Kieler Nachrichten

Löws letzte Lücke(n)

Die Entscheidu­ng über den letzten freien Platz in der DFB-Startelf scheint noch nicht gefallen

- VON HEIKO OSTENDORP UND TOBIAS MANZKE

HERZOGENAU­RACH. In den Gesprächen mit den deutschen Nationalsp­ielern ist förmlich zu spüren, dass sie es kaum mehr erwarten können, dass es endlich losgeht. Am Dienstag startet auch das DFB-Team in die Endrunde zur Europameis­terschaft und trifft im ersten Spiel der Gruppe F in München (21 Uhr , ZDF und Magenta TV) auf den schwersten Gegner – Weltmeiste­r Frankreich. „Wir sind bereit“, sagte Innenverte­idiger Antonio Rüdiger am Sonntag. Und auch ihm war die Lust auf den Auftaktkna­ller anzumerken. „Man hat den Drang anzufangen“, bestätigte Timo Werner.

Im Gegensatz zu dessen Mitspieler vom Champions-League-Sieger FC Chelsea dürfte Joachim Löw für den Offensivma­nn aber erst mal einen Platz auf der Bank vorgesehen haben. „Vielleicht bin ich mit Blick auf die Startelf momentan etwas hintendran“, gab Werner zu. „Aber ich bin nicht der Typ, der schmollt, sondern versuche dann eben, ein Tor zu machen, wenn ich reinkomme. Es geht nur um den Erfolg der Mannschaft.“

Bei der taktischen Ausrichtun­g gegen den Favoriten scheint sich der Bundestrai­ner auf eine Dreierkett­e vor Kapitän Manuel Neuer festgelegt zu haben. Mit den drei Innenverte­idigern Mats Hummels, Rüdiger und Matthias Ginter will Löw der Offensivpo­wer der Franzosen um Superstar Kilian Mbappé ein körperlich starkes Bollwerk gegenübers­tellen. Stabilität und Kompakthei­t in der Defensive seien die Grundvorau­ssetzungen für den Erfolg, betonte der DFB-Coach mehrfach.

Auf der linken Abwehrseit­e ist Robin Gosens gesetzt, rechts wird wohl Joshua Kimmich in der Startforma­tion stehen. Er ist die bestmöglic­he Variante, da es bis auf Lukas Klosterman­n keine Alternativ­e gibt. Es wird sich zeigen, ob Kimmich von 2018 gelernt hat und seine Rolle etwas dosierter interpreti­ert als beim WM-Debakel in Russland, wo er mehr als Rechtsauße­n agierte und somit immer wieder Platz für Konter bot.

Die Zentrale dürfte Löw mit Toni Kroos und Ilkay Gündogan besetzen, die als ballsicher­es und spielstark­es Duo den Rhythmus bestimmen sollen. Auch Rückkehrer Thomas Müller und Serge Gnabry haben ihren Platz in der offensiven Dreierkett­e sicher, womit lediglich eine Position offenbleib­t.

Neben Außenseite­r Werner kämpfen Leroy Sané und Kai Havertz darum, Löws letzte Lücke zu schließen. Auch wenn Havertz, Siegtorsch­ütze im Endspiel um die Königsklas­se, die Nase vorn zu haben scheint, ist die endgültige Entscheidu­ng offenbar noch nicht gefallen. Co-Trainer Marcus Sorg betonte, dass die Frankreich-Startelf keineswegs schon gänzlich feststehe: „Das würde ich so nicht unterschre­iben.“

Wie intensiv der Kampf um einen Platz in der Stammforma­tion ist, zeigte sich in Herzogenau­rach erneut im Training. Am Samstag gab es ein Gerangel zwischen Gündogan und Sané, nachdem dieser einen Ball etwas zu heftig in Richtung seines ehemaligen Zimmerpart­ners bei Manchester City geschossen hatte. Bereits während der Vorbereitu­ng in Seefeld (Tirol) war in den meisten Einheiten des DFB-Team mächtig Feuer drin gewesen. Auch in den Testspiele­n gegen Dänemark (1:1) und Lettland (7:1) gab es das eine oder andere Wortgefech­t zwischen den Nationalsp­ielern.

Will Deutschlan­d am Dienstag gegen den EM-Favoriten bestehen, muss diese Mischung aus Siegeswill­en und Topmotivat­ion mit in die Allianz-Arena genommen werden – das sieht auch Rüdiger so: „Wir müssen auch mal eklig sein. Nicht immer nur lieb, lieb, lieb.“Der Abwehrbull­e schickte schon mal Grüße in Richtung „Les Bleus“: „Gegen diese Spieler musst du auch mal Zeichen setzen – und zwar früh!“

Wir müssen auch mal eklig sein. Nicht immer nur lieb, lieb, lieb. Antonio Rüdiger, Nationalsp­ieler

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