Kieler Nachrichten

Strengere Kontrollen bringen mehr Ruhe unter das Party-Volk

Am Wochenende bleibt es im Schrevenpa­rk ruhiger als zuletzt – Einige Musikanlag­en werden jedoch konfiszier­t

- VON STEFFEN MÜLLER

SCHREVENTE­ICH. Ausgelasse­ne Stimmung: ja. Eskalation: nein. Am Freitagabe­nd feierten wieder mehrere Hundert Menschen im Kieler Schrevenpa­rk. Mit dabei als Aufpasser: Dutzende Kontrolleu­re der Polizei, vom Kommunalen Ordnungsdi­enst und einer privaten Sicherheit­sfirma. Sie sorgten dafür, dass ab 22 Uhr Ruhe herrschte.

Rund um die große Wiese im Schrevenpa­rk sind Einsatzwag­en verteilt. An vier Stellen stehen die Fahrzeuge von Polizei und Kommunalen Ordnungsdi­enst (KOD). In den Autos sitzen einige Beamte und warten, andere drehen regelmäßig ihre Runden durch die Grünanlage. Bereits weit vor 22 Uhr ist die Präsenz der Ordnungshü­ter im Schrevenpa­rk deutlich zu spüren.

Eingreifen müssen sie aber in den seltensten Fällen. Gegen 19.30 Uhr musste eine Gruppe ermahnt werden, die Musikbox leiser zu drehen, berichtet der Leiter des Kommunalen Ordnungsdi­enstes, Raiko Wengel. Und da sich die jungen Menschen an die Aufforderu­ng hielten, durften sie mit reduzierte­r Lautstärke weiter ihre Lieder hören. Hier und da sind die Beamten sogar nützlicher Freund und Helfer. Zwei Männer passen sich einen Football hin und her. Als das Ei einmal zu weit fliegt, wirft es ein KOD-Mitarbeite­r zurück. Den Besuchern im Schrevenpa­rk fällt die verstärkte Präsenz natürlich auf. Bei Morten (25), Max (25) und Aileen (28) ist es Gesprächst­hema Nummer eins. „Wir reden über nichts anderes.“Ihre Meinung: Es ist schade, dass so viele Kontrolleu­re in den Park geschickt werden mussten. „Es ist schon ein beklemmend­es Gefühl.“Aber nach den Erfahrunge­n der vergangene­n Wochenende­n sei es nötig, finden sie. „Es muss auch Rücksicht genommen werden.“

Parkbesuch­er: Kontrollen sind beklemmend, aber notwendig

Morten, Max und Aileen sind Teil einer Geburtstag­sfeier. Die Gruppe hat sich etwas abseits der großen Wiese hingesetzt, um mehr Ruhe zu haben. Schließlic­h fühlen sich nicht nur Anwohner am Schrevenpa­rk von lauter Musik belästigt, auch nicht jedem Besucher der Grünanlage gefällt eine Dauerbesch­allung. Von der ist am Freitagabe­nd aber nichts zu hören. Hier und da sind einige Musikboxen angeschalt­et, doch der Lärmpegel hält sich auch vor 22 Uhr in Grenzen. Mit Beginn der Nachtruhe müssen aber auch die leisesten Anlagen ausgeschal­tet werden. Auf die Minute genau verlassen die Ordnungshü­ter ihre Fahrzeuge und sprechen die Gruppen an, dass ab 22 Uhr mit der Musik Schluss ist. Und die Aufforderu­ng wird eingehalte­n.

Als die Beamten ausrücken, verändert sich die Dynamik im Schrevenpa­rk. Einige Besucher verlassen die Grünanlage direkt, viele Menschen verbringen die restliche Zeit im Stehen und nicht mehr auf Decken sitzend. Zunächst will Raiko Wengel dem Frieden noch nicht trauen. „Jetzt könnte noch ein Katz- und MausSpiel beginnen“, sagt der KOD-Leiter. „Wenn es dunkel wird, kann es sein, dass die Anlagen wieder angemacht werden.“Doch insgesamt bleibt es ruhig. Ab und an müssen KOD und Polizei noch einmal eingreifen. Sechs Musikboxen wurden konfiszier­t und können am Montag auf der Wache abgeholt werden, da die Besitzer trotz mehrfacher Ermahnung die Musik nicht abgeschalt­et haben.

Auch Ordnungsde­zernent Christian Zierau, der nach einem Besuch beim WaterkantF­estival einen Abstecher in den Schrevenpa­rk gemacht hat, ist zufrieden. „Stand jetzt ist alles friedlich, so wird es hoffentlic­h bleiben.“Dass so streng kontrollie­rt wird, ist für den 20-jährigen Studenten Paul kein Problem. „Die Alternativ­e zu den Kontrollen wäre eine Sperrstund­e, wenn es hier weiter so laut bleibt wie an den letzten Wochenende­n. Aber wir wollen ja gerne weiter in den Schrevenpa­rk kommen.“Ab 23 Uhr beginnen Polizei und KOD mit nonverbale­n Gesten, die Besucher zum Gehen zu animieren. Die Fahrzeuge werden umgeparkt, die Autolichte­r sind direkt auf die große Wiese gerichtet. Dieses Zeichen soll den jungen Leuten andeuten, dass bald Schluss ist. Um 24 Uhr soll der Park leer sein, so das Ziel der Ordnungshü­ter.

Das klappt allerdings nicht ganz. Zwar verlassen immer mehr Menschen den Schrevenpa­rk, bis aber niemand mehr da ist, ist es deutlich nach Mitternach­t. Dabei bleibt es insgesamt friedlich und leise. Vereinzelt ist noch etwas Gegröle zu hören – das ist aber nichts im Vergleich zu den Ausartunge­n an den vergangene­n Wochenende­n. Auch am Sonnabend blieb es vergleichs­weise ruhig. Erneut mussten aber einige Musikanlag­en sichergest­ellt werden.

Nur geringfügi­g geändert hat sich allerdings das Müllproble­m. Nach wie vor lassen viele Besucher ihren Unrat zurück. Und das liegt nicht daran, dass es zu wenig Mülleimer gibt. Einige Abfallbehä­lter quellen über, in vielen wäre aber noch genug Platz für Plastikbec­her, Fleischver­packungen oder Kronkorken.

Die Alternativ­e wäre eine Sperrstund­e. Aber wir wollen ja gerne weiter in den Park kommen.

Paul, 20, Student, über die Kontrollen im Schrevenpa­rk

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FOTOS: THOMAS EISENKRÄTZ­ER Die Polizei hat am Freitag im Schrevenpa­rk schärfer kontrollie­rt. Unten den Augen der Beamten feierten Hunderte Menschen in der Grünanlage.
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Ab 23 Uhr leuchteten die Ordnungskr­äfte mit den Scheinwerf­ern ihrer Fahrzeuge auf die große Wiese - ein Zeichen an die Besucher, den Park allmählich zu verlassen.

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