Kieler Nachrichten

Günther verspricht: Nord-CDU wird Laschet unterstütz­en

Auch in Schleswig-Holstein gab es unter den Christdemo­kraten Zustimmung für Söder – SPD-Chefin kritisiert „egoistisch­en Machtkampf“

- VON CHRISTIAN HIERSEMENZ­EL .....................................................................................

KIEL. Im Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder waren auch in der Nord-CDU längst nicht alle Christdemo­kraten einer Meinung. Ministerpr­äsident und Landeschef Daniel Günther gehörte zu denen, die sich mehrfach für Laschet als Kanzlerkan­didat ausgesproc­hen hatten. Entspreche­nd zufrieden war er gestern. Er sprach nach der sechsstünd­igen Debatte im CDU-Bundespräs­idium am Vorabend von einem eindeutige­n Votum für Laschet. CDU und CSU könnten es schaffen, zur Bundestags­wahl gemeinsam stärkste Kraft zu werden „und Angela Merkels erfolgreic­he Kanzlersch­aft mit Armin Laschet fortzusetz­en“, sagte Günther. Die Nord-CDU werde Laschet in großer Geschlosse­nheit unterstütz­en.

Ob für die Union Umfragewer­te und Beliebthei­tswerte gar keine Rolle mehr spielten? „Natürlich spielt das auch für uns wie für alle Parteien eine hohe Rolle“, antwortete Günther. „Natürlich spielen persönlich­e Ausstrahlu­ng, aber auch persönlich­e Integrität, Vertrauen, Sympathiew­erte auf alle Fälle eine Rolle. Das haben wir abgewogen.“Gerade beim Thema Verlässlic­hkeit und ob eine Person ganz

Deutschlan­d und Europa im Blick behält, habe „Armin Laschet über viele Jahre in Verantwort­ung gezeigt, dass er diesen Blick über den Tellerrand hat. Er brennt für Europa, und das muss ein deutscher Kanzler auch, weil er eine unglaublic­h wichtige Funktion in Europa ausübt.“

In der Jungen Union Schleswig-Holstein hatten zuletzt viele Funktionär­e ihre Sorge bekundet, dass Laschet im Wahlkampf der Rückhalt an der Basis fehlen könnte. Günther konstatier­te, dass vor einer solch wichtigen Personalen­tscheidung jeder das Recht habe, seine Einschätzu­ng abzugeben. Er sei selbst lange in der Jungen Union gewesen und habe sich nicht gescheut, auch unbequeme Ansichten zu artikulier­en. „Wenn es dann mit dem Wahlkampf losging, war ich immer davon überzeugt, dass es richtig ist, für den demokratis­ch gewählten Spitzenkan­didaten Wahlkampf zu machen. Ich habe hohes Vertrauen, dass sich die Junge Union so sehr nicht verändert hat.“

Schleswig-Holsteins SPDChefin Serpil Midyatli sprach dagegen von einem „egoistisch­en Machtkampf“, mit dem CDU und CSU Deutschlan­d geschadet hätten. „Söder und Laschet haben als Ministerpr­äsidenten mit Blick auf die Corona-Zahlen in ihren Bundesländ­ern genug zu tun. Das hat sie nicht von parteiinte­rnen Ränkespiel­en abgehalten“, kritisiert­e Midyatli. „Damit haben beide ihre Untauglich­keit als Kanzler bewiesen.“

Gratulatio­nen kamen dagegen von den Nord-Grünen. Wofür die Union allerdings inhaltlich stehe, bleibe weiterhin offen. „Ich freue mich auf die argumentat­ive Auseinande­rsetzung mit der Union und eine grüne Kanzlerin“, sagte Landeschef­in Ann-Kathrin Tranziska mit Blick auf die am Montag nominierte Kanzlerkan­didatin Annalena Baerbock. „Jetzt ist endlich wieder Zeit für inhaltlich­e Debatten.“

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