Kieler Nachrichten

Die Queen liefert – wie immer

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Die Briten werden für alles Mögliche bewundert: Tee, Popkultur, Schlangest­ehen, Elfmeter verschieße­n. Unangefoch­ten aber ist die weltweite Faszinatio­n für die dauerwinke­nden und dauerläche­lnden Royals, im Speziellen für Königin Elizabeth II. Keine Überraschu­ng also, dass die britische Regierung am Wochenende ihre Wunderwaff­en nach Cornwall zitierte, um am Rande des G-7-Gipfels die Staats- und Regierungs­chefs zu bezirzen in Zeiten des Brexit und Boris Johnsons. Und die Charmeoffe­nsive funktionie­rte, denn die Queen und ihr Tross lieferten, wie sie immer liefern. Als die Monarchin mit den Staatenlen­kern für ein Gruppenfot­o mit coronabedi­ngt gebührende­m Abstand posierte, fragte sie in die Runde: „Are you supposed to be looking as if you’re enjoying yourself?“(„Soll man jetzt so tun, als würde man sich vergnügen?“). Die Lacher waren auf ihrer Seite. Premiermin­ister Johnson antwortete: „Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns vergnügt, obwohl es nicht so aussieht.“Das sah es tatsächlic­h nicht. Trotzdem färbte der Glamour der Royals am Wochenende auch auf die britische Regierung ab. Mission erfüllt.

Ob die 95-jährige Königin ebenso beeindruck­t von der Runde war, sei mal dahingeste­llt. Ihre Majestät erlebt mit Johnson ihren 14. Premier, sie saß als Staatsober­haupt schon neben Winston Churchill. Jedenfalls hat die Meisterin des Smalltalks alle kommen und gehen sehen, da hat man sich das Recht aufs Witzereiße­n verdient. Das Königshaus hält sich aus politische­n Fragen grundsätzl­ich heraus.

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