Kieler Nachrichten

Überleben in Zeiten der Bomben

- VON ERNST CORINTH

Dieser Film, der in diesem Jahr als bester Dokumentar­film für den Oscar nominiert war, lässt Zuschauer erschütter­t zurück. Der Betrachter ist am Ende zornig über das, was Menschen anderen Menschen antun.

Gedreht hat „Für Sama“eine junge Syrerin unter dem Pseudonym Waad al-Kateab – anfangs mehr zufällig, als sie 2011 an der Universitä­t Aleppo ein Wirt schafts wissen schafts studium begann und der Arabische Frühling auch Syrien erreichte. Sie schloss sich den Protesten gegen das Ass ad-Regime an und begann die Ereignisse inder Stadt als Bürger journalist­in filmisch zu dokumentie­ren. Erst mit dem Smartphone, später mit einer Videokamer­a.

Sind die frühen Bilder noch voller Hoffnung auf eine bessere Zeit, wird im Lauf des Bürgerkrie­gs ihr Leben und das ihrer Freunde zur Hölle. Eine Hölle, die sie in einem der letzten funktionie­renden Krankenhäu­ser der Stadt hautnah erlebt. Dort hilft sie bei der Versorgung der Opfer des Bombenterr­ors. Und trotz der mit Worten nicht zu beschreibe­n

den Umstände ihres Lebens bekommt sie eine Tochter, Sama, der dieser Film gewidmet ist.

Den apokalypti­schen Schrecken kommentier­t al-Kateab mit ruhiger Stimme. Es sind vor allem die Bilder von schwerverl­etzten oder toten Kindern, die betroffen machen. Doch gibt es zwischendu­rch immer wieder Bilder, die von (Über-)Lebensfreu­de berichten. Ende 2016 wurde die Filmemache­rin, die begonnen hat auch für britische TV-Sender zu drehen, dann mit ihrer Familie aus Aleppo evakuiert. Heute lebt sie im Exil in London und arbeitet als Journalist­in.

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FOTO: FILMPERLEN Bilder aus der Bombenhöll­e: Regisseuri­n Waad al-Kateab mit Sama in Aleppo.

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