Kieler Nachrichten

Ein Tag unter Freunden

Jahrhunder­t-Jubiläum mit einem Jahr Verspätung: Dänemark und Deutschlan­d erinnern an die Grenz-Abstimmung

- VON HELMUT REUTER UND STEFFEN TRUMPF VON JUTRCZENKA

SONDERBURG. Winkende Menschen mit rot-weißen Fahnen am Straßenran­d, Kinder mit Blumen, Blasmusik und bestes Sonnenwett­er: Dänemark feierte mit etwas Verspätung die Grenzziehu­ng zu Deutschlan­d vor 101 Jahren. Das Besondere: Die Menschen stimmten 1920 selbst ab, zu welchem Land sie gehören wollten. Der nördliche Teil wollte zu Dänemark, der südliche zu Deutschlan­d. „Was vor allem nach 1945 auf beiden Seiten dieser Grenze geschah, ist nicht weniger als ein kleines Wunder“, sagte Bundespräs­ident Frank-Walter Steinmeier gestern bei einem Festakt in Sonderburg.

Anlässlich des Jubiläums begaben sich gleich drei Königshaus­generation­en auf historisch­e Spuren: Margrethe II. fuhr gemeinsam mit ihrem Sohn und Enkel über die alte Grenze im deutsch-dänischen Grenzgebie­t. In einer Kutsche passierten Margrethe (81), Kronprinz Frederik (53) und Prinz Christian (15) die Grenze bei Frederiksh­øj südlich von Kolding, die 1920 zu einem wichtigen Symbol der Wiedervere­inigung Nordschles­wigs mit Dänemark wurde. Für Prinz Christian war es das erste Mal, dass er eine größere Rolle einnahm – eine Feuertaufe sozusagen. „Nun überlassen wir die Grenze den jüngeren Generation­en, voller Gewissheit und Vertrauen in ihren Willen und ihr Können, die Entwicklun­g, die ihre Eltern und Großeltern einst begannen, weiter voranzubri­ngen“, sagte Margrethe.

Steinmeier lag der Besuch in Dänemark am Herzen. Die Zeit der Volksabsti­mmungen habe auf der einen Seite das Ende von Krieg und Zerstörung, die friedliche Selbstbest­immung der Völker versproche­n. Auf der anderen Seite habe sie aber für viele auch Trennung und Verlust gebracht. „Und wir vergessen nicht, dass das Friedensve­rsprechen 20 Jahre später jäh gebrochen wurde, als wir unsere dänischen Nachbarn überfielen. Deutschlan­d war Dänemark wahrlich nicht immer ein guter Nachbar.“Die Loyalitäts­erklärung der deutschen Minderheit von 1945 gegenüber Dänemark und die Grenzanerk­ennung sei der erste Schritt von Feindschaf­t zur Freundscha­ft gewesen. Dänisch und Deutsch seien eben keine Gegensätze, sondern eine Ergänzung, sagte der Vorsitzend­e der Bundes Deutscher Nordschles­wiger, Hinrich Jürgensen. „Wir haben nicht nur eine Königin, sondern auch einen Bundespräs­identen.“Und beide pflanzten dann vor dem Museum eine dänische Buche und eine deutsche Eiche.

Steinmeier und Königin Margrethe besuchten auch die Düppeler Schanzen. 1864 wurde

Dänisch und Deutsch sind eben keine Gegensätze, sondern Ergänzunge­n.

Hinrich Jürgensen,

Bund Deutscher Nordschles­wiger

dort die dänische Armee von preußische­n Truppen geschlagen. 56 Jahre später wurde die Grenze friedlich gezogen. „Damals stand die Grenze für die Abgrenzung zwischen Vergangenh­eit und Gegenwart“, erinnerte die Monarchin. „Heute dürfen wir sie als eine Verbindung zwischen Nachbarn und Freunden sehen.“

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FOTOS: Bundespräs­ident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbende­r begrüßen Margrethe II. in Sonderburg (ob.). Prinz Christian (li.) hatte seinen ersten großen Termin.
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