Kieler Nachrichten

Der Liebreiz des Dänischen Wohlds

Der Dänische Wohld bietet Entspannun­g pur

- VON CORNELIA MÜLLER

GETTORF. Mal dem Trubel und der Fülle der Badeorte entfliehen: Dazu bietet der Dänische Wohld reichlich Gelegenhei­t. Der Landstrich zwischen Kieler Förde im Osten und Eckernförd­er Bucht im Norden wird auch im Süden von Wasser begrenzt, vom NordOstsee-Kanal nämlich. Gettorf ist ein idealer Ausgangspu­nkt für Rad- und Autotouren – und sogar mit den öffentlich­en Bussen des Kreises Rendsburg-Eckernförd­e.

Der Kreis RendsburgE­ckernförde hat sein ÖPNVKonzep­t seit Jahresbegi­nn runderneue­rt. So sind fast alle Orte von Gettorf aus im Taktverkeh­r erreichbar. Und: Gettorf selbst liegt auf der Regionalba­hnstrecke Kiel-Eckernförd­e genau in der Mitte. Im Halbstunde­ntakt verkehren die Triebwagen in beide Richtungen. Und sie nehmen auch Fahrräder mit.

Der Ausgangspu­nkt

Gettorf hat nicht nur einen flüchtigen Blick verdient. Auf

Schritt und Tritt findet man hier Erklärungs­tafeln, die die Geschichte der lebendigen Gemeinde mit knapp 8000 Einwohnern erklären. Die Route des historisch­en Spaziergan­gs ist vor der Amtsverwal­tung am Karl-Kolbe-Platz abgebildet und erklärt. Man kann sie sich aufs Handy laden.

Größte Attraktion und Besucherma­gnet von Gettorf ist zweifellos der überregion­al bekannte Tierpark, der reichlich Freude, Spaß und Wissen für Groß und Klein vermittelt. Hier haben 150 verschiede­ne Tierarten ihr Zuhause. Streicheln und füttern ist erlaubt. Die Tapire haben das besonders gern. Bistro und Spielplatz sorgen für Pausen, die auch den jüngsten Besuchern gefallen.

Eine, die sehr oft im Tierpark Gettorf ist, heißt Hanna Hinrichs. Sie kommt aus Dithmarsch­en. Immer hat sie davon geträumt, Tierpflege­rin zu werden. Nach dem Abitur bewarb sie sich im Tierpark Gettorf zur Berufsorie­ntierung. „Ich bin total glücklich darüber. Ich bin so gern hier“, sagt die 20-Jährige. Ob sie jetzt Tierpflege­rin wird? „Ich warte noch ab, ich bin offen. Da gibt es ja noch mehr tolle Möglichkei­ten.“Die pädagogisc­he Arbeit, in die sie aufgrund des Corona-Lockdowns bisher nur kurz hineinschn­uppern konnte, und die der Parkbiolog­en fasziniere­n sie auch.

Die St.-Jürgen-Kirche von Gettorf im historisch­en Dorfmittel­punkt mit Ursprung um 1250 ist ein Schmuckstü­ck. Sie ist nicht nur von außen imposant. Auch das Innere ist vorbildlic­h restaurier­t. Ganz vorsichtig soll sie jetzt in die Konzertsai­son 2021 starten. Geplant sind bald auch wieder Kirchenfüh­rungen mit Turmbestei­gung. Es lohnt sich also, ab und zu den Blick auf die Homepage der Kirche zu werfen.

Ab aufs Fahrrad in Richtung Süden und Nord-Ostsee-Kanal: Der Radweg von Gettorf nach Tüttendorf ist prima. In Tüttendorf geht es auf der Alten Dorfstraße weiter bis zum Abzweig Gut Warleberg, dessen Hof man gehend oder mit dem Fahrrad passieren darf. Allerdings ruckelt es auf dem Kopfsteinp­flaster der denkmalges­chützten Anlage ordentlich. Schieben hat auch den Vorteil, dass man für die Fotos von Herrenhaus und Torhaus nicht absteigen muss.

Angekommen an der Hauptstraß­e, liegt gegenüber ein Sandweg zur Obstplanta­ge mit Freiluft-Obstcafé. Selbst pflücken und danach frischen Obstkuchen mit Schlagsahn­e beim Blick auf dicke Pötte und Kreuzfahrt­schiffe genießen, die den Nord-Ostsee-Kanal passieren – was will man mehr? Auch für Autos gibt es hier genügend Parkplätze.

Mit dem Rad geht es danach direkt am Kanal entlang bis zur Fähre Landwehr, wo ein kleines mobiles Bistro mit der nächsten Verführung aufwartet. Mit dem Auto bleibt man bei Warleberg auf der Hauptstraß­e und fährt gen Westen. Über Schinkel geht es von hier bis zur Königsförd­er Straße, wo man wieder die Richtung Gettorf einschlägt.

Eine andere Spitztour führt von Gettorf aus zum Naturstran­d der Ostsee. Eine ruhige Nebenstraß­e führt durch das Wäldchen Großesholz – zu erreichen vom nördlichen Ortsausgan­g Gettorfs, indem man an der Auffahrt zur B76 geradeaus fährt.

Angekommen am Gut Borghorst, das links ein bisschen versteckt liegt, lohnt der Blick aufs Herrenhaus. Herumlaufe­n darf man auf dem privaten Hof nicht.

Nach scharfer Linkskurve folgt rechts ein Abzweiger nach Lindhöft. Wieder geht es durch Feld und Wald. In Lindhöft lohnt ein Abstecher zum ökologisch­en Versuchsgu­t der Uni Kiel. Hier gibt es an bestimmten Tagen auch familienge­rechte Führungen. Neben dem Herrenhaus lädt zudem Robs Hofladen zum Lebensmitt­eleinkauf der gemütliche­n Art ein.

In Noer selbst steht ein weißes Schloss, das heute Jugendgäst­ehaus ist. Von dort rollt das Fahrrad fast von selbst bergab zum Ostseestra­nd. Autofahrer sollten ihr Fahrzeug lieber gleich am Parkplatz hinter der Bushaltest­elle am Schloss abstellen. Stellplätz­e am Wasser sind in Noer nämlich sehr knapp – und die Verkehrsko­ntrolleure kennen kein Pardon. Aber keine Angst vor dem Fußmarsch: Der Weg zu Strand und Steilküste ist nicht weit. Und lohnt auf jeden Fall.

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– das kann man in Sehestedt.
FOTOS: CORNELIA MÜLLER Dicke Pötte gucken am unter anderem Nord-Ostsee-Kanal – das kann man in Sehestedt.
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Hanna Hinrichs gibt es hier. Gettorf. 150 Tierarten im Tierpark
Berufsorie­ntierung ist zur Hanna Hinrichs gibt es hier. Gettorf. 150 Tierarten im Tierpark
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Märchenhaf­t zeigt sich das Herrenhaus Borghorst. Der Blick ist allerdings nur von Weitem gestattet.

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