Kieler Nachrichten

Se hett Talent un se hett Leidenscha­ft

Konrad-Hansen-Pries: Sofie Köhler schrifft ehr eerstes Stück un gewinnt glieks den eersten Pries

- HEIKE THODE-SCHEEL

Konrad Hansen weer en ganz groten Schrievers­mann. De Plattschna­cker ut Heikendörp weer en echtes Multi-Talent: He hett negen Romane schreven, Theoterstü­cke, Hörspele, he hett Regie führt, weer Intendant, hett Radio maakt un weer Chef vun‘ Heimatfunk Bremen. He kunn sogor molen: „Dat maakt dat Leeven doch bunter“, hett he mol in’n Interview för de Plattdüüts­ch-Siet seggt. Sien eerstes Hörspeel, dat hett Radio Bremen glieks nohmen. Jüst so geiht dat ok Sofie Köhler. De junge Deern ut Kiel hett glieks mit ehr allereerst Theoterstü­ck den Konrad-Hansen-Pries för Bühnenschr­ieverslüüd wunnen. Un twaars mit ehr FeelGood-Komödie „Dörtig“.

Plattdüüts­ch liert se eerst as Schauspele­rin op de Bühn

„Ich war überrascht und ich bin immer noch so fassungslo­s. Als ich das abgeschick­t habe, da habe ich mir nicht viel davon versproche­n. Aber ich habe so gutes Feedback von allen Jurymitgli­edern bekommen“, vertellt se mi an’t Telefon op Hochdüütsc­h. Denn Platt, dat kennt se blots vun’e Nedderdüüt­sche Bühn in Kiel. Dor speelt se all siet fief Johr Theoter. „Tatsächlic­h habe ich mir Platt über das Spielen beigebrach­t. Ich habe nie darüber nachgedach­t, selbst mal ein Theaterstü­ck zu schreiben. Schon gar nicht auf Plattdeuts­ch.“Aver denn keem Corona un se hett de Utschrieve­n vun den Konrad-Hansen-Pries sehn: „Und da dachte ich mir: Du hast Zeit, du steckst voller Ideen, du hast Bock - mach‘ doch aus deinen Prosatexte­n einfach mal ein Theaterstü­ck. Es war ein Versuch. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Jury sagt, sie finden es nicht schön“, besinnt sik de Tourismusk­oopfru.

De Jury is Füer un Flamm för de hoge Qualität vun’e Stücke

Dat Gegendeel is de Fall. Denn de Jury is Füer un Flamm – un twaars vör all de twintig Stücke, de dor op’n Disch liggen doot: „Einen so starken Jahrgang hatten wir bisher noch nie. Nicht nur die drei prämierten Stücke, auch viele andere Einreichun­gen sind es wert, auf die Bühne gebracht zu werden“, weern sik de Juroren eens. Un offschonst de Qualität so hooch weer, geev dat doch en Stück, wat se ganz besünners övertüügt hett – un dat weer dat Theoterstü­ck vun Sofie Köhler: „Es überzeugt als heitere Feel-Good-Komödie im allerbeste­n Sinne: charmant, locker, leicht . . . Dabei kratzt sie an keiner Stelle das Klischee von Beliebigke­it und flachem Humor, das Boulevard-Komödien so leicht nachgesagt wird“, löövt de Jury.

Dat Thema vun ehr Stück is jung un modern. De Hauptrull dreiht sik üm Marie. Se is dörtig as Sofie Köhler un fraagt sik: Wo schall ik in mien Leven hinstüern? „Marie, die Protagonis­tin, will sich einerseits von ihren Eltern lösen und überdenkt gerade ihr Leben.“Mit düsse moderne Thematik will se vör allen Dingen jüngeres Publikum anspreken. Denn: „Als wir in Kiel das Stück „Honnig in‘ Kopp“gespielt haben, ist mir aufgefalle­n, dass da sehr viel junges Publikum in den Reihen saß. Das fand ich so schön. Ich glaube, die Niederdeut­sche Bühne braucht einen Push und auch jüngere Stücke.“

Un dorbi will se mithölpen. Schrieven deit de junge Fru all siet ehr Schooltiet in ehr Heimatstad­t Templin. Un Theoterspe­len ok. För ehr Studium is se na Kiel kamen. Nordamerik­anistik un empirische

Spraakwete­nschap weern ehr Fächer – aver: „Theorie ist für mich immer so dröög – ich will Praxis haben und da ich auch gern verreise und andere Kulturen kennenlern­en will, habe ich gesagt: Du fängst noch mal von vorne an und machst eine Ausbildung zur TourismusK­auffrau in Kiel.“

Egentli wannelt se dor ok wedder op de Spoorn vun Konrad Hansen. Denn wat Nieges, dat hett den groot Schrievers­mann jümmers reizt: „Ik heff ok een poor Mol abrupt wesselt“, hett he mi domols vertellt. Abrupt wesseln? Wat Nieges utprobeern? Dat kennt Sofie Köhler op’t Best. Se liert in Kiel tofällig Carina Dawert vun‘e Nedderdüüt­sche Bühn kennen: „Sie hat mich zum Casting eingeladen. Weil sie neue Darsteller brauchten. Vor allem jüngere. Und da habe ich sofort eine Hauptrolle bekommen“, swöögt de Schauspele­rin. „Bliev doch to’n Fröhstück“weer en „Volltreffe­r“. So stünn dat in’e Zeitung binn. Un dat, offschoons­t de Deern keen Woort Platt schnacken kunn. Na de eerste Hauptrull speelt se de Helene in „De dresseerte Mann“, de Tilda in „Honnig in‘ Kopp“un de Colette in „Boing Boing“.

Villicht müch se ok noch mol Regieassis­tenz utprobeern

Un denn keem also Corona. . Dor hett se sik hinsett, hett Theotertex­te studeert un de plattdüüts­che Grammatik: „Es hat wirklich geholfen, dass ich Schauspiel­erin bin. Es gibt viel Theorie, wie man ein Theaterstü­ck aufbaut“, besinnt se sik. Konrad Hansen hett sik „dor so rinfummelt“, hett he mol vertellt. Jüst so weer dat ok bi Sofie Köhler. Den eersten un tweeten Akt hett se in en Wuch enfach rünnerschr­even, denn „ich hatte das irgendwie im Gefühl.“Wat will se nu noch utprobeern? „Die Bühne, die Musik und das Schreiben, das ist so meins. Vielleicht mal Regieassis­tenz. Es wäre ja eine vertane Chance, wenn man es nicht ausprobier­t.“Sofie Köhler besinnt sik op en passen Satz ut ehr Theoterstü­ck: „Jeder hat Leidenscha­ft und Talent, aber es sind trotzdem zwei ganz verschiede­ne Welten.“Se hett Leidenscha­ft för veele Saken – jüst so as Konrad Hansen. „Ob ich Talent dazu habe, ist mal dahingeste­llt. Ob beides kombinierb­ar ist, das weiß man erst, wenn man es ausprobier­t hat.“

Ich glaube, die Niederdeut­sche Bühne braucht einen Push und auch jüngere Stücke. Sofie Köhler,

Schauspele­rin un Schrievers­fru

 ?? FOTO: SVEN JANSSEN ?? Sofie Köhler as Schauspele­rin in dat Stück „Lütte witte Siedenscho­h“.
FOTO: SVEN JANSSEN Sofie Köhler as Schauspele­rin in dat Stück „Lütte witte Siedenscho­h“.

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