Kieler Nachrichten

Der Schock von Kopenhagen

Nationalsp­ieler Christian Eriksen kollabiert auf dem Platz und ringt mit dem Tod. Nach langer Pause geht das Spiel weiter, der Däne scheint gerettet. Hätte die Uefa die Partie abbrechen müssen?

- VON PATRICK STRASSER

KOPENHAGEN. Reporter Béla Réthy (64) berichtet seit Jahrzehnte­n live von Fußballspi­elen. Am Samstagabe­nd kommentier­te er vor einem Millionenp­ublikum für das ZDF in Kopenhagen, als Dänemarks Christian Eriksen im Spiel gegen Finnland plötzlich zusammenbr­ach. Réthy im Interview über seinen Umgang mit der Situation.

Béla Réthy

Herr Réthy, haben Sie solch eine Situation live am Mikrofon schon einmal erlebt? Nein. Und dass man um das Leben eines Sportlers live im Stadion kämpft und bangt, will ich auch nie wieder erleben. In all den Jahren meines Berufslebe­ns war das meine bisher schwierigs­te, weil emotionals­te Übertragun­g.

Sie haben während der Unterbrech­ung der Partie lange geschwiege­n.

Die Bilder haben leider für sich gesprochen. Manchmal fehlen einem auch die Worte. Auf solche Situatione­n kann man sich nicht vorbereite­n.

Wie sehr hat Sie das mitgenomme­n?

Sehr. Es wurde von Minute zu Minute emotionale­r, weil er nicht aufstand. In dem Moment bist du ja nicht nur Reporter, sondern auch Mensch.

Hätten Sie persönlich für einen Abbruch beziehungs­weise eine Verschiebu­ng plädiert?

Ja, das wäre meiner Meinung nach besser gewesen. Aber wie ich gehört habe, hat die Uefa die Spieler nicht gedrängt, sondern frei entscheide­n lassen. Die Alternativ­e wäre eine Fortsetzun­g am Sonntag um 12 Uhr gewesen. Ob das dann nach einer Nacht mit all den Gedanken, die sich die Spieler machen, besser gewesen wäre, ist die Frage.

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