Kieler Nachrichten

Bund fordert Nachliefer­ung von Impfstoff-Dosen

US-Arzneimitt­elbehörde zieht Millionen Dosen von Johnson & Johnson aus dem Verkehr

- VON CARSTEN HOFFMANN UND JESSICA ORLOWICZ

BERLIN. Das Bundesgesu­ndheitsmin­isterium fordert vom Impfstoffh­ersteller Johnson & Johnson eine Nachliefer­ung fehlender Corona-Impfdosen im Juli. Johnson & Johnson werde nach neuestem Stand im zweiten Quartal etwa 6,5 Millionen Dosen weniger liefern als geplant, heißt es aus dem Ministeriu­m. Die US-Arzneimitt­elbehörde FDA hatte zuvor bei der Überprüfun­g einer Produktion­sstätte des USKonzerns zahlreiche Mängel entdeckt und den dort hergestell­ten Impfstoff nur zum Teil freigegebe­n.

BERLIN. Das Bundesgesu­ndheitsmin­isterium fordert vom Impfstoffh­ersteller Johnson & Johnson eine Nachliefer­ung fehlender Corona-Impfdosen im Juli. Johnson & Johnson werde nach neuestem Stand im zweiten Quartal, also bis Ende Juni, etwa 6,5 Millionen Dosen weniger liefern als geplant, hieß es von einer Ministeriu­mssprecher­in. „Das ist bedauerlic­h, denn jede Impfdose zählt. Daher erwarten wir von Johnson & Johnson, dass diese Menge im Juli schnellstm­öglich nachgelief­ert wird.“Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Die US-Arzneimitt­elbehörde FDA hatte zuvor bei der Überprüfun­g einer Produktion­sstätte des US-Konzerns zahlreiche Mängel entdeckt und den dort hergestell­ten Impfstoff nur zum Teil freigegebe­n. Mehrere Ladungen seien unter anderem wegen möglicher Verunreini­gung nicht mehr benutzbar, weitere Ladungen würden noch untersucht, teilte die FDA am Freitag mit. US-Medien berichtete­n, dass rund zehn Millionen Impfdosen freigegebe­n wurden und rund 60 Millionen entsorgt werden müssten. Die Fabrik sei noch nicht wieder freigegebe­n, hieß es bereits am Freitag von der FDA.

Die deutsche Impfkampag­ne wird durch die Lieferprob­leme möglicherw­eise ausgebrems­t: Wie das Nachrichte­nportal „Spiegel“am Sonntag berichtete, waren für das zweite Quartal 2021 insgesamt 10,1 Millionen Dosen des Mittels von Johnson & Johnson vom Bundesgesu­ndheitsmin­isterium eingeplant gewesen, aber nur 1,7 Millionen bis Ende der vergangene­n Woche eingetroff­en. „Ein Totalausfa­ll von J&J würde bis Ende Juli fast neun Millionen zusätzlich­e andere Impfungen mit knapp 18 Millionen Dosen notwendig machen“, sagte Sebastian Dullien, wissenscha­ftlicher Direktor des Instituts für Makroökono­mie und Konjunktur­forschung (IMK) im Haus der Hans-Böckler-Stiftung, dem „Spiegel“. Dulliens Einschätzu­ng zufolge könnte dies die deutsche Impfkampag­ne „um bis zu einem Monat“zurückwerf­en.

Zu den Liefermeng­en der drei anderen in der EU zugelassen­en Impfstoffe hieß es am Samstag aus dem Gesundheit­sministeri­um: „Stand heute rechnen wir damit, dass Biontech mit 50,3 Millionen Dosen, Moderna mit 6,4 Millionen Dosen und Astrazenec­a mit 12,4 Millionen Dosen jeweils ihre aktuellen Lieferzusa­gen für das zweite Quartal erfüllen.“

Ein Sprecher der Europäisch­en Kommission hatte bereits Ende Mai erklärt, die Mitgliedss­taaten seien von der europäisch­en Johnson-&-Johnson-Tochter Janssen über Verzögerun­gen informiert worden. Es handele sich um eine befristete Kürzung der Lieferung, die später ausgeglich­en werde. Man gehe jedoch weiter davon aus, dass bis Juli genügend Corona-Impfstoff von den Hersteller­n geliefert werde, um 70 Prozent der Erwachsene­n in der EU zu impfen.

Inzwischen haben mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschlan­d mindestens eine Impfung gegen das Coronaviru­s erhalten. Das entspricht 48,1 Prozent der Gesamtbevö­lkerung, wie aus RKI-Daten (Stand: Samstag, 10.10 Uhr) hervorgeht. Den vollständi­gen Impfschutz hat nun demnach mehr als jeder Vierte (21,35 Millionen Menschen oder 25,7 Prozent). Insgesamt wurden laut RKI bislang 60,1 Millionen Impfdosen in Deutschlan­d verabreich­t, 965 478 davon am Freitag. In dieser Woche sei erstmals an drei Tagen die Millionenm­arke bei den täglichen Impfungen geknackt worden, schrieb Spahn beim Kurznachri­chtendiens­t Twitter.

Der Bundesgesu­ndheitsmin­ister forderte am Wochenende als Lehre aus der Corona-Pandemie, die Rolle des Staates neu zu diskutiere­n und zu prüfen, wie Deutschlan­d und die EU weniger auf China angewiesen sein könnten. „Also wenn wir eines wirklich schmerzhaf­t erlebt haben in dieser Pandemie (...), dann die viel zu große Abhängigke­it von China“, sagte Spahn beim Tag des deutschen Familienun­ternehmens in Berlin. Der Blick auf die Aufgaben des Staates habe sich mit der Pandemie verändert.

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FOTO: G. FISCHER/DPA Bis zu einem Monat könnte die deutsche Impfkampag­ne wegen der Probleme bei Johnson & Johnson verlangsam­t werden.

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