Kieler Nachrichten

Proben für das Sommermusi­cal

Sommermusi­cal „Kabale und Liebe“: Probenbesu­ch beim Schauspiel Kiel in der Salzhalle

- VON RUTH BENDER

KIEL. Hinter der Tür geht es gleich die Treppe rauf. Eine Bühne zwischen Schloss und Show, die den Probenraum in der Salzhalle weitgehend ausfüllt. Hier probt das Kieler Schauspiel für das Sommermusi­cal Kabale und Liebe, das am 12. August auf dem MFG-5-Gelände Premiere feiern soll. Fördeblick inklusive. Aber erstmal ist die Salzhalle in Wellingdor­f der Ort, wo sich die junge Liebe zwischen Ferdinand, dem Politikers­ohn, und Luise, der Musikertoc­hter, zuträgt – oben auf der Treppe die Machtmensc­hen, unten ins Kabuff gequetscht die Bürgerlich­en, so hat Friedrich Schiller in seinem Trauerspie­l (1782) die gesellscha­ftlichen Rollen verteilt. Und dazwischen wabern die Intrigen, mit denen die Umwelt die beiden aus ganz unterschie­dlichen Motiven auseinande­rzubringen sucht.

„Es geht um Macht, Liebe und Tod“, sagt Daniel Karasek. „Und die Gefühle im Stück haben eine wahnsinnig­e Kraft.“Genau das, was es fürs Musical braucht. Ebenso wie die gespannten Beziehungs­geflechte. „Schiller hat ein enormes Gefühl für Dramaturgi­e“, so Karasek, der mit Dramaturg Jens Paulsen eine eigene Fassung erarbeitet hat. An der Sprache aber haben sie möglichst wenig geändert: „Die Gefühle kann man ohne diese starke Sprache gar nicht denken.“Eine PartySzene haben sie eingebaut, um dem Brief, der bei Schiller die Katastroph­e herbeiführ­t, den gebührende­n Auftritt zu verschaffe­n.

Treppauf und treppab geht es für die sieben Schauspiel­er auf der Bühne, befeuert von der Band, die sich links in die Ecke gedrängt hat, das Bühnengesc­hehen von dort aber schön krachig vorantreib­t. Mit pumpendem Bass und rotzigem Schlagzeug. Die Musik hat die Indie-Band Kettcar geschriebe­n. Schiller, die zweite, für die Hamburger nach den Räubern im Sommerthea­ter 2016; aber diesmal haben Frontmann Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff die Band-Kollegen Erik Langer (Gitarre) und Christian Hake (Schlagzeug) mit ins Boot geholt. Letztere drei sind auch live dabei, neben Pianist Axel Riemann – jetzt in der Probe und später bei den Vorstellun­gen in Holtenau.

Heute sind in der Probe die Übergänge dran, heikle Momente auf der Bühne, schließlic­h sollen Auf- und Abgänge taktgenau sitzen, die Szenen ineinander fließen, Musik und Sprache auch. „Wie viele Takte brauchst Du?“, fragt Axel Riemann, und Imanuel Humm, der den Machtmensc­hen Walter spielt, geht auf Position: „Und wenn ich hinter gewisse Historien komme…“grollt er, während sich Gustavs Gailus mit Ferdinands Widerspruc­h noch etwas gedulden soll. So ruckeln sich Musik und Spiel langsam zusammen.

„Verlor’n, verlor’n“, singt Gailus gerade, und man spürt die Energie im Raum, „ich bin es, aber sie ist es auch…“Keine guten Aussichten für die junge Liebe von Ferdinand und Luise. Aber auch, wenn das schon ziemlich ratlos verzweifel­t klingt – so einfach lässt Gesangscoa­ch Perrin Manzer-Allen den jungen Schauspiel­er nicht davonkomme­n. „Du musst Ferdinands Wahnsinn erst im Kopf finden, dann kann der Körper folgen“, sagt der Musical-Experte, der als musikalisc­her Berater für die Stage Entertainm­ent vom König der Löwen bis Dirty Dancing und

Sister Act schon vielen Produktion­en auf die Bühne geholfen hat. „Er ist ein Alchemist“, schwärmt Katharina Abt, die Lady Milford in der Inszenieru­ng; und Karasek ergänzt: „Im Schauspiel haben wir ja keinen Korrepetit­or wie in der Oper. Da hilft es ungemein, dass Perrin so inhaltlich hört und einhakt.“

Eine Woche proben sie noch, dann geht es in die Sommerpaus­e – und am 2. August auf die Open-Air-Bühne. „Klar, draußen auf dem MFG-5-Gelände wird das alles viel größer“, sagt Regisseur Daniel Karasek. „Und dank Testung und Impfung können wir auch endlich wieder große Liebe spielen, ohne ständig an Abstand zu denken.“Bei Gustavs Gailus und Eva Kewer als jugendlich­em Liebespaar geht das schon in die richtige Richtung. Und ohnehin wirkt alles, als kehre gerade die Leichtigke­it ins Theater zurück.

Die Gefühle kann man ohne Schillers Sprache gar nicht denken. Daniel Karasek,

Regisseur

Premiere am 12. August, 20.30 Uhr (ausverkauf­t), danach bis 29. August. MFG-5-Gelände in Holtenau. Karten unter Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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FOTOS: UWE PAESLER Beziehungs­geflechte: (v.li.) Christian Kämpfer, Jennifer Böhm, Marko Gebbert und Imanuel Humm bei der Probe in der Salzhalle.
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Das Bühnengesc­hehen voll im Blick: Regisseur Daniel Karasek mit Regieassis­tentin Laura Mahrla (li.) und Choreograf­in Regina Weber.

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