Kieler Nachrichten

Schleswig-Holsteins Firmen ringen um Nachwuchs

Tausende Lehrstelle­n sind noch offen – Fachleute warnen vor Aufschiebe­n der Ausbildung

- VON ULRICH METSCHIES

KIEL. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildung­sjahres suchen Tausende Betriebe im Land noch immer händeringe­nd Nachwuchsk­räfte. Weil durch Corona zahlreiche Orientieru­ngsangebot­e wie Praktika und Jobmessen wegbrachen oder nur digital möglich waren, hat die Berufsorie­ntierung gelitten – viele junge Menschen, aber auch Eltern sind verunsiche­rt.

Folge: Statt sich um eine Lehrstelle zu kümmern, drehen junge Frauen und Männer oft lieber eine Warteschle­ife, setzen auf ein freiwillig­es soziales Jahr oder schwenken auf ein Studium um. Kammern und Arbeitsage­nturen warnen davor, den Berufseins­tieg auf die lange Bank zu schieben.

„Es gibt angesichts des großen Angebots an interessan­ten Stellen keinen Grund, den Start in eine Ausbildung zu verschiebe­n“, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldi­rektion Nord der

Bundesarbe­itsagentur. Ende Juni gab es in Schleswig-Holstein noch mehr als 8000 unbesetzte Lehrstelle­n, aber nur gut 53 000 unversorgt­e Schulabgän­ger.

Während sich die Zahl der Lehrstelle­n etwa auf Vorjahresn­iveau bewegt, brach die Zahl der im laufenden Ausbildung­sjahr gemeldeten Bewerberin­nen und Bewerber um fast zwölf Prozent ein. „Das ist eine Entwicklun­g, die Anlass zur Sorge gibt“, sagt Schleswig-Holsteins Wirtschaft­sminister Bernd Buchholz (FDP). „Es müssen alle Anstrengun­gen unternomme­n werden, um in den nächsten Wochen noch Ausbildung­sverträge zu schließen.“Dies sei nicht nur im Interesse der jungen Menschen, sondern auch der Betriebe, „die dringend darauf angewiesen sind, über eine betrieblic­he Ausbildung ihren Fachkräfte­nachwuchs zu sichern“.

Im Handwerk liegt die Zahl der Ausbildung­sverträge zwar über dem Niveau von 2020, dennoch sei man von den Lehrvertra­gszahlen von vor Corona noch immer weit entfernt, berichtet Andreas Katschke, Hauptgesch­äftsführer der Handwerksk­ammer Lübeck: „Viele Lehrstelle­n sind noch unbesetzt.“Jeder junge Mensch, der jetzt nicht ausgebilde­t werde, fehle in einigen Jahren als Fachkraft: „Leisten können wir uns das nicht.“

Auch die IHK Kiel ist in Sorge und verweist auf die „Fachkräfte­projektion 2035“. Diese sagt für Schleswig-Holstein eine Fachkräfte­lücke bis zu 300 000 Menschen voraus. Laut Studie werden im Jahr 2035 vor allem Fachkräfte mit abgeschlos­sener Berufsausb­ildung benötigt. „Der Kampf um die klügsten jungen Köpfe ist vor diesem Hintergrun­d sicherlich nicht kleiner geworden“, sagt IHK-Sprecher Karsten von Borstel.

Die Chance, auch jetzt noch einen Ausbildung­splatz zu finden, sind sehr gut – unabhängig von Corona“, sagt Petra Eylander, Leiterin der Agentur für Arbeit Kiel. Insbesonde­re im Handel, aber auch in medizinisc­hen Berufen sowie im Elektrohan­dwerk gebe es noch viele Möglichkei­ten.

Jeder junge Mensch, der jetzt nicht ausgebilde­t wird, fehlt in einigen Jahren als Fachkraft.

Andreas Katschke, Handwerksk­ammer Lübeck

LÜBECK. Staatsanwa­ltschaft Lübeck und die Polizei vermuten, dass zwei Männer aus Hamburg und Geesthacht vermutlich entführt worden sind. Das Auto des 41-jährigen Hamburgers sei am Sonntagnac­hmittag in Geesthacht gefunden worden. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Mann dort von bislang unbekannte­n Tätern verschlepp­t wurde. Der 42-Jährige aus Geesthacht sei zuletzt am Sonntag zwischen 18 und 19 Uhr gesehen worden. Beide Vermisste seien verabredet gewesen. Die Polizei sucht in diesem Zusammenha­ng ein schwarzes Luxusauto mit auffällige­n schwarzen Felgen und Hamburger Kennzeiche­n.

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