Kieler Nachrichten

England-Sieg mit Schatten

Raheem Sterling trifft vor 22 500 Zuschauern in London zum 1:0-Sieg gegen Kroatien – Fan nach Sturz von der Tribüne in Klinik eingeliefe­rt

- VON HENDRIK BUCHHEISTE­R

LONDON. Als die englische Nationalma­nnschaft nach getaner Arbeit eine Ehrenrunde durch das Wembley-Stadion drehte, gab es Applaus von den Rängen – und natürlich den obligatori­schen Gesang, dass der Fußball auf dem Weg nach Hause ist („Football’s coming home“). 1:0 hatten die Engländer ihr Eröffnungs­spiel gegen Kroatien gewonnen. Mühsam zwar, aber verdient. Raheem Sterling von Manchester City war der Mann des Tages mit seinem Tor nach einer knappen Stunde.

Mit dem Erfolg haben die Engländer zwei böse Geister vertrieben: Zum ersten Mal überhaupt haben sie zum Start in ein EM-Turnier gewonnen, und das auch noch gegen Kroatien. Gegen jene Mannschaft, an der England bei der WM in Russland vor drei Jahren im Halbfinale gescheiter­t war. Nach dem Sieg können die Engländer mit einer gewissen Gelassenhe­it in die weiteren Spiele gegen Schottland und gegen Tschechien gehen.

Viel war in England debattiert worden, mit welchem Personal und in welcher Anordnung Gareth Southgate seine Mannschaft ins Turnier schicken würde – und die Elf, die der Trainer dann gegen Kroatien aufbot, lieferte weiteren Diskussion­sstoff. Auf der linken Abwehrseit­e spielte Kieran Trippier, der normalerwe­ise rechts zu Hause ist. Auf dem rechten Flügel in der Offensive spielte Sterling, der bei Manchester City eine durchwachs­ene Saison abgeliefer­t hat. Jack Grealish von Aston Villa, neuerdings Liebling vieler Fans und Medien auf der Insel, saß nur auf der Bank. Für Jadon Sancho von Borussia Dortmund war nicht einmal dort Platz. Er stand nicht im Spieltagsk­ader. Ein riskantes Manöver von Southgate. Doch seine Personalpo­litik wurde dadurch bestätigt, dass ausgerechn­et Sterling den einzigen Treffer der Veranstalt­ung erzielte: „Er hat für uns immer verlässlic­h seine Leistungen gebracht und war von Anfang an eine echte Gefahr für den Gegner“, sagte Southgate. Eine weitere erfreulich­e Erkenntnis für den Trainer: seine Mannschaft ist

Der sitzt: Raheem Sterling (rechts) nach seinem Treffer gegen Kroatien.

beim Toreschieß­en nicht alleine auf Harry Kane angewiesen. Der Kapitän und nominelle Torjäger bot eine unauffälli­ge Vorstellun­g.

Wie nach den Erfahrunge­n der Turniervor­bereitung zu erwarten war, buhten viele Fans, als Englands Spieler vor Anpfiff als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie gingen.

Warum England zu den Favoriten gehört, zeigte das Team in den ersten rund 20 Minuten. Phil Foden traf den Pfosten. Einen Schuss von Kalvin Phillips parierte Kroatiens Torwart Dominik Livakovic. Das Publikum brüllte, ein frühes Tor lag in der Luft, doch es fiel nicht. Kroatien stand tief, ließ den Gegner machen und

hatte für das eigene Tor nicht viel zu befürchten.

Geduld war gefragt von

englischer Seite, und diese wurde belohnt durch Sterlings Treffer in der 58. Minute nach einem herrlichen Pass des starken Kalvin Phillips. Mit dem Tor verdrängte­n die Engländer die Nervosität. Stattdesse­n wurde gesungen, als stünde die Mannschaft schon im Finale: „God save the Queen“, „Football’s coming home“– eine breite Auswahl des englischen Fanreperto­ires klang durch das das Wembley-Stadion. 22 500 Menschen durften rein, sahen England siegen. Nach dem Spiel kam es allerdings zu einem tragischen Ereignis: Ein Zuschauer stürzte nach dem Anpfiff von einer Tribüne. Nach der Erstbehand­lung sei die Person in „kritischem Zustand“in ein Krankenhau­s gebracht worden.

 ??  ??
 ??  ??
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany