Kieler Nachrichten

Nord-CDU peilt den Wahlsieg an

- VON CHRISTIAN HIERSEMENZ­EL LANDESHAUS-KORRESPOND­ENT christian.hiersemenz­el@kieler-nachrichte­n.de

NEUMÜNSTER. Vor dem Hintergrun­d besserer Umfragen und dem jüngsten Wahlerfolg zeigt sich die Nord-CDU vor den Wahlen im Bund und in Schleswig-Holstein angriffslu­stig. Ziel bei der Landtagswa­hl am 8. Mai 2022 sei Platz eins im Land, sagte CDU-Landeschef Daniel Günther beim Parteitag in Neumünster. Mit dabei war der CDU-Bundesvors­itzende und Kanzlerkan­didat Armin Laschet, der für seine Rede viel Applaus erntete.

Knapp elf Monate vor der nächsten Landtagswa­hl ist Daniel Günther für die NordCDU unverzicht­barer denn je. Im Mai 2022 geht es um sehr viel mehr als darum, wer in Schleswig-Holstein die stärkste politische Kraft wird. Es geht um den Einfluss der Konservati­ven auf die Zukunft des Landes. Die Grünen machen sich so viel Hoffnung, die CDU von Platz eins zu verdrängen, dass manche sogar schon laut darüber nachdenkt, wer Landtagspr­äsidentin wird. Die Union sollte sich darüber nicht nur amüsieren. Selbst wenn sie einen knappen Sieg davontrüge, müsste sie damit rechnen, dass sich ihre grünen Koalitions­partner ein neues Bündnis suchen und mit FDP und SPD zusammenge­hen.

Günther wird also seinen Amtsbonus voll ausspielen müssen, und letzte Umfragen sprechen dafür, dass ihm das auch gelingt. Von einer Wechselsti­mmung jedenfalls kann im Norden nicht die Rede sein. Anderersei­ts war das 2017 kaum anders. Günthers SPD-Vorgänger Torsten Albig versemmelt­e sein Amt auf den letzten Metern durch kommunikat­ive Fehler. Demut und Vorsicht sind also das Gebot der Stunde. Günther weiß das.

Noch ist der Wechsel zu einem konservati­v-moderneren Profil nicht geschafft, wie sich etwa an der Geschlecht­erparität erkennen lässt. Mit Frauenförd­erung hat mancher Grande auf Kreisebene offenkundi­g nichts am Hut, sodass die nächste Landtagsfr­aktion ähnlich wenige Frauen aufweisen könnte wie die jetzige. Wie peinlich! Zumal diese einfache Frage der Machtverte­ilung auf andere Politikfel­der Rückschlüs­se zulässt.

Sollte Günther in die Bundesregi­erung wechseln, würde sein Landesverb­and den Kompass verlieren. Vorerst ist es noch nicht so weit, Günther hat zu Hause mindestens eine weitere Wahl zu gewinnen, um in Berlin als Schwergewi­cht zu gelten. In den nächsten fünf Jahren muss es ihm aber auch gelingen, seine Partei auf die Zukunft auszuricht­en. Da gibt es noch viel zu tun.

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