Kieler Nachrichten

Zwischen den Mühlsteine­n der Politik

Die ARD-Doku beleuchte ein dunkles Kapitel des Kalten Krieges: „Die Tochter des Spions“

- VON J. VON DER GATHEN

Der Kalte Krieg ist im kollektive­n Gedächtnis in weite Ferne gerückt. Wie brutal in dieser bleiernen Zeit Familien auseinande­rgerissen wurden, davon erzählt die Geschichts­dokumentat­ion „Die Tochter des Spions“von Jaak Kilmi und Gints Grube.

„Fast mein ganzes Leben war bestimmt von den Taten meines Vaters“, sagt Ieva Lesinska. Das Drama beginnt 1978, als die 19-Jährige aus dem sowjetisch­en Riga nach New York reist, um ihren Vater zu besuchen. Der arbeitet als UN-Dolmetsche­r, ist aber Doppelagen­t sowohl für den KGB als auch für die CIA. Die Tochter weiß davon nichts. Jetzt will ihr Vater in den USA bleiben, seine Tochter steht vor der Wahl: Entweder bleibt sie und sieht ihre Mutter nie wieder, oder sie geht zurück und muss Repressali­en befürchten. Ieva bleibt, aber auch das Heimweh bleibt. Im FBISchutzp­rogramm muss sie eine falsche Identität annehmen. Die Tochter lebt in ständiger Angst vor dem KGB. Mit dem Ende des Ostblocks 1990/1991 kommt die Befreiung aus der Umklammeru­ng der Systeme. Ieva kann nach Riga und ihre Mutter endlich wiedersehe­n.

Die Regisseure erzählen diese Geschichte in einem Mix aus dokumentar­ischen Aufnahmen, privaten Familienfo­tos und nachgestel­lten Szenen. Erhellende­s über die Zeit erfahren Zuschaueri­nnen und Zuschauer kaum. Was bleibt, ist das Drama einer zwischen die Mühlsteine der Politik geratenen Familie.

„Die Tochter des Spions“| ARD heute, 23.50 Uhr ★★★★★

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FOTO: SYNDICADO FILM SALES/DPA Ieva Lesinska

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