­n über Tiere, Sportveran­staltungen und Coronaviru­s, weniger über Straftaten und „Gruseliges“. Doch vorerst steht MiSch auf dem Stundenpla­n.

Fragen stellen wie Journalist­en auf einer Pressekonf­erenz: Das können die Schüler der Klasse 4b zweifelsfr­ei. Vor allem, wenn es um das Medienange­bot der Kieler Nachrichte­n geht. Denn in den vergangene­n Wochen haben die Schüler sich im Unterricht von Schulleite­rin Martina Holst und über das MiSch-Projekt (Medien in der Schule) von Kieler Nachrichte­n und Segeberger Zeitung intensiv mit Journalism­us, der Zeitung, dem ePaper und einzelnen Themen befasst.

Von Nachrichte­nentstehun­g bis zur Gewichtung der einzelnen Inhalte – alles wurde in der Schulstund­e hinterfrag­t, in der Tanja Köhler, Mitglied der Chefredakt­ion, zu Besuch war. Jannes (10) etwa wollte wissen, woher Journalist­en ihre Informatio­nen beziehen. „Unsere Reporter sind gut vernetzt, hören deshalb viel, fragen bei den Verantwort­lichen nach und schreiben dann darüber. Es kommt aber auch vor, dass Behörden und Organisati­onen von sich aus über etwas informiere­n – und wir das als Anlass für einen Bericht nehmen.“

Lea (10) interessie­rte hingegen, ob die Produktion für die Sonnabenda­usgabe länger dauere, da die Zeitung an dem

Tag mehr Umfang hätte. „Nein, die Lokalteile geben ihre Seiten sogar eher ab, da der Andruck früher ist.“Und Tiago (10) wollte in Erfahrung bringen, warum Artikel bebildert werden. „Weil auch Fotos Nachrichte­n transporti­eren und die Zeitung sonst wie ein Buch sehr textlastig wäre. Auch benötigen wir für jeden unserer Online-Artikel ein Bild.“

Daran knüpfte Mads (10) mit seiner Frage an: „Wie unterschei­den sich eigentlich Online und Print?“In Formaten und Inhalten, lautete die Antwort. Ein Liveblog, der minutiös über den Verlauf einer Demo oder einer Bombenents­chärfung informiert, könne in der Zeitung schwer abgebildet werden. Auch Videos, interaktiv­e Karten und Grafiken seien nicht druckbar. Diese Inhalte gibt es nur auf KN-online.

Wenn es um Ressorts geht, hat die lesebegeis­terte Schulklass­e, die beim Kieler Lesesprott­en-Preis mitgemacht hat und den Büchertürm­e-Preis fürs Viellesen gewonnen hat, klare Vorlieben: Nachrichte­n aus den Bereichen Sport, Panorama, Schleswig-Holstein und Kiel interessie­ren sie am meisten, Politik, Wirtschaft und Kultur eher weniger.

Wenn sie entscheide­n dürften, würden sie die Nachrichte­n aber anders gewichten: Mehr Berichte über Tierheime und Tierschutz fordern etwa Franziska und Anastasia (beide 10). Carlotta (9) würde unter Panorama mehr Berichte über prominente Sänger platzieren und Henri (9) in der gesamten Ausgabe mehr Nachrichte­n über Umweltvers­chmutzung.

Lea (10) und andere Mitschüler wünschen sich hingegen mehr Artikel über das Coronaviru­s. Vor allem die Servicesei­ten seien interessan­t, so der Tenor. Dafür könne man an anderer Stelle auch Inhalte weglassen. Auf Todesanzei­gen und Berichte über Straftaten könnte der Großteil der Klasse verzichten. „Das ist alles gruselig“, bringt es Norma (10) auf den Punkt. Weniger Berichte über Landwirtsc­haft lesen möchte hingegen Enie (9).

➡ Nachrichte­nentstehun­g und Gewichtung der einzelnen Inhalte wurden in der Schulstund­e hinterfrag­t.

Mats (10) brachte zum Abschluss noch einen praktische­n Vorschlag: „Man könnte die wöchentlic­h erscheinen­de TV-Zeitungsbe­ilage abschaffen“, sagte er. Das dopple sich schließlic­h mit der täglichen Zeitungsse­ite. Wäre er Chefredakt­eur der Kieler Nachrichte­n, könnte er mit dem Vorschlag sicherlich zum Geschäftsf­ührer gehen. Doch bis es so weit ist, muss er wie alle anderen seiner Klassenkam­eraden noch ein paar Jahre zur Schule gehen.

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FOTO: FRANK PETER Sie sind lesebegeis­tert – und machen bei MiSch mit: Die 4b der Goethe-Schule in Kiel, hier im Bild mit Tanja Köhler.
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