Kieler Nachrichten

Eine präzise Beobachter­in

Werkschau zum 100.: Künstlermu­seum Heikendorf zeigt Karin Hertz

- VON SABINE THOLUND

HEIKENDORF. Mit dem Künstlermu­seum Heikendorf war sie eng verbunden, ihr 80. und ihr 90. Geburtstag wurden hier jeweils mit einer kleinen Feier begangen. Am 26. Juli wäre Karin Hertz 100 Jahre alt geworden und auch dieses Datum soll im Museum gewürdigt werden. Zudem wird ab sofort eine Werkschau der 2017 in Hamburg verstorben­en Bildhaueri­n gezeigt, die, 1921 in Hamburg geboren, 1929 nach Kitzeberg umzog, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte.

Bereits der Weg vom Haupthaus zur Ausstellun­gshalle führt vorbei an ihren großen Bronzeskul­pturen, die den Sammlungsb­estand seit Jahren als Dauerleihg­aben bereichern.

Lebensgroß geformt, scheinen sie in der Bewegung eingefrore­n. Da ist die Große Lesende

(1982), die ihren Kopf in ihre Handfläche stützt und ganz in ihre Lektüre vertieft scheint. Oder die gebückte Gärtnerin (1968), die sich den Pflanzen im Beet vor ihr zuneigt. „Die Figur wirkt so lebensecht, dass ich ihr anfangs tatsächlic­h ,Guten Tag’ gesagt habe“, erinnert sich Sabine Behrens.

Denn Karin Hertz war eine präzise Beobachter­in. Was sie sah, ließ sie in ihre Kunst einfließen. „Sie war eine Realistin im besten Sinne des Wortes und hatte ihre Mitmensche­n fest im Blick. Daraus entwickelt­e sie ihre Alltagsthe­men.“

Über 40 Arbeiten, in der Mehrzahl Exponate aus Privatbesi­tz, hat die Museumslei­terin für die Schau zusammenge­tragen – neben Reliefs und kleinforma­tigen Modellen auch größere Figuren und Porträts. Einige Auftragsar­beiten sind dabei wie die Porträtbüs­te von Ricarda Huch (1962), oder Kleinskulp­turen, die in den 70er Jahren im Zuge eines mehrmonati­gen Studien- und Lehraufent­haltes in Japan entstanden. Zahlreiche Figuren(-gruppen), die die Künstlerin für den öffentlich­en Raum in und um Kiel schuf, sind in der Ausstellun­g als Fotografie­n vertreten, darunter der zierliche Angler (1971), den Spaziergän­ger vom Fördewande­rweg in Heikendorf kennen.

Nicht nur in der Region war Karin Hertz bekannt, ihre Arbeit erfreute sich deutschlan­dweiter Beachtung. Außer in ihrer Geburtssta­dt Hamburg hatte sie ein Atelier auf Amrum und, seit 1978, eines in Möltenort. Ausflüge ins Abstrakte unternahm sie nur selten. Der bronzene Wächter (1961), ein überlebens­großer, stilisiert­er Hund, dessen Gestalt ein bisschen an die Tierdarste­llung in der ägyptische­n Kunst erinnert, markiert so einen Ausflug. Die Künstlerin schenkte ein Exemplar des Bronzeguss­es dem Künstlermu­seum zur Eröffnung im Jahr 2000 – sehr zur Freude von Sabine Behrens: „Er passt seitdem gut auf uns auf.“

Teichtor 9, Heikendorf. Bis 5. September. Do bis Sa 14-17, So 11-17 Uhr. Führungen: 17. Juli, 15 Uhr, und 25. Juli, 12 Uhr.

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FOTO: MARCO EHRHARDT Museumslei­terin Sabine Behrens mit Werken von Karin Hertz, auch im Foto.

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