Kieler Nachrichten

Belastung für Umwelt und Geldbeutel

In Pries-Friedrichs­ort soll Wasserents­orgung vom alten Mischwasse­rsystem auf ein Trennsyste­m umgestellt werden

- VON PETRA KRAUSE

PRIES-FRIEDRICHS­ORT. Der Stadtteil Pries-Friedrichs­ort ist der letzte in Kiel, in dem noch ein Mischwasse­rsystem existiert. Rund 60 Kilometer Abwasserne­tz müssen in den nächsten Jahrzehnte­n aus ökologisch­en Gründen zu einem Trennsyste­m umgebaut werden. Auf einer Strecke von 200 Metern beginnt die Stadt mit den Arbeiten im Karl-Müllenhof-Weg.

René Mittelstäd­t vom Tiefbauamt war in den Ortsbeirat gekommen, um die Maßnahme vorzustell­en. „Die Anwohner wurden bereits auf einer Sondersitz­ung umfassend informiert“, sagte der Ortsbeirat­svorsitzen­de Hans-Meinert Redlin (SPD). Beim Mischwasse­rsystem landet Schmutzund Regenwasse­r noch im selben Kanal. Somit fließt auch das saubere Regenwasse­r ins Klärwerk nach Bülk – anstatt direkt in die Kieler Förde wie beim Trennsyste­m. „Das belastet nicht nur die Geldbörse, sondern auch die Umwelt“, sagte Mittelstäd­t. Früher sei das in ganz Kiel so gewesen.

Der Grund für den Beginn im Karl-Müllenhof-Weg: In der Ottomar-Enking-Straße sei bereits der Anschluss an das Trennsyste­m vorhanden, sagte Mittelstäd­t. Zudem seien der Mischwasse­rkanal und die Grundstück­sanschluss­kanäle in „einem sehr schlechten Zustand“, was Mittelstäd­t mit Bildern verdeutlic­hte. „Da glaubt

Eine Erneuerung ist dort erforderli­ch, um Grundwasse­rverunrein­igungen und Straßenein­brüche zu vermeiden. René Mittelstäd­t,

Kieler Tiefbauamt

man gar nicht, dass da noch Wasser durchfließ­t. Vieles versickert auch vorher“, sagte er. Die Kanäle im Karl-MüllenhofW­eg stammten noch aus den 1930er-Jahren. „Eine Erneuerung ist dort erforderli­ch, um Grundwasse­rverunrein­igungen und Straßenein­brüche zu vermeiden.“Zudem sei die Stadt Kiel laut Wasserhaus­haltsgeset­z dazu verpflicht­et, alle Haushalte über ein Trennsyste­m zu entwässern, und somit möglichst nur das Schmutzwas­ser in der Kläranlage Bülk effizient und für den Gebührenza­hler kostenspar­end zu reinigen.

Sobald die Maßnahme abgeschlos­sen ist, haben die Eigentümer und Eigentümer­innen der Grundstück­e fünf Jahre Zeit, ihre dortigen Anschlüsse ebenfalls auf ein Trennsyste­m umzurüsten. Preisangab­en dazu konnte Mittelstäd­t nicht machen. „Jedes Grundstück ist individuel­l.“Die Stadt aber kostet die Maßnahme, die im November beginnen soll, 1,2 Millionen Euro. Das erkläre auch die jahrzehnte­lange Zeitspanne für den gesamten Umbau auf ein Trennsyste­m, so Mittelstäd­t. Während der etwa einjährige­n Bauarbeite­n bleibt die schmale Sackgassen­straße komplett gesperrt. „Aufgrund der Größe der Baugrube und der erforderli­chen Sicherheit­sabstände ist eine Vollsperru­ng während der Bauarbeite­n nicht vermeidbar“, sagte Mittelstäd­t. Die Müllentsor­gung und die Zufahrt für Rettungswa­gen und Feuerwehr werde sichergest­ellt. Jeweils am Ende des Tages werde die Baugrube abgedeckt, damit Anwohner und Anwohnerin­nen ihre Grundstück­e erreichen können. Ansonsten müssten die Autos außerhalb geparkt werden. Mit fortschrei­tender Baustelle seien die vorderen Grundstück­e dann wieder erreichbar. Die im Wendehamme­r liegenden Häuser werden nach Angaben von Mittelstäd­t mit den längsten Einschränk­ungen rechnen müssen.

 ?? FOTOS: ULF DAHL/JENNIFER RUSKE ?? Die Sanierungs­arbeiten beginnen im November im Karl-Müllenhof-Weg.
FOTOS: ULF DAHL/JENNIFER RUSKE Die Sanierungs­arbeiten beginnen im November im Karl-Müllenhof-Weg.
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany