Kieler Nachrichten

G 7 – ein Gipfel der Ankündigun­gen

- VON EVA QUADBECK

Dieser G-7-Gipfel war ein besonderer. Die USA nutzten ihn nach dem Ende der Ära Trump für eine demonstrat­ive Rückkehr in die westliche Wertegemei­nschaft. Für Kanzlerin Merkel, die Dienstälte­ste unter den Staats- und Regierungs­chefs, war es der letzte Auftritt in dieser Runde. Sie blieb sich treu, indem sie moderierte, zusammenfü­hrte, appelliert­e und Verspreche­n abgab. Erfüllen müssen diese nun andere.

Der Ton des Gipfels, den auch das Abschlussd­okument atmet, war einer von Verantwort­ungsüberna­hme in der Welt. Er war von der Erkenntnis geprägt, dass der eigene Wohlstand vor allem vom Wohlergehe­n der anderen Nationen abhängt – das gilt gleicherma­ßen für den Kampf gegen den Klimawande­l wie für den gegen die Pandemie. Ob von diesem G-7-Gipfel möglicherw­eise das Signal einer Wende der Industrien­ationen im Umgang mit dem Rest der Welt ausgeht, wird man erst später beurteilen können. Große Worte jedenfalls sind genug gefallen. Wenn die G 7 künftig global noch ernst genommen werden möchten, müssen ihren Ankündigun­gen schnell und spürbar Taten folgen.

Wenn es dem Club der Industrien­ationen ernst damit ist, künftig den Kampf gegen den Klimawande­l in den Entwicklun­gsländern mit rund 82 Milliarden Euro jährlich zu unterstütz­en, dann sollte spätestens bis zur UN-Klimakonfe­renz im November ein verbindlic­her Plan dazu vorliegen. Wenn es dem Club der Industrien­ationen auch ernst damit ist, bis Ende nächsten Jahres 2,3 Milliarden Impfdosen an ärmere Länder zu liefern, dann müssen vor allem die USA und Großbritan­nien damit endlich anfangen. Impfdosene­xporte kamen bislang vor allem aus der Europäisch­en Union. Es fehlt auch ein konkreter Plan, wer welche finanziell­en Verpflicht­ungen übernimmt, um das Verspreche­n wahr werden zu lassen.

Leider ist diesem G-7-Gipfel zu oft zu eigen, dass die Staatsleut­e sich in schöner Umgebung ihrer humanitäre­n und freiheitli­chen Werte vergewisse­rn und dann, eingenomme­n von der Gewissheit, selbst auf der richtigen Seite des Weltenlauf­s zu stehen, große Verspreche­n tätigen.

Man darf auch gespannt sein, wie die G 7 künftig mit China umgehen. Der Ton im Abschlussd­okument ist bemerkensw­ert klar. Unfairer Handel, schwere Menschenre­chtsverlet­zungen, Klimasünde­n und die harte Linie gegenüber Hongkong – darüber können die G-7-Staaten nicht mehr hinwegsehe­n. Nun will man sich über ein Vorgehen absprechen, „um marktwidri­ge Politik und Praktiken anzufechte­n, die den fairen und transparen­ten Ablauf der Weltwirtsc­haft untergrabe­n“. Auch diese Formulieru­ng gehört in die Abteilung wohlfeile Ankündigun­g. Die G 7 haben keine festen Strukturen für solche Absprachen. Dass in dieser Runde die EU immer mit am Tisch sitzt, macht das Vorhaben nicht leichter.

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