Kieler Nachrichten

„Alle Ampeln auf Grün“

Ex-Nationalsp­ieler Bixente Lizarazu ist begeistert von Frankreich­s Spielweise und lobt die Rückkehr von Müller in das DFB-Team

- VON ALEXIS MENUGE

PARIS. Viele Jahre war Bixente Lizarazu einer der besten Linksverte­idiger Europas. Heute ist der Franzose unter anderem als Co-Kommentato­r beim französisc­hen TV-Sender TF1 im Einsatz. Im Interview blickt der ehemalige Bayern-Star auf das ewige Duell Frankreich gegen Deutschlan­d, das am Dienstag (21 Uhr, ZDF und MagentaTV) in München über die Bühne gehen wird.

Monsieur Lizarazu, was erwarten Sie vom Auftaktkna­ller der Vorrunde?

Natürlich viel Brisanz. Es ist das Duell schlechthi­n in dieser Gruppenpha­se zwischen den letzten beiden Weltmeiste­rn. Es verspricht viel Spannung. Normalerwe­ise beginnt man bei einem solchen Turnier mit einer einfachere­n Aufgabe, dieses Mal werden beide Teams sofort wissen, wo sie wirklich stehen.

Ist Frankreich der logische Favorit?

Momentan sind bei den Franzosen alle Ampeln auf Grün gestellt. Sie spielen nicht nur erfolgreic­h, sondern attraktiv und sind in der Defensive kaum verwundbar. Dazu haben sie mit Benzema, Mbappé, Griezmann ein Angriffstr­io, das seinesglei­chen in Europa sucht. Die letzten Tests gegen Wales und Bulgarien wurden 3:0 gewonnen, aber gegen Deutschlan­d wartet ein ganz anderes Spiel und ein ganz anderes Kaliber.

Inwiefern?

Gegen Wales und Bulgarien hatte man extrem viel Ballbesitz, hat d

Spiel dominiert. Gegen Deutschlan­d wird es sicher ganz anders aussehen, weil sie auch gern den Ball haben und die Initiative ergreifen. Ich e warte heiße Duelle, insbeson- dere im Mittel- feld.

Wo liegt der Schlüssel in dieser Partie?

Ich glaube, im Mittelfeld. Auf

o sehen Sie die schen im Sommer 2021? Natürlich waren auch in Frankreich alle überrascht, wie es für Deutschlan­d bei der WM in Russland lief. Man erwartet dieses Team bei jedem Turnier eigentlich im

der einen Seite haben wir Kimmich, Kroos, Gündogan. Auf der anderen, Pogba, N’Golo Kanté, Rabiot. Das sind die womöglich zwei besten Mittelfeld­besetzunge­n dieser EM. Man muss sehen, wie sich die Franzosen bei Ballverlus­t bewegen, wie sie gegen den Ball agieOb sie in der Lasind, sich zu erreißen, weil sie ja seit der WM 2018 selten richtig gefordert wurden.

mer mindestens im Halbfinale. Seitdem gab es aber viel Unruhe rund um Joachim Löw, besonders mit der Ausmusteru­ng von Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. Ein paar Ergebnisse wie das 0:6 in Spanien oder gegen Nordmazedo­nien (1:2) haben nicht für mehr Ruhe gesorgt. Dennoch weiß ich nach meinen achteinhal­b Jahren

als Spieler beim FC Bayern, dass die Deutschen immer in der Lage sind, sobald das Turnier angepfiffe­n wird, top vorbereite­t und topfit zu sein. Aber erst einmal müssen sie in dieser Gruppenpha­se überzeugen, um wieder zu den heißesten Anwärtern zu gehören.

Hat Sie die Rückholakt­ion von Thomas Müller in die deutsche

Nationalma­nnschaft überrascht?

Wenn man sich die letzten 18 Monate vom Thomas anschaut, stellt man sofort fest, dass er wieder der Alte ist – nämlich der Müller, der so überragend und unberechen­bar wie bei den Weltmeiste­rschaften 2010 und 2014 war. Er muss einfach das Vertrauen seines Trainers spüren, um sein Potenzial voll ausschöpfe­n zu können. Das war ja in München unter Niko Kovac nicht der Fall und dann der Unterschie­d unter Hansi Flick, der ihn wieder dahin gebracht hat, dass er erneut unverzicht­bar wurde. Er gehört halt zu den wenigen Instinktsp­ielern auf diesem Planeten. Er weiß unglaublic­h gut, wie er sich zwischen den Linien bewegen soll, um für noch mehr Unruhe in der gegnerisch­en Abwehr zu sorgen.

 ?? FOTO: IMAGO/PHILIPPE LECOEUR ?? Offensivpo­wer: Frankreich­s Karim Benzema (rechts) und Antoine Griezmann zählen zu den besten Stürmern bei der EM.
FOTO: IMAGO/PHILIPPE LECOEUR Offensivpo­wer: Frankreich­s Karim Benzema (rechts) und Antoine Griezmann zählen zu den besten Stürmern bei der EM.
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FOTO: IMAGO/PHILIPPE RUIZ Bixente Lizarazu

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