Spahn will Co­ro­na-Tests in Hei­men aus­wei­ten

Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter plant, deut­lich mehr Men­schen auf das Vi­rus zu tes­ten. Doch wer soll das be­zah­len?

Kieler Nachrichten - - HINTERGRUN­D - VON MAR­TI­NA HER­ZOG

BER­LIN. Künf­tig sol­len mehr Pa­ti­en­ten und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen vor­beu­gend auf das Co­ro­na­vi­rus ge­tes­tet wer­den. Noch im Mai wol­le er die not­wen­di­ge Ver­ord­nung vor­le­gen, die prä­ven­ti­ve Rei­hen­tests in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men er­mög­licht, sag­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) der Ta­ges­zei­tung „Die Welt“(Frei­tag). „Wenn Pa­ti­en­ten und Be­woh­ner auf­ge­nom­men oder ver­legt wer­den, soll­ten Sars-CoV19-Tests die Re­gel sein.“Im Fal­le ei­ner In­fek­ti­on in der Ein­rich­tung soll zu­dem beim ge­sam­ten Per­so­nal so­wie bei al­len Be­woh­nern und Pa­ti­en­ten vor­sorg­lich ein Ab­strich ge­macht wer­den. Auch sym­ptom­lo­se Kon­takt­per­so­nen von In­fi­zier­ten sol­len erst­mals An­spruch auf ei­nen Test ha­ben.

Bun­des­tag und Bun­des­rat hat­ten die Aus­wei­tung der Tests in der ver­gan­ge­nen Wo­che be­schlos­sen und Spahn er­mäch­tigt, ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung vor­zu­le­gen. Spahn sag­te der „Welt“, in der ver­gan­ge­nen Wo­che sei­en deutsch­land­weit 425 000 Tests ge­macht wor­den. „Aber die Test­ka­pa­zi­tät ist mehr als dop­pelt so groß“, er­läu­ter­te er. Mit der Ver­ord­nung will Spahn Kri­te­ri­en de­fi­nie­ren, bei de­nen die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen zu ei­ner Über­nah­me der Kos­ten ver­pflich­tet sind.

Die Kran­ken­kas­sen sträu­ben sich al­ler­dings ge­gen ei­ne kom­plet­te Über­nah­me der Kos­ten für die ge­plan­te Aus­wei­tung der Co­ro­na­vi­rus-Tests. „Im Rah­men der Pan­de­mie­be­kämp­fung die Tests aus­zu­wei­ten er­scheint auf je­den Fall sinn­voll“, sag­te der Spre­cher des Spit­zen­ver­ban­des der Ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen (GKV) am Frei­tag. Als staat­li­che Auf­ga­be müss­ten Tests in die­sem Rah­men al­ler­dings auch vom Staat fi­nan­ziert wer­den. Das for­der­te auch die Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di.

„Wir sind ge­setz­lich ver­pflich­tet, in vie­len Fäl­len die Rei­hen­tests zu­nächst zu fi­nan­zie­ren“, er­klär­te der GKV-Spre­cher. Wie hoch die Ge­samt­kos­ten wür­den, hän­ge da­von ab, wie de­ren Zahl sich ent­wick­le. „Bei 59 Eu­ro Kos­ten pro Test liegt es auf der Hand, dass wir am En­de ver­mut­lich von ei­ner ge­wal­ti­gen Sum­me re­den wer­den“, sag­te er. „Selbst­ver­ständ­lich wer­den wir bei den Fi­nanz­be­ra­tun­gen im

Herbst dar­auf drin­gen, dass die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung die­se Kos­ten aus dem

Bun­des­haus­halt er­stat­tet be­kommt.“Ver­di sieht das ähn­lich. „Die Kos­ten­über­nah­me darf nicht den ge­setz­lich Ver­si­cher­ten auf­ge­bür­det wer­den“, sag­te ein Spre­cher am Frei­tag. „Die Vor­beu­gung über­trag­ba­rer Krank­hei­ten und die Ver­hin­de­rung der Wei­ter­ver­brei­tung von In­fek­tio­nen sind ori­gi­nä­re Auf­ga­be des Staa­tes. Des­halb sind sol­che Te­s­tun­gen als ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen durch Steu­er­mit­tel zu fi­nan­zie­ren.“

Be­rich­te über Ver­zö­ge­run­gen bei der Aus­lie­fe­rung von Schutz­aus­rüs­tung wies das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um der­weil zu­rück. Falls Ärz­te über Aus­rüs­tungs­män­gel klag­ten, lie­ge das nicht an feh­len­den Lie­fe­run­gen des Mi­nis­te­ri­ums, teil­te ein Spre­cher mit. Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gun­gen und Län­der sei­en durch das Mi­nis­te­ri­um bis­lang mit et­wa 400 Mil­lio­nen Mas­ken ver­sorgt wor­den. „Ei­ni­ge ha­ben des­halb be­reits dar­um ge­be­ten, die Mas­ken­lie­fe­run­gen zu stop­pen.“Für die Aus­lie­fe­rung an Pra­xen und Kran­ken­häu­ser sei­en Län­der und Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gun­gen

ver­ant­wort­lich.

Will mehr prä­ven­ti­ve Tests er­mög­li­chen: Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU).

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