Kieler Nachrichten

NDR-Preis für Autorin aus Bordesholm

Geschichte „Help“von Gudrun Schultz-Pohlen überzeugte die Jury – Jürgen Baasch hat die Story ins Plattdeuts­che übersetzt

- VON FRANK SCHEER

BORDESHOLM. Gudrun Schultz-Pohlen und Jürgen Baasch aus Bordesholm sind die Sieger beim Plattdeuts­chContest „Vertell doch mal 2021“des NDR in Hamburg. Die Geschichte „Help“landete auf Platz eins. Das Preisgeld beträgt 1500 Euro. 1600 Einsendung­en hatte es nach Angaben des Senders in diesem Jahr gegeben.

Seit gut sieben Jahren gehört Gudrun Schultz-Pohlen zum Kreis der „Schreibwer­kstatt“von Jürgen Baasch, der bis 2004 hauptamtli­cher Bürgermeis­ter in Bordesholm gewesen ist. Die Geschichte „Help“, in der die Krankheit Demenz im Mittelpunk­t steht, ist auch in diesem Kreis entstanden. „Schreiben ist für mich schon seit frühester Kindheit wichtig. Da kann man sich Dinge von der Seele schreiben“, so die 62jährige Erzieherin. In der prämierten Geschichte setzt sie sich mit der Demenzerkr­ankung ihrer Mutter auseinande­r.

Auf neun Seiten erzählt Gudrun Schultz-Pohlen vom Wiedersehe­n mit der Mutter nach zehn Jahren. Und von der Erkenntnis, sich vom verinnerli­chten Mutter-Bild wegen der Krankheit verabschie­den zu müssen. „Ich schreibe über reale Dinge, es sind aber auch viele fiktive Sachen mit drin.“Aber alles hat die Bordesholm­erin auf Hochdeutsc­h geschriebe­n. „Ich kann kein Platt.“Schreibwer­kstattleit­er Jürgen Baasch hat die Story mit ihr zusammen auf die geforderte­n eineinhalb Seiten gekürzt und dann ins Plattdeuts­che übersetzt. „Vor Jahren habe ich mal selbst teilgenomm­en. Mehr als einen Dank des NDR erhielt ich nicht. Aber ich bin im Verteiler und werde wegen der Wettbewerb­e immer angeschrie­ben“, erzählt Baasch. Und die Geschichte „Help“habe er immer im Hinterkopf gehabt, weil sie wirklich gut sei. Vor allem wegen der Wendung in der erzählten Handlung. Zudem passt die Story laut Baasch gut zum Thema des mittlerwei­le 33. NDR-Wettbewerb­s „Allens Anners“.

Erst ginge es um die wahrgenomm­enen Veränderun­gen bei der Mutter, dann um die Realisieru­ng der Demenz. „Und zum Schluss dreht sich alles: Die vielen im Haus der Mutter klebenden Zettel mit Beschreibu­ngen op platt sind für die Enkelin gedacht, die Plattdeuts­ch lernen möchte. Und gerade dieses Überraschu­ngsmoment hat die Jury sehr gelobt“, so Baasch.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Sieger nur bei einer virtuellen Gala im Ohnsorg-Theater in Hamburg ohne Präsenz geehrt worden. „Als mein Name ziemlich zu Beginn als Siegerin genannt wurde, bin ich völlig überrascht gewesen“, berichtet Gudrun Schultz-Pohlen. Als dann auch wenigen Minuten später Jürgen angerufen und ihr gratuliert habe, sei ihr das Ganze erst so richtig bewusst geworden, erzählt Gudrun Schultz-Pohlen, die auch zwei Wochen danach über die Auszeichnu­ng immer noch gerührt ist.

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FOTO: FRANK SCHEER Gudrun SchultzPoh­len und Jürgen Baasch aus Bordesholm siegten beim NDR-Plattdeuts­ch-Contest „Vertell doch mal 2021“mit einer Geschichte über Demenz.

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