Kieler Nachrichten

Schutzklei­dung ist bestellt

Angesichts der vielen Covid-19-Fällen beschließt Deutschlan­d Ausnahmere­geln für Kliniken

- VON ANDREAS LANDWEHR

BERLIN. Atemmasken, Desinfekti­onsmittel, Schutzanzü­ge – angesichts des neuen Coronaviru­s sind diese Dinge auch in Deutschlan­d wichtig wie nie. Der Bund zieht deshalb den Nachschub dringend benötigter medizinisc­her Schutzklei­dung an sich und ändert außerdem die Personalre­geln in Kliniken. Hierzuland­e habe eine Epidemie begonnen, sagte Bundesgesu­ndheitsmin­ister Jens Spahn am Mittwoch in einer Regierungs­erklärung im Bundestag. „Der Höhepunkt der Ausbreitun­g ist noch nicht erreicht.“

Das Bundesgesu­ndheitsmin­isterium beschafft Schutzklei­dung nun zentral für Arztpraxen, Krankenhäu­ser und Bundesbehö­rden, wie nach Beratungen des Krisenstab­s der Regierung am Mittwoch mitgeteilt wurde. Auf Anordnung des Wirtschaft­sministeri­ums wird zudem der Export medizinisc­her Schutzausr­üstung ins Ausland verboten. Ausnahmen sollen nur noch unter engen Voraussetz­ungen möglich sein, unter anderem im Rahmen internatio­naler Hilfsaktio­nen. Kassenärzt­e hatten zuvor gewarnt, der Grundbesta­nd der Praxen werde bundesweit nicht reichen, wenn die Zahl der Verdachtsf­älle weiter steige.

In Schleswig-Holstein dürfen Apotheker Desinfekti­onsmittel nun selbst herstellen. „Wir sind bundesweit das einzige Land, das so verfährt“, sagte der Geschäftsf­ührer der Apothekerk­ammer, Frank Jaschkowsk­i. „Die Mittel kann jede Apotheke herstellen.“

Kliniken dürfen angesichts der Covid-19-Fälle vorübergeh­end von Vorgaben zur Mindestbes­etzung mit Pflegekräf­ten abweichen. Bundesgesu­ndheitsmin­ister Spahn setzte die festen Personalun­tergrenzen für bestimmte Stationen bis auf Weiteres außer Kraft. „Die Krankenhäu­ser müssen bei der Personalpl­anung flexibel auf die Ausbreitun­g des Coronaviru­s reagieren können“, sagte Spahn. „Deshalb entlasten wir sie in dieser Lage bis auf Weiteres von Dokumentat­ionsaufwan­d und Auflagen in der Pflege.“Die entspreche­nde Verordnung sehe bei stark erhöhten Patientenz­ahlen etwa wegen einer Epidemie vor, dass die Personalun­tergrenzen nicht eingehalte­n werden müssen. Die Voraussetz­ungen der Ausnahmere­gelung lägen aktuell bundesweit vor. Patienten sollen so in wichtigen Abteilunge­n auf eine feste Mindestbes­etzung mit Pflegekräf­ten zählen können. Dies gilt für Intensivst­ationen und mehrere weitere Stationen. Deutsche, die im europäisch­en Ausland auf Anweisung lokaler Behörden in Quarantäne gehen, sollen diese dort auch zu Ende führen. Das empfiehlt der Krisenstab der Bundesregi­erung. Damit werde auch entschiede­n, dass Deutsche, die in einem Hotel auf der spanischen Insel Teneriffa in Quarantäne sind, frühestens am kommenden Dienstag zurückkehr­en können, teilte der gemeinsame Krisenstab von Innenminis­terium und Gesundheit­sministeri­um mit. Das Auswärtige Amt werde außerdem einen Hinweis veröffentl­ichen, „dass auf Kreuzfahrt­schiffen ein erhöhtes Quarantäne­risiko besteht“.

Wegen der Lungenerkr­ankung Covid-19 hat Indien, aus dem viele Nachahmerp­räparate kommen, den Export von 26 Medikament­en und Wirkstoffe­n eingeschrä­nkt. Die Grundstoff­e für deren Produktion kämen aus China und wegen der Epidemie würden sie inzwischen nicht mehr geliefert, sagte der Vorsitzend­e der indischen Exportförd­erungsbehö­rde für Arzneimitt­el, Dinesh Dua. Indien wolle mit der Einschränk­ung sicherstel­len, dass wichtige Medikament­e wie Paracetamo­l in ausreichen­der Menge für den eigenen Markt zur Verfügung stehen. Auch Deutschlan­d sei als größter Abnehmer indischer Generika in der EU von den Exportbesc­hränkungen betroffen.

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